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Weiterbildung: Berufsschulen steuern Kfz-Ausbildung in Richtung E-Auto

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Bei Elektromobilität gibt es zwar sehr unterschiedliche politische
Positionen und persönliche Meinungen – unbestreitbar ist, dass der Anteil
der E-Fahrzeuge kontinuierlich zunimmt.

Und damit auch der Bedarf an
Fachkräften, die sich damit auskennen. Aus allen bayerischen
Regierungsbezirken wurden Berufsschul-Lehrende zu einer Weiterbildung an
die Hochschule Coburg geschickt.

Von Natalie Schalk

Weltweit kommen aus China und Amerika derzeit die meisten Elektroautos.
„Alles, was derzeit auf den Straßen unterwegs ist, gehört zu einer ersten
Generation“, sagt Prof. Dr. Marco Denk. Er leitet das Kfz-Labor der
Hochschule Coburg, forscht und lehrt an der Fakultät Maschinenbau und
Automobiltechnik der Hochschule Coburg zu Themen wie der Temperierung von
Hochvoltbatterien, Kühlung von Komponenten des elektrischen Antriebstrangs
und dem elektrischen und thermischen Energiemanagement. Er sieht noch
enormes Potenzial in der Entwicklung der E-Autos. „Bei der zweiten
Generation werden deutsche Unternehmen ganz sicher einen wichtigen Beitrag
leisten.“
Dafür braucht’s Fachleute wie die jungen Menschen, die an der Hochschule
Coburg studieren, und es braucht qualifizierte Leute in den Lehrberufen
rund ums Kfz: Automobil- oder Fahrzeugtechniker und -technikerin oder Kfz-
Mechatroniker und Kfz-Mechatronikerinnen zum Beispiel. Sie werden an den
Berufsschulen ausgebildet. Traditionell standen bei der Kfz-Berufs-
Ausbildung in Deutschland lange die Verbrenner-Fahrzeuge im Fokus. Als
zentrale Fortbildungseinrichtung in Bayern wandte sich die Akademie für
Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) Dillingen deshalb an die
Studienfakultät für Weiterbildung der Hochschule Coburg: Um die Fachkräfte
von morgen auf dem Stand der modernsten Technik ausbilden zu können, wurde
bayerischen Berufsschullehrenden an der Hochschule jetzt spezielles Wissen
über Elektromobilität vermittelt. Aus allen Ecken Bayerns kamen die
Berufsschul-Lehrenden für den einwöchigen Intensivkurs unter Leitung von
Prof. Denk nach Coburg: von Ansbach bis Augsburg und von Miesbach bis
Traunreut. Zwei aus jedem bayerischen Regierungsbezirk. Sie sind
Multiplikatoren und geben nun selbst eine Schulung für weitere Lehrerinnen
und Lehrer in ihrem Regierungsbezirk, die wiederum Kolleginnen und
Kollegen schulen – so wird das Wissen über E-Maschinen für E-Autos aus der
Hochschule Coburg schließlich in alle bayerischen Berufsschulen
weitergetragen.

Gast-Dozierende stellten spannende Innovationen vor

In Coburg beschäftigten sich die Berufsschul-Lehrenden zum Beispiel mit
verschiedenen Motortypen und ihrer Anwendung im Elektro-Fahrzeug, mit
Kennlinien der Motoren, der Auslegung aber auch der Kühlung, Fragen nach
Wirkungsgradbereich und Leistungsdichte. Dabei ging es aber nicht nur um
Theorie: Im Labor wurden Elektroantrieb eines Tesla Model Y und eines
Mercedes EQC in Einzelteile zerlegt und im Detail besprochen.
Promovierende und Laboringenieure der Hochschule gaben Einblicke in ihre
Themen, außerdem gab es spannende Beiträge von Gast-Dozierenden
beispielsweise der Automobil-Zeitschrift Auto Motor und Sport und aus dem
jungen Münchener Hightech-Unternehmen Deepdrive: Es entwickelt wegweisende
E-Antriebseinheiten mit höherer Reichweite, die dabei günstiger sind,
weniger Platz, weniger Materialien und weniger seltene Erden benötigen.
Ein Höhepunkt war die Live-Demonstration der Messtechnik der beiden
Unternehmen Vector und CSM: Viel präziser als in einer Kfz-Werkstatt kann
damit der Strom gemessen werden – pro Sekunde eine Millionen Mal. Aus den
Messungen wichtige Parameter herauszulesen fanden die Berufsschullehrenden
besonders aufschlussreich. „Beste Fortbildung aller Zeiten“ war eine der
Rückmeldungen, über die sich Hochschul-Prof Denk sehr freute. „Sie waren
alle von der ersten Sekunde an total wissbegierig. Man merkte, dass sie
sich mit dem Thema stark identifizieren.“ Nachhaltige Mobilität ist Denk
zufolge nicht nur wegen der Klimaziele für bedeutend. „Deutschland hat
keine Rohstoffe, deswegen sind kluge Köpfe für unsere Zukunft so wichtig“
stellt der Professor fest, „und deswegen ist es mir so wichtig, dass wir
Wissen verständlich aufbereiten und weitergeben.“

Studium in Coburg

Das Weiterbildung-Seminar hat Prof. Dr. Marco Denk aus seiner Vorlesung
„Elektrische Antriebstechnik“ im Bachelor-Studiengang Automobiltechnologie
– Nachhaltige Fahrzeug- und Antriebstechnik abgeleitet. Anmeldung und
Einschreibung fürs Sommersemester ist aktuell möglich – wer überlegt, ob
und welches Studium zu ihm oder ihr passt, kann das im Coburger
Orientierungssemester ausprobieren. Infos dazu und zu den Studiengängen
fürs Wintersemester gibt’s aber auch bei den Schnuppertagen am 15. und 16.
April und auf www.hs-coburg.de – hier finden sich auch Informationen zu
den Weiterbildungs-Angeboten.