Grenzenloser Einsatz für den Artschutz
Wo Gras und Gebüsch den offenen Sand erobern, hat die Sand-Silberscharte
(Jurinea cyanoides) keine Chance. Um die vom Aussterben bedrohte Pflanze
zu retten, beteiligt sich die Hochschule Anhalt an einem internationalen
Artenschutzprojekt. Seit Juli 2026 arbeiten dafür sieben Partner aus
Deutschland, Tschechien und der Ukraine zusammen. Das auf zehn Jahre
angelegte Projekt „LIFE for Jurinea“ soll die Bestände der Sand-
Silberscharte langfristig sichern und ihre Lebensräume wiederherstellen.
Davon sollen auch zahlreiche andere bedrohte Arten profitieren.
Professorin Sabine Tischew vom Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie
und Landschaftsentwicklung leitet das deutsche Teilprojekt an der
Hochschule Anhalt. „Mit dem Schutz der Sand-Silberscharte erhalten wir
nicht nur eine seltene Pflanze, sondern auch wertvolle Lebensräume für
zahlreiche andere Pflanzen und Insekten. Die lange Projektlaufzeit gibt
uns die Chance, diese Lebensräume dauerhaft zu sichern“, erklärt die
Expertin für Vegetationskunde und Landschaftsökologie
Gemeinsam mit ihrem Team und dem Praxispartner Biotopmanagement Schonert
hat Tischew bereits erste Schutzmaßnahmen in Sachsen-Anhalt umgesetzt.
Nach intensiven Vorbereitungen und Absprachen mit den Naturschutzbehörden
wurden ausgewählte Flächen an der Elbe und im Nordharzvorland gemäht. So
erhält die konkurrenzschwache Sand-Silberscharte wieder mehr Platz und
Licht. Zudem hat das Team in offenen Sandflächen kleine Einsaatparzellen
angelegt. Zuvor wurden in den jeweiligen Gebieten gesammelte Samen
ausgesät. Auch an Standorten, an denen die Pflanze bereits verschwunden
ist, soll sie zukünftig wieder wachsen. Außerdem laufen für eine Reihe von
Flächen Gespräche zur Wiederaufnahme einer Beweidung. Eine regelmäßige
Beweidung kann die Flächen dauerhaft offen und lichtreich halten. Davon
profitieren die Sand-Silberscharte und weitere seltene Arten.
Insgesamt sind in Sachsen-Anhalt Schutzmaßnahmen auf mindestens 22 Flächen
geplant. Unterstützt wird das Projektteam von Studierenden der
Studiengänge Naturschutz und Landschaftsplanung. Sie helfen dabei, die
Standorte zu untersuchen und Saatgut für die Vermehrung und
Wiederansiedlung zu sammeln.
Internationale Zusammenarbeit für den Artenschutz
Die Sand-Silberscharte gehört zu den besonders geschützten Pflanzenarten
Europas. Sie wächst auf offenen, sonnigen Sandflächen. In Deutschland und
Tschechien sind ihre Lebensräume gefährdet. In Sachsen-Anhalt kommt sie
nur noch an 18 Standorten vor. Einige liegen weit voneinander entfernt.
Oft wachsen dort nur wenige Pflanzen. Das gefährdet ihren Fortbestand.
Denn kleine Bestände verfügen über eine geringe genetische Vielfalt. Zudem
finden bestäubende Insekten die vereinzelt wachsenden Pflanzen schlechter.
Die Partner aus den drei Ländern bündeln ihr Fachwissen. Gemeinsam
untersuchen sie die genetische Vielfalt der Sand-Silberscharte. So wollen
sie geeignete Pflanzenbestände für die Gewinnung von Saatgut für die
geplanten Vermehrungskulturen und Wiederansiedlungen zu finden. Die
Erkenntnisse sollen künftig auch helfen, andere vom Aussterben bedrohte
Arten zu retten. Mit den ukrainischen Partnern tauschen sich die
Forschenden vor allem über regionale Naturschutzplanung und die
Entwicklung europäischer Naturschutzprojekte aus. Das ist auch mit Blick
auf den angestrebten EU-Beitritt der Ukraine wichtig. In allen drei
Ländern untersuchen sie zudem die Bestäuber der Sand-Silberscharte und
weitere Insekten der Sandlandschaften. Auch sie sollen von den
Schutzmaßnahmen profitieren.
Botanische Gärten und weitere Schutzgärten sollen helfen, die seltene
Pflanze zu vermehren. Auch die Öffentlichkeit kann sich beteiligen.
Geplant sind Angebote zum Mitforschen, Schulpatenschaften und Praktika für
Studierende.
Zum Hintergrund
Das internationale Projekt „LIFE for Jurinea“ wird vom Botanischen
Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften geleitet. Neben der
Hochschule Anhalt sind fünf weitere Partner aus Tschechien, Deutschland
und der Ukraine beteiligt.
Das Teilprojekt in Sachsen-Anhalt wird durch das LIFE-Programm der
Europäischen Union gefördert. Das Ministerium für Wissenschaft, Energie,
Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt beteiligt sich an der
Finanzierung.
Weitere Informationen zum internationalen Projekt gibt es unter
https://www.csopvlasim.cz/life
Teilprojekt werden künftig unter https://offenlandinfo.de veröffentlicht.
