Historiker Jens Gieseke legt umfangreiche Studie zur „ostdeutschen Volksmeinung“ vor
Jahrzehntelang beobachteten Meinungsforschungsinstitute sowie
Geheimdienste in Ost und West die Bevölkerung der DDR. Zu welchen
Ergebnissen sie kamen, hat DDR- und Geheimdienstexperte Jens Gieseke in
einer substantiellen Untersuchung erforscht, die jetzt im Ch. Links Verlag
Berlin erscheint.
Was dachten die DDR-Bürger*innen „wirklich“ über ihr Leben, das SED-System
und die westliche Welt? Welche Antworten Staatssicherheit und
Bundesnachrichtendienst, SED-Institut für Meinungsforschung und Infratest
bei ihren Beobachtungen der DDR-Bevölkerung fanden, hat Jens Gieseke
untersucht. Jetzt liegt seine umfangreiche Studie unter dem Titel „Die
ostdeutsche Volksmeinung. Politische Einstellungen in der DDR-Gesellschaft
1961–1989“ vor.
Auf fast 1000 Seiten rekonstruiert der ZZF-Historiker die geheimen
Erkundungsprojekte und schreibt eine Geschichte der „nicht-öffentlichen“
Volksmeinung im Wandel, vom Mauerbau 1961 bis zur Herbstrevolution 1989.
Er stützt sich auf Hunderte von Stimmungsberichten der Stasi und des BND
sowie geheime demoskopische Studien. Gieseke arbeitet die
Haltungslandschaften hinter der Fassade der inszenierten
Parteiöffentlichkeit heraus, wie sie diese Beobachter der DDR-Bevölkerung
seit den 1960er Jahren analysierten. Er zeigt die Kräfteverteilungen
zwischen verschiedenen Haltungstypen, die Nähe und Distanz zur Politik in
Ost und West, den Stellenwert des persönlichen Lebens, aber auch die
Einstellungen zu Demokratie und Nation.
Jens Gieseke sagt: „Es ist erstaunlich, wie intensiv die Ergebnisse aus
Ost und West zueinander ‚sprechen‘. Trotz der gegensätzlichen
Weltanschauungen und Methoden, etwa der Stasi-Auswerter und der Infratest-
Demoskopen, zeichnen sich Stabilisierung und langsamer Zerfall der
staatssozialistischen Ordnung sehr deutlich ab.“
Die Studie enthält Gegenwartsbezüge, ist aber vor allem als
Grundlagenforschung zur DDR als Teil der deutschen Gesellschaftsgeschichte
von Bedeutung. Sie erscheint am 10. November 2026 in der ZZF-Reihe
„Kommunismus und Gesellschaft“ im Ch. Links Verlag Berlin und ist im
Buchhandel erhältlich.
Dr. Jens Gieseke, Jahrgang 1964, ist seit 2009 Leiter der Abteilung
„Kommunismus und Gesellschaft“ am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische
Forschung Potsdam (ZZF). Er wurde im Jahr 2000 an der Universität Potsdam
mit einer Studie zu den hauptamtlichen Mitarbeitern der Staatssicherheit
promoviert. Gieseke ist Autor zahlreiche Beiträge zur Geschichte der DDR
und zur Geheimdienstgeschichte. Zuletzt erschienen von ihm u.a. „Die Stasi
1945–1990“ (6. Aufl. München 2025) sowie als Herausgeber mit Rüdiger
Bergien und Jakob Mühle „Der BND nach Gehlen. DDR-Spionage – Personal –
Wissensproduktion“ (Berlin 2025).
Für Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle.
Weitere Informationen:
Zum Profil von Jens Gieseke auf der ZZF-Website:
https://zzf-potsdam.de/institu
Zum Projekt auf der ZZF-Website:
https://zzf-potsdam.de/forschu
spiegel-von-geheimdienstberich
Zur Verlagsankündigung:
https://www.aufbau-verlage.de/
volksmeinung/978-3-96289-257-9
Über das ZZF Potsdam
Das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) erforscht
die Zeitgeschichte im 20. Jahrhundert und ihre Bezüge zur Gegenwart. Die
deutsche und europäische Gesellschaftsgeschichte nach 1945 steht im
Mittelpunkt der Forschung, sie wird zugleich auch in ihren internationalen
Bezügen untersucht. Neben der Grundlagenforschung sind die Bereitstellung
von Forschungsinfrastrukturen und der Wissenstransfer zentrale
Aufgabenfelder des ZZF, insbesondere durch digitale Plattformen.
