10 Jahre nach Ebola in Westafrika: Laborpartnerschaft verbessert Diagnostik viraler hämorrhagischer Fieber in Guinea
Lokale Laborteams in der Waldregion Guineas können Verdachtsfälle von
Ebola, Lassa-Fieber und anderen viralen hämorrhagischen Fiebern (VHF)
direkt vor Ort testen. In der Regel liegen die Ergebnisse innerhalb eines
Tages vor. Seit 2017 arbeiten das Bernhard-Nocht-Institut für
Tropenmedizin (BNITM) und das nationale VHF-Referenzlabor Guineas in
Conakry, das Centre de Recherche en Virologie (CRV-LFHVG), gemeinsam
daran, die Diagnosekapazitäten in Guéckédou und N’Zérékoré auszubauen –
mit Unterstützung des guineischen Gesundheitsministeriums und der
Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Fast zehn Jahre lang haben die Forschenden dabei Lassa-Fieber-Fälle in der
Region erfasst. Die Daten zeigen, wie stark die Krankheit die Menschen
belastet. Dauerhafte Diagnosestrukturen könnten großen Virusausbrüchen
vorbeugen. Die Ergebnisse sind im Fachjournal npj Viruses erschienen.
Die Ebola-Epidemie in Westafrika in den Jahren 2014–2016 machte weltweit
deutlich, wie wichtig dezentrale, lokale Laborkapazitäten sind. Als
Reaktion darauf begannen Ende 2016 die Arbeiten zum Aufbau des Labors für
virale hämorrhagische Fieber (LFHV-GKD) in Guéckédou, das seit 2017 in
Betrieb ist. Im Jahr 2021 wurde auch das ursprünglich während des Ebola-
Ausbruchs eingerichtete Labor im Regionalkrankenhaus in N’Zérékoré (LFHV-
HRNZE) ausgebaut.
Beide Labore sind Teil des nationalen Überwachungssystems für virale
hämorrhagische Fieber. Sie arbeiten im Auftrag des guineischen
Gesundheitsministeriums und werden vom Nationalen Referenzlabor (CRV-
LFHVG) in der Hauptstadt Conakry unterstützt. Sie bieten kostenlose
molekulare Diagnostik für Ebola-, Marburg- und Lassa-Viren sowie für
Gelbfieber- und Dengue-Viren an.
„Unsere Studie zeigt, dass wir Krankheitsfälle in Waldguinea viel besser
erkennen und erfassen. Sie unterstreicht, wie wichtig es ist, die
Kapazitäten unserer Labore weiter zu stärken, um auf neu auftretende
Krankheiten vorbereitet zu sein und darauf reagieren zu können“, sagt Fara
Raymond Koundouno, Leiter des LFHV-GKD und Hauptautor der Studie.
Beiträge zum guineischen Überwachungssystem für VHFs
Zwischen 2017 und 2024 untersuchten die beiden Labore 4.683 Proben aus
Verdachtsfällen von VHFs, wobei die Ergebnisse im Durchschnitt innerhalb
eines Tages vorlagen. Die Teams stellten unter anderem Infektionen mit dem
Ebola-, Marburg- und Lassa-Virus fest. Diese Studie zeigt, wie ein lokal
verankertes Labornetzwerk in einer Hochrisikoregion nachhaltig arbeiten
und zuverlässige Daten liefern kann.
Für Guinea hat dies zwei wesentliche Vorteile. Erstens können Ausbrüche
schneller erkannt werden. Die Laborteams identifizierten 2021 rasch das
Wiederauftreten von Ebola und das Auftreten der Marburg-Viruserkrankung.
Sie spielten eine Schlüsselrolle dabei, die Fälle zügig zu bestätigen und
Gegenmaßnahmen einzuleiten. Zweitens liefern diagnostische Tests nun
zuverlässige Daten zu Lassa-Fieber, Gelbfieber und Dengue-Fieber in der
Region. Der Mangel an Testmöglichkeiten hatte die Überwachung lange Zeit
eingeschränkt. Zwischen 2020 und 2024 bestätigten die Labore 30 Fälle von
Lassa-Fieber.
„Dieses Programm zeigt, wie ein widerstandsfähiges Gesundheitssystems
wirklich aussieht: Diagnosekapazitäten, die auf Dauer angelegt sind und
nicht nur vorübergehend in Notfällen eingesetzt werden“, sagt Dr. Sophie
Duraffour, Leiterin der Laborgruppe “Outbreak Preparedness and Response”
am BNITM. „Die offene Frage ist die Nachhaltigkeit. Die Finanzierung
dieser Art von Arbeit ist nach wie vor größtenteils an spezifische
Programme gebunden, und dies zu ändern, ist eine unserer größten
Herausforderungen für die Zukunft.“
Sicherung und strategischer Ausbau von Kapazitäten
Nach Ansicht der Autor:innen hat das Programm einen Wendepunkt erreicht.
In den letzten Jahren haben internationale Geldgeber, allen voran das
Global Health Protection Programme (GHPP) des deutschen
Bundesgesundheitsministeriums, maßgeblich zum Aufbau und Betrieb der
beiden Labore beigetragen. Solche Kapazitäten aufrechtzuerhalten, über
zeitlich begrenzte von Gebern finanzierte Programme hinaus, bleibt eine
große Herausforderung.
Gleichzeitig sehen die Teams weiteres Entwicklungspotenzial: etwa das
Spektrum an diagnostischen Tests zu erweitern, periphere
Gesundheitszentren einzubinden und Labore zu regionalen Ausbildungszentren
auszubauen. Diese Zentren könnten Fachkräfte aus anderen Präfekturen und
Nachbarländern ausbilden und so zum Aufbau eines grenzüberschreitenden
Netzwerks für die Diagnostik von Ausbrüchen beitragen.
„Unsere Studie zeigt, was nachhaltige Unterstützung bewirken kann“, sagt
Projektleiterin Dr. Giuditta Annibaldis. „Wenn wir diese Kapazitäten
sichern und weiterentwickeln, kann sich Waldguinea von einem Epizentrum
schwerer Epidemien zu einem Vorbild für gemeindebasierte
Krankheitsprävention wandeln.“
In einer Zeit, in der Teile Afrikas erneut mit Ebola-Ausbrüchen
konfrontiert