Forschung Frankfurt: Büchner und die Biodiversität Neues Forschung Frankfurt über Artenreichtum und Artensterben
Georg Büchners Texte sind auch im 21. Jahrhundert faszinierend modern.
Seine vehemente Sozialkritik, die psychologische Zeichnung seiner
Charaktere, sein scharfer Blick für zwischenmenschliche Machtverhältnisse
machen ihn zu einem Autor, der seiner Zeit weit voraus war. Büchner-
Forscher Roland Borgards weist auf eine weitere Lesart hin: Im Interview
in „Forschung Frankfurt“ erklärt er, warum Büchner ein Biodiversitätsautor
ist. Die Krise der Biodiversität steht im Zentrum der Ausgabe unter dem
Titel „Seltene Schönheit – wenn Vielfalt verschwindet“.
Das
Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität zeigt einmal mehr, wie natur-
und geisteswissenschaftliche Perspektiven einander ergänzen können.
Kann ein Autor aus dem 19. Jahrhundert uns helfen, die aktuelle
Biodiversitätskrise zu verstehen? Roland Borgards, Professor für Neuere
deutsche Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität ist überzeugt
davon. Sein neuestes Buch „Büchners Tiere – ein Bestiarium“ (Wallstein
Verlag Göttingen 2026) zeigt das Werk des hessischen Dichters als
literarisches Ökosystem. Anders als zum Beispiel bei Äsop oder E.T.A.
Hoffmann würden Tiere bei Büchner nicht als Personen oder Symbole
dargestellt, erklärt Borgards im Interview in der jüngsten Ausgabe von
„Forschung Frankfurt“. Vielmehr verschwinde in seinem Werk die starre
Trennung zwischen „menschlicher Vernunft“ und „tierischer Bestialität“
zugunsten eines fließenden Übergangs zwischen Tierischem und Menschlichem.
Anhand der Figur des Valerio aus seinem Lustspiel „Leonce und Lena“ macht
Büchner Borgards zufolge deutlich, wie „biodiversitätssensibles Handeln“
aussehen könnte: Wer sich auf die Ebene der Insekten und Spinnen begibt,
entwickelt eine Sensibilität für die Welt. Borgards plädiert für eine neue
Wahrnehmung der Natur – und fühlt sich dabei im Einklang mit dem großen
Autor.
Weitere Beiträge in „Forschung Frankfurt“ stellen Forschungen zu akuten
Problemen der Gegenwart vor: Der Umwelttoxikologe Prof. Henner Hollert
etwa untersucht in einem Projekt die Rückstände von Autoreifen in der
Umwelt – und deren schädliche Auswirkungen auf die Natur und die
menschliche Gesundheit. Der Biologe Prof. Jörg Oehlmann hat
herausgefunden, welche Schadstoffe die Insektenpopulationen in und an
privaten Gartenteichen gefährden – und woher diese Schadstoffe überhaupt
kommen. Wozu fehlgeleitete Tierliebe im Fall invasiver Arten wie des
Waschbären führen kann, zeigt die Forschung des Parasitologen Prof. Sven
Klimpel. Weitere Forschungsgeschichten handeln zum Beispiel davon, wie
Finanz- und Biowissenschaftler der Goethe-Universität gemeinsam an der
Entwicklung einer Umweltklassifikation von Wirtschaftsunternehmen
arbeiten, um so eines Tages zu weltweit gültigen Standards beizutragen,
oder wie es juristisch möglich geworden ist, dass eine bedrohte Lagune in
Spanien vor Gericht ihre Rechte einklagt.
Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (1/2026) kann kostenlos
bestellt werden über:
