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Der Ozean auf der Weltklimakonferenz

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 Vom 9. bis 20. November 2026 findet die 31.
Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (COP31) im türkischen Antalya
statt. Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel ist als
Partner im internationalen Ocean Pavilion beteiligt. Wissenschaftler:innen
des GEOMAR bringen ihre Expertise in Veranstaltungen zu Ozeanbeobachtung,
Küstenökosystemen und der Kohlenstoffaufnahme des Ozeans ein.

Wer an der Küste von Antalya steht, blickt auf ein Meer, das sich im
Klimawandel besonders stark verändert. Das Mittelmeer erwärmt sich
schneller als der globale Ozean. Laut dem EU-Klimadienst Copernicus ist
die Oberflächentemperatur im Mittelmeer seit den 1980er-Jahren um rund 1,4
Grad gestiegen, weltweit waren es etwa 0,6 Grad. Die Türkei richtet hier
vom 9. bis 20. November 2026 die Weltklimakonferenz (Conference of the
Parties, COP31) aus. Erwartet werden mehr als 80.000 Teilnehmende aus 196
Ländern. Im Mittelpunkt stehen die Begrenzung der Erderwärmung, die
Anpassung an die Folgen des Klimawandels und die Finanzierung von
Klimaschutzmaßnahmen.

"Oceans and Seas" auf der COP31

Zu den zehn Schwerpunktthemen der COP31-Präsidentschaft gehört das Thema
„Oceans and Seas“. Gemeinsam mit internationalen Partnerinstitutionen
bringen Wissenschaftler:innen des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für
Ozeanforschung Kiel im Ocean Pavilion in der sogenannten Blue Zone, dem
offiziellen Bereich, in dem auch die Verhandlungen stattfinden, ihre
Expertise ein.

Die türkische Präsidentschaft will in Antalya zudem eine gemeinsame Ozean-
Erklärung der Staaten erreichen, die Antalya Ocean Declaration. Sie soll
Klimaschutz mithilfe des Ozeans voranbringen und gefährdeten Küsten- und
Inselstaaten helfen, sich an den Klimawandel anzupassen. Laut dem
aktuellen Emissions Gap Report des Umweltprogramms der Vereinten Nationen
(UNEP) reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus, um die Ziele des
Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Darin haben sich die Vertragsstaaten
vorgenommen, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad gegenüber dem
vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Setzen die Staaten ihre derzeitige
Politik fort, könnte sich die Erde in diesem Jahrhundert um 2,8 Grad
erwärmen. Der Bericht geht davon aus, dass ein Überschreiten der 1,5-Grad-
Marke inzwischen unvermeidlich ist. Ziel ist es nun, dieses Überschreiten
möglichst gering und kurz zu halten und die Erwärmung bis zum Ende des
Jahrhunderts wieder auf 1,5 Grad zu senken.

„Jedes Zehntelgrad, das wir vermeiden, zählt. Es ist nicht zu spät, die
Folgen für den Ozean und für uns Menschen zu begrenzen. Dafür müssen die
Emissionen jetzt schnell und deutlich sinken. Die Weltklimakonferenz in
Antalya ist eine Chance, die internationale Zusammenarbeit dafür zu
bekräftigen“, sagt Prof. Dr. Katja Matthes, Direktorin des GEOMAR.

Ozean als Kohlenstoffsenke unter Druck

Der Ozean puffert den Klimawandel ab: Seit Beginn der Industrialisierung
hat er etwa 30 Prozent des vom Menschen verursachten Kohlendioxids (CO2)
aufgenommen. Doch diese Leistung lässt nach. Laut dem Climate Technology
Progress Report des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) nimmt
der Ozean durch den Klimawandel heute schon rund sechs Prozent weniger
Kohlenstoff auf, als er es sonst könnte. Dr. Judith Ziegler vom GEOMAR ist
Co-Autorin eines Kapitels und stellt den Bericht gemeinsam mit weiteren
Autor:innen im Ocean Pavilion vor.

Blue Carbon: Marine Ökosysteme tragen zum Klimaschutz bei

Seegraswiesen, Salzwiesen und Mangroven binden Kohlenstoff. Der Schutz
dieser sogenannten Blue-Carbon-Ökosysteme und ihr Beitrag zum Klimaschutz
gehören zu den Schwerpunkten der Action Agenda der COP31. Viele Staaten
haben Küstenökosysteme bereits in ihre nationalen Klimaschutzpläne
(Nationally Determined Contributions, NDCs) aufgenommen. Wie sich ihr
Potenzial zur Kohlenstoffaufnahme besser nutzen und überprüfen lässt und
welche Forschung und politischen Rahmenbedingungen dafür nötig sind,
diskutiert Katja Matthes mit internationalen Expert:innen im Ocean
Pavilion. Das GEOMAR richtet außerdem gemeinsam mit der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt (DBU) eine Veranstaltung zu Klimaschutz und
Küstenökosystemen im German Climate Pavilion aus.

