Max Planck–NTU Singapore Centre for Biocultural Worlding mit sieben Projekten zwischen Kultur und Biodiversität
Von Geschichten über Schildkröten und Traditionen der Bewohner*innen der
Thar-Wüste über Waldnahrungsmittel indigener Gemeinschaften und das Wissen
der Orang Seletar bis hin zu traditioneller Medizin im Zeitalter von KI
eröffnen diese Projekte neue Wege, eine gemeinsame Zukunft durch den
Erhalt der biologischen Vielfalt und der Kulturen zu gestalten.
Die Seed-Projekte bringen Wissensgemeinschaften mit Forschenden,
Kunstschaffenden, Kurator:innen und Expert:innen aus Rechts-, Natur- und
Geisteswissenschaften zusammen. Die in Indien, Pakistan, Papua-Neuguinea,
Singapur, Deutschland und im Großraum des Indischen Ozeans angesiedelten
Projekte nutzen Oral History, Storytelling, Film, Sound, Fotografie,
Mapping und materielle Praktiken, um neue Formen des Wissens und
multimediale Inhalte zu erzeugen, die den Gemeinschaften zugutekommen,
eine breitere Öffentlichkeit erreichen und neue Gesprächsmöglichkeiten
eröffnen können.
Projekte entwickeln neue Ansätze in der biokulturellen Forschung
Im Folgenden werden die Projekte vorgestellt. Eine detaillierte Übersicht
aller Beteiligten und zu den Projekten findet sich auf der Website des
CBCW: www.bioculturalworlding.org/pr
Calling Sharks, Rewriting Laws from the Landscape: Über Oral History, Film
und Fotografie wird das traditionelle Hai-Rufen in Papua-Neuguinea mit
rechtlichen Fragen konfrontiert, um Räume für einen wechselseitigen
Austausch zwischen Gemeinschaftswissen und rechtlichen Aspekten zu
schaffen.
Mapping Biocultural Assemblages: Gemeinschaften der Orang Seletar und
Projektbeteiligte dokumentieren in Filmaufnahmen und Mapping-Verfahren
Gebäude, Orte und ökologisches Wissen, um ein von der Gemeinschaft
geprägtes Archiv zu schaffen.
„Bagi saya ini adalah satu projek komuniti masyarakat Seletar yang harus
di kekalkan, supaya generasi akan tahu berapa pentingnya adat dan budaya
masyarakat kami. Melalui hasil kerjasama dapat meningkatkan lagi hasil
dalam perubahan dalam komuniti kami. Dengan harapan orang luar tahu budaya
dan masyarakat kami. Berapa pentingnya adat resam sesuatu kaum.“
– Jefree Salim, Mitglied des Seed-Projects, Seletar Cultural and Arts
Society
Im Deutschen heißt das in etwa: Für mich handelt es sich hier um ein
Gemeinschaftsprojekt der Seletar, das erhalten werden sollte, damit auch
künftige Generationen die Bedeutung der Bräuche und Kultur unserer
Gemeinschaft nachvollziehen können. Gemeinsam können wir weitere positive
Veränderungen in unserer Gemeinschaft bewirken. Außerdem hoffen wir, dass
sich auch Menschen außerhalb unserer Gemeinschaft mit unserer Kultur
vertraut machen und verstehen, wie wichtig die Bräuche und Traditionen der
verschiedenen ethnischen Gruppen sind.
Thinking and Being Like a Honeybee: Wissensträger:innen der Kattunayakan
und Projektbeteilige dokumentieren mündlich überliefertes Wissen und
Praktiken des Honigsammelns in einem multimedialen Archiv und erkunden,
wie Wissen über die Beziehungen zwischen Menschen und Honigbienen
praktiziert und zwischen den Generationen weitergegeben wird.
Turtle Radio: Beteiligte erstellen gemeinsam eine Audio-Plattform, die
historische Hintergründe, Erinnerungen und Geschichten über Schildkröten
durch Oral Histories, Tonaufnahmen und Storytelling aus dem Gebiet des
Indischen Ozeans miteinander verknüpft.
When AI Meets Ancient Knowledge: Anhand von Methoden aus
computergestützter Forschung, Rechtswissenschaften und
Geisteswissenschaften erkundet das Projekt, wie sich das Wissen aus der
traditionellen Medizin bewahren lässt und wie Gemeinschaften angesichts
neuer Methoden der Wirkstoffforschung gemeinsam davon profitieren können.
Worlding with Boreendo, through Boreendo: Thari-Gemeinschaften in der
Thar-Wüste in Pakistan produzieren gemeinsam mit Projektbeteiligten
Geschichten, Klänge und materielle Praktiken rund um Boreendo, um neue
Dokumentations- und Ausdrucksformen für die Beziehungen von Menschen,
Orten und verkörpertem Wissen zu schaffen.
Forest Foods of Jharkhand: Indigene Adivasi-Gemeinschaften und
Projektbeteiligte in Jharkhand, Indien produzieren Filme und mündliche
Archive, um in den Beziehungen zu den lokalen Landschaften verankertes
Wissen über Nahrungsmittel, Heilmittel und Waldpraktiken zu dokumentieren.
„Ich will einen Austausch darüber anregen, inwiefern indigenes Wissen zum
Verständnis des Lebens, von Lebensformen und kollektivem Wohlergehen
beitragen kann. Auf diese Weise kann ich Menschen hoffentlich dazu
bewegen, ihr Verhältnis zur Natur zu hinterfragen. Was ich am CBCW
besonders schätze, ist der biokulturelle Ansatz, der Natur und Kultur als
miteinander kooperierende Einheiten betrachtet, die sich auf sinnvolle
Weise ergänzen können. Dies sehe ich also größte Stärke des Projekts sowie
für die Menschheit insgesamt.“
– Jyoti Shukla, Kulturwissenschaftlerin und Beteiligte des Seed-Projekts,
Indigeneity
Die Ansätze des Seed-Projekts machen zentrale Aspekte des Engagements von
CBCW deutlich:
„Das CBCW unterstützt den Austausch der Wissenschaftsgeschichte mit
modernen kuratorischen und künstlerischen Forschungsmethoden und
ermöglicht uns einen frischen Blick auf gemeinschaftsbasierte
Wissensformen und Kulturen. Es fordert uns auf, zu hinterfragen, wer einen
Einfluss auf diese Geschichten hat, und neue Methoden des gemeinsamen
Lernens und Forschens zu entwickeln.“
– Lisa Onaga, Stellvertretende Leiterin des CBCW
Über das CBCW
Das im April 2026 eingerichtete Max Planck–NTU Singapore Centre for
Biocultural Worlding (CBCW) ist eine gemeinsame Initiative des Max-Planck-
Instituts für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG) in Berlin und des NTU Centre
for Contemporary Art (NTU CCA) in Singapur. Das Zentrum schafft
gleichberechtigte Partnerschaften zwischen Gemeinschaften aus kulturellen
Praktiken, Wissenstraditionen, Kunst, Rechts-, Natur- und
Geisteswissenschaften in der Region Asien-Pazifik und in aller Welt. Es
entwickelt neue Ansätze in den Bereichen Wissen, Verantwortung und
gemeinsame Zukünfte im Bereich Biokultur, die künstlerische, kuratorische
und gemeinschaftsbasierte Forschung in den Mittelpunkt stellen und
biokulturelle Perspektiven in öffentliche Dialoge, gemeinsame Initiativen
und andere Räume außerhalb akademischer Grenzen integrieren.
