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Soziologin Allmendinger beschreibt kleine, ländliche Universitäten als Stütze der Demokratie

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Universitäten im ländlichen Raum stärken den gesellschaftlichen
Zusammenhalt, fördern im gegenseitigen Austausch Wissen, Wirtschaft sowie
Politik und wirken gegen populistische Kräfte. Das hat die Soziologin
Prof. Dr. h.c. Jutta Allmendinger, Ph.D., Vorsitzende der
Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen (WKN), zur Eröffnung des
Akademischen Jahres 2026/27 an der Universität Vechta betont. In ihrem
Festvortrag „Wo Zukunft gemacht wird: Universitäten und die Stärke
ländlicher Räume“ sprach sie am 29. Oktober vor vielen
Hochschulmitgliedern sowie Gästen aus Wissenschaft, Politik, Kirche und
Region in der Aula.

In ihrer Keynote beleuchtete Allmendinger die spezifischen Stärken
kleinerer Universitäten. Sie betonte, dass diese nicht versuchen sollten,
Großuniversitäten im Kleinformat zu kopieren, sondern durch passgenaue
Profile und eine enge Verwurzelung in der Region Maßstäbe zu setzen .

Nach Allmendingers Worten fallen die Stimmen für extreme Parteien dort
deutlich niedriger aus, wo Bildungseinrichtungen in der Nähe sind. Streng
kausal sei das nicht, aber die Korrelation sei klar. Für sie sei dies
einer der Gründe, auch kleine, ländliche Universitäten zu erhalten. „Wir
wissen, dass unsere Demokratie dadurch bedroht ist, dass wir uns immer
seltener begegnen“, sagte sie. In Vechta sei das anders: „Hier sieht man
sich, hier kennt man sich, hier entfremdet man sich weniger.“

Die Größe der Universität sei dabei nicht ausschlaggebend, sagte
Allmendinger. Wichtiger sei, welche Türen eine Universität wie Vechta
öffnen könne. Dafür nannte sie unterschiedliche Felder: Die Universität
solle Menschen auch mit 40, 50 oder 60 Jahren offenstehen, für eine zweite
oder dritte Ausbildung „Wir müssen Bildung viel breiter fassen als etwas,
das uns nur auf den Erwerbsarbeitsmarkt vorbereitet“, forderte
Allmendinger. Sie plädierte dafür, Lebensläufe durchlässiger zu gestalten
und Bildungsangebote für zweite oder dritte Ausbildungsphasen in späteren
Lebensjahren systematisch zu öffnen – ein Ansatz, den die Universität
Vechta bereits sehr gut in ihrer Praxis lebe. Dafür brauche es andere
Finanzierungsmodelle, etwa nach schwedischem Vorbild. Auch die Vernetzung
in die Region praktiziere die Universität Vechta bereits gut. Bei
Mobilität, Pflege, Landwirtschaft und mehr könne Vechta weiterhin mit
Kommunen, Unternehmen und Einrichtungen Modelle erproben, die später auch
anderswo gebraucht würden. Und schließlich habe Vechta eine gewisse
Freiheit zum Ausprobieren: Die Universität könne bis 2031 fast die Hälfte
ihrer Professuren neu besetzen. „Dies ist eine riesige Chance!“.
Allmendinger regte an, dabei auch Personen zu berufen, die nicht dem
üblichen akademischen Karriereweg entsprechen.

Vechta könne und müsse dabei keine Exzellenzuniversität werden. Die
Universität brauche ein eigenes Profil und eigene Maßstäbe, etwa den
Anteil von Studierenden aus nichtakademischen Familien. Die Finanzierung
allein an Studierendenzahlen zu koppeln, sei überholt. Die WKN denke zudem
über einen Landespreis für Universitäten nach, die ihr Profil besonders
eng mit der Region verknüpften.

Vechta und das Oldenburger Münsterland kämpfen für seine Universität. Die
Vorbereitung auf den Abend nannte Allmendinger die beste Einstimmung auf
zwei Papiere des Wissenschaftsrats, darunter eines zur Demokratie. Ihre
Amtszeit bei der WKN werde sie mit Vechta abschließen, kündigte sie an,
und zwar indem sie zeige, was die Universität erreicht habe. Den
Studierenden gab sie mit: „Ich kann nur raten, dass Sie die Sorge nicht
zum wichtigsten Fach Ihres Studiums machen.“

Interimspräsident Prof. Dr. Thomas Bals unterstich die Fortführung des
Reformkurses und zeigte erste Erfolge: 13 Prozent mehr
Studienanfängerinnen und -anfänger als im Vorjahr. Das sei trotz der
Rückkehr zu G9 in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gelungen. Mit
den neuen Studiengängen Betriebswirtschaftslehre, Kindheitspädagogik und
Psychologie rechne er im kommenden Jahr mit rund 200 zusätzlichen
Studienanfängern und einer Auslastung von mehr als 90 Prozent. Bis 2030
will die Universität 4.000 Studierende erreichen.

Staatssekretär Prof. Dr. Joachim Schachtner (Niedersächsisches Ministerium
für Wissenschaft und Kultur) würdigte in seinem Grußwort den
Reformprozess. Die zurückliegenden Jahre seien für die Universität keine
einfache Zeit gewesen. Sie habe die Empfehlungen der WKN zu ihrem Fächer-
und Studienangebot weitgehend aufgegriffen und ihre Mittel auf die
Vorhaben konzentriert, die am meisten zu Profil und Zukunftsfähigkeit
beitragen. Dazu zählen die Weiterentwicklung des Zwei-Fächer-Bachelors,
zusätzliche fachliche Profile und neue Angebote. Ebenso habe die
Universität entschieden, auf Angebote zu verzichten, die nicht empfohlen
wurden. Mit ihren praxisnahen Studiengängen sichere sie Fachkräfte und
stärke den ländlichen Raum, auch als Ort der Demokratiebildung.

AStA-Sprecherinnen Charlotte Weber und Anissa Helmes betonten, dass eine
Universität von den Menschen, die sie gestalten, lebte. Die überschaubare
Größe der Universität Vechta sei dabei eine Stärke, etwa weil der AStA im
regelmäßigen Austausch mit dem Präsidium Anliegen der Studierenden direkt
vortragen könne. Zugleich benannten sie Aufgaben: Die Studienbedingungen
müssten gesichert werden und die Universität müsse mit unterschiedlichen
Lebensrealitäten der Studierenden umgehen. Eine Universität zeige ihre
Stärke nicht dadurch, dass sie keine Herausforderungen kenne, sondern wie
sie damit umgehe.

Timo Fuchs aus dem Team Marketing und Kommunikation moderierte den Abend.
Musikalisch begleiteten Celine Winkler und Ines Huismann, Studentinnen des
Fachs Musik, mit Stücken aus ihren anstehenden Abschlussprüfungen. Den
DAAD-Preis 2026 erhielt in diesem Jahr Fabrice Mamert Mbena Onana.

Allmendinger schloss mit einem Rückblick: In den 1990er hätten viele
Menschen in Vechta die damalige Hochschule in Vechta vor der Schließung
bewahrt. Heute könne die Region stolz darauf sein, welche Zukunft möglich
werde, weil es diese Universität gebe.