Ozeanbeobachtung

Eine weitere Diskussionsrunde mit Beteiligung des GEOMAR widmet sich dem
Wert der Ozeanbeobachtung für Gesellschaft, Wirtschaft und Finanzwelt.
Messungen im Ozean helfen zum Beispiel, Überflutungen vorherzusagen und
marine Hitzewellen früh zu erkennen. Die Daten liefern zudem zentrale
Informationen über langfristige Entwicklungen im Klimasystem, etwa über
Veränderungen der Atlantischen Meridionalen Umwälzzirkulation (Atlantic
Meridional Overturning Circulation, AMOC). Die Europäische Union und
Kanada haben Ende September die internationale Allianz OceanEye gegründet.
Sie soll das Globale Ozeanbeobachtungssystem (Global Ocean Observing
System, GOOS) stärken und langfristig absichern.

Katja Matthes: „Nur aufbauend auf detaillierten Beobachtungsdaten können
wir nachhaltige Entscheidungen für den Schutz und die Nutzung des Ozeans
treffen. Dieses Wissen ist nicht nur für die Forschung relevant: Ohne
diese Daten ist es unmöglich, das Wetter vorherzusagen, Schiffsrouten zu
planen oder frühzeitig vor Erdbeben und Tsunamis zu warnen.“

 

GEOMAR-Expert:innen vor Ort

Prof. Dr. Katja Matthes, GEOMAR-Direktorin
Expertise: Klimaforschung und Ozean, Nachhaltige Nutzung des Ozeans,
Tiefseebergbau, Internationale Kooperation

Dr. Judith Ziegler, Wissenschaftliche Projektmanagerin am GEOMAR
Expertise: Kohlenstoffaufnahme im Ozean

Dr. Toste Tanhua, Chemischer Ozeanograph am GEOMAR
Expertise: Ozeanbeobachtung

 

Veranstaltungen mit Beteiligung des GEOMAR (Ortszeit Antalya, UTC+3)

Donnerstag, 12. November 2026, 10:30 bis 11:30 Uhr, German Climate
Pavilion: Where Blue Meets Green: Synergies between Climate Mitigation and
Coastal Ecosystems (Veranstaltung unter Leitung von DBU und GEOMAR mit
Prof. Dr. Katja Matthes)

Donnerstag, 12. November 2026, 12:45 bis 13:35 Uhr, Ocean Pavilion:
Harnessing Synergies and Strengthening the Role of the Ocean in NDCs (mit
Prof. Dr. Katja Matthes)

Freitag, 13. November 2026, 10:15 bis 11:05 Uhr, Ocean Pavilion: A Close
Eye on our Ally: Unlocking the Social, Economic and Financial Values of
Ocean Observation (mit Prof. Dr. Katja Matthes)

Dienstag, 17. November 2026, 10:15 bis 11:05 Uhr, Ocean Pavilion:
Navigating Ocean-based Technologies: The 2026 Climate Technology Progress
Report (CTPR) (mit Dr. Judith Ziegler)

 

Hintergrund

Die Weltklimakonferenz COP31

Die 31. UN-Klimakonferenz „Conference of the Parties“ (Konferenz der
Vertragsparteien), kurz COP, findet vom 9. bis 20. November 2026 im
türkischen Antalya statt. Die Konferenz soll das weltweite
Klimaschutzengagement stärken, um die Erderwärmung zu begrenzen und
Maßnahmen zur Klimaanpassung voranzutreiben. Auch sollen praxisnahe
Lösungen verbreitet und Verpflichtungen in greifbare Maßnahmen überführt
werden. Erstmals sind die Aufgaben der Präsidentschaft auf zwei Länder
verteilt: Die Türkei hat die Präsidentschaft inne und richtet die
Konferenz aus. Australien leitet die eigentlichen Verhandlungen, in denen
die Regierungen der Staaten über verbindliche Regeln für den Klimaschutz
entscheiden. Die Türkei verantwortet zudem die Action Agenda, die diese
Verhandlungen ergänzt. Sie bringt nichtstaatliche Akteure wie Städte,
Unternehmen, Investoren, Indigene Völker und die Zivilgesellschaft
zusammen, um praktische Lösungen zu diskutieren.

Ocean Pavilion

Der Ocean Pavilion wird von der Woods Hole Oceanographic Institution und
der Scripps Institution of Oceanography der University of California San
Diego organisiert. Es handelt sich um einen eigenen Bereich in der Blue
Zone der COP31, der den Ozean stärker in die Klimaverhandlungen einbringen
will. Der Ocean Pavilion bringt Akteure zusammen, die sich dafür
einsetzen, dass ozeanbezogene Lösungen bei der Reaktion der Welt auf die
Klimakrise als entscheidend anerkannt werden. Während der zweiwöchigen
Konferenz bietet der Pavillon mehr als 65 Veranstaltungen an.