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IWH-Insolvenztrend: Firmenpleiten 2025 auf höchstem Stand seit zwei Jahrzehnten

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Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer
heute veröffentlichten Analyse feststellt, stieg die Zahl der Insolvenzen
von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im Dezember wieder
deutlich an. Im Gesamtjahr 2025 gab es so viele Firmenpleiten wie seit 20
Jahren nicht mehr.



Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in
Deutschland liegt laut IWH-Insolvenztrend im Dezember bei 1.519 (vgl.
Abbildung 1). Das sind 17% mehr als im November, 14% mehr als im Dezember
2024 und 75% mehr als in einem durchschnittlichen Dezember der Jahre 2016
bis 2019, also vor der Corona-Pandemie.

Schließungen großer Arbeitgeber führen häufig zu erheblichen und
dauerhaften Einkommens- und Lohnverlusten bei den betroffenen
Beschäftigten. Die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Jobs liefert
zudem eine gute Annäherung an die Gesamtzahl der von Insolvenz betroffenen
Arbeitsplätze. Laut IWH-Insolvenztrend waren im Dezember in den größten
10% der insolventen Unternehmen mehr als 15.000 Arbeitsplätze betroffen.

Damit liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten mehr als zwei Drittel
über dem Vormonatswert, leicht unter dem Niveau von Dezember 2024 und 70%
über dem Durchschnitt eines typischen Dezembers der Vor-Corona-Jahre 2016
bis 2019 (vgl. Abbildung 2).

Im Gesamtjahr 2025 wurden in Deutschland 17.604 Insolvenzen von Personen-
und Kapitalgesellschaften verzeichnet – der höchste Stand seit 2005.
Selbst im Zuge der großen Finanzkrise 2009 lag die Zahl rund 5% niedriger.
Insgesamt waren etwa 170.000 Arbeitsplätze von Insolvenzen betroffen,
ebenfalls ein sehr hoher Wert.

Eine branchenspezifische Aufschlüsselung für insolvente Personen- und
Kapitalgesellschaften wird vom Statistischen Bundesamt nicht
veröffentlicht; entsprechende Daten werden vom IWH seit Januar 2020
erhoben. Wie bereits im Jahr 2024 entfiel auch 2025 der größte Anteil der
betroffenen Arbeitsplätze auf das Verarbeitende Gewerbe mit rund 62.000
Jobs.

Laut Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, lassen sich die
derzeit hohen Insolvenzzahlen nicht mehr durch Nachholeffekte aus der
Pandemie und der jahrelangen Niedrigzinspolitik erklären. Extrem niedrige
Zinsen sowie umfangreiche staatliche Hilfen hatten Insolvenzen zunächst
über Jahre hinweg verhindert.

Mit dem Zinsanstieg und dem Wegfall der Subventionen seien ab 2022 zwar
Nachholeffekte ausgelöst worden. „Mittlerweile aber dürften die
Nachholeffekte an Kraft verloren haben. Die aktuell hohen Insolvenzzahlen
spiegeln immer deutlicher die gegenwärtigen wirtschaftlichen
Herausforderungen in Deutschland wider“, sagt Müller. Insolvenzen seien
aber auch ein normaler Bestandteil der Marktwirtschaft: Sie stellten
notwendige Marktbereinigungen dar und schafften Raum für zukunftsfähige
Unternehmen.

Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um zwei bis
drei Monate vorauslaufen. Die Frühindikatoren sind in den vergangenen
Monaten kontinuierlich angestiegen. Auf Basis dieser Indikatoren erwartet
IWH-Insolvenzforscher Steffen Müller für das erste Quartal 2026 weiterhin
sehr hohe Insolvenzzahlen.

IWH-Insolvenztrend: Hintergrund, Daten, Methodik

Deutlich schneller als die amtliche Statistik liefert der IWH-
Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen
für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse weisen nur
geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf, die mit etwa zwei
Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben (vgl.
Abbildung 3).

Der IWH-Insolvenztrend ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator für das
Insolvenzgeschehen und die wirtschaftliche Entwicklung. Für seine Analysen
wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen
Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener
Unternehmen. Dank seiner langjährigen Expertise, gebündelt in der IWH-
Insolvenzforschungsstelle, gehört das Institut bundesweit zu den führenden
Einrichtungen auf diesem Themengebiet.

Die im IWH-Insolvenztrend gemeldeten Insolvenzen für Kapital- und
Personengesellschaften umfassen in der Regel mehr als 90% der von
Unternehmensinsolvenz betroffenen Arbeitsplätze und 95% der Forderungen.
Damit bilden diese Zahlen verlässlich die direkten volkswirtschaftlichen
Konsequenzen des Insolvenzgeschehens ab.

Auch die amtliche Statistik weist monatlich vorläufige Insolvenzzahlen
aus. Diese beziehen sich jedoch auf alle Regelinsolvenzen.
Regelinsolvenzen umfassen neben den im IWH-Insolvenztrend erfassten
Personen- und Kapitalgesellschaften auch die gesamtwirtschaftlich wenig
relevante Gruppe der Kleinstunternehmen. Zudem werden auch bestimmte
natürliche Personen wie Selbstständige oder ehemals selbstständig Tätige
mit unüberschaubaren Vermögensverhältnissen sowie privat haftende
Gesellschafter und Einzelunternehmer gemeldet.

Regelinsolvenzen sind also nicht mit Unternehmensinsolvenzen
gleichzusetzen. Die Zahl der insolventen Personen- und
Kapitalgesellschaften macht weniger als die Hälfte der Regelinsolvenzen
aus. Die prozentualen monatlichen Veränderungen bei den Regelinsolvenzen
können sich aufgrund der Vielzahl gesamtwirtschaftlich unbedeutender
Insolvenzfälle deutlich von denen der Personen- und Kapitalgesellschaften
unterscheiden.

Mehr zur IWH-Insolvenzforschung und zur Methodik hinter dem IWH-
Insolvenztrend: www.iwh-halle.de/insolvenzforschung.