Leibniz-WissenschaftsCampus und DIMAS der Universität Regensburg vergeben Area Studies-Preise
Der Leibniz-WissenschaftsCampus “Europa und Amerika in der Modernen Welt”
und das Department für Interdisziplinäre und Multiskalare Area Studies
(DIMAS) der Universität Regensburg (UR) freuen sich, die Preisträgerinnen
des zum sechsten Mal vergebenen Regensburger Area Studies Prize für
herausragende Abschlussarbeiten bekannt zu geben: Der erste Preis geht an
Lena Marie Lange, Absolventin des Studiengangs Interkulturelle
Europastudien. Zwei zweite Preise erhalten Lara Berge (Ost-West-Studien)
und Claudia Hempel (Master Geschichte). Bewerbungen für die aktuelle
siebte Ausschreibung sind bis 31. Dezember 2026 möglich.
Die Preisträgerinnen des zum sechsten Mal vergebenen Area Studies-Preises
werden am 19. November 2026 im Rahmen der jährlichen Mitgliederversammlung
des Leibniz-WissenschaftsCampus (LWC) ausgezeichnet. Der Preis wird
jährlich an Studierende der Universität Regensburg verliehen, die kürzlich
einen M.A.-, L.LM. - oder Staatsprüfungsabschluss erworben und eine
Abschlussarbeit verfasst haben, die sich mit Themen befasst, die für das
breitere Feld der Regionalstudien relevant sind.
Für die aktuelle siebte Ausschreibung freut sich der LWC über Bewerbungen
von Studierenden (oder Nominierungen durch ihre Betreuungspersonen), die
im Jahr 2025 oder 2026 eine Masterarbeit oder eine gleichwertige
Abschlussarbeit an der Universität Regensburg eingereicht haben.
Lateinamerikas Hausangestellte und ihr Leben in Madrid
Der erste Preis der sechsten Ausschreibung in Höhe von 400 Euro ging an
Lena Marie Lange, Absolventin des Studiengangs „Interkulturelle
Europastudien“, für ihre im Jahr 2025 eingereichte Masterarbeit mit dem
Titel: "Collective Care among Latin American domestic workers in Madrid".
Den Studiengang absolvierte sie mit Doppelabschluss der UR und der
Universität Complutense Madrid.
Ausgehend von einer feministischen Ethik der Fürsorge untersucht ihre
Masterarbeit, wie lateinamerikanische Hausangestellte in Madrid
untereinander affektive Netzwerke und Systeme der gegenseitigen
Unterstützung aufbauen und aufrechterhalten. Damit nähert sich die Arbeit
dem Sektor der Hausarbeit in Spanien aus einem Blickwinkel, der in der
wissenschaftlichen Literatur bislang kaum beleuchtet wurde: Anstatt sich
auf die Rolle der Hausangestellten als Betreuende anderer zu
konzentrieren, steht im Mittelpunkt, wie sie sich gegenseitig
unterstützen.
In diesem Sinne widmet die Untersuchung den alltäglichen Praktiken der
gegenseitigen Unterstützung besondere Aufmerksamkeit, die in Kontexten
entstehen, die von Prekarität, Erschöpfung und mangelnder institutioneller
Anerkennung geprägt sind. Langes Arbeit betreuten Professorin Dr. Anne
Brüske (UR, DIMAS) und Professor Dr. Hubert Pöppel (UR, Romanistik).
Polnische Pflegekräfte in Deutschland
Die beiden mit jeweils 200 Euro dotierten zweiten Preise gingen an Lara
Berge und Claudia Hempel.
Claudia Hempel, Absolventin des Studiengangs Ost-West-Studien, setzte sich
in ihrer Abschlussarbeit wie Lange mit dem Thema Pflegekräfte auseinander.
Ihre Masterarbeit mit dem Titel „Überlagernde Diskriminierungen?! Die
Auswirkungen von intersektionalen Stereotypen auf die Lebens- und
Arbeitsrealitäten von Opiekunki, polnischen Betreuungskräften in der ‚24h-
Pflege‘ in Deutschland“ ein, betreuten Professor Dr. Ger Duijzings (UR,
Geschichte) und Professorin Dr. Sabine Koller (UR, Jüdisch-Slavische
Studien).
In ihrer Masterarbeit untersucht Claudia Hempel die Lebens- und
Arbeitsrealitäten von „Opiekunki“ anhand qualitativer Interviews mit
polnischen Pflegekräften in der sogenannten „24-Stunden-Pflege“ und
analysiert, wie historisch gewachsene Stereotypen, politische
Rahmenbedingungen und strukturelle Marktmechanismen diese Bedingungen
prägen. Die Studie befasst sich mit den politischen Rahmenbedingungen in
Bezug auf Migration, Pflege und Geschlecht, historischen Migrationsrouten
und der kulturellen Konstruktion weiblicher Pflegearbeit, der Rolle von
Vermittlungsagenturen sowie schließlich den individuellen Erfahrungen der
befragten Frauen.
Koloniale Sozialpraktiken in Deutsch-Südwestafrika
Im Rahmen ihres 2025 abgeschlossenen Masterstudiums in Geschichte führte
Lara Berge eine Studie zum Thema "Imperial Encounters: Zur Rolle
kolonialer Körper- und Geschlechterbilder bei der Etablierung kolonialer
Sozialpraktiken am Beispiel autobiographischer Reisebeschreibungen
deutscher Siedlerinnen in Deutsch-Südwestafrika um 1990“, die von
Professorin Dr. Natali Stegmann und Professorin Dr. Anne Brüske betreut
wurde.
In ihrer Dissertation untersucht Berge die deutsche Kolonialzeit aus einer
geschlechts- und körpergeschichtlichen Perspektive anhand der Analyse des
kolonialen Diskurses in vier autobiografischen Reiseberichten deutscher
Siedlerinnen in Deutsch-Südwestafrika um 1900, wobei sie sich auf Ansätze
aus der Reiseforschung, den postkolonialen Studien und der
Intersektionalität stützt.
Berges Studie zeigt auf, wie die Konstruktion kolonialer Körper- und
Geschlechterbilder sowohl von bürgerlichen Werten als auch von
tatsächlicher sozialer und räumlicher Segregation geprägt war und dadurch
die „schwarze Andersartigkeit“ mitgestaltete, während gleichzeitig
koloniale Machtstrukturen gefestigt wurden. Ihre Studie entschlüsselt
europäische koloniale Darstellungen und macht gleichzeitig die
Handlungsfähigkeit der kolonialisierten Bevölkerung sichtbar.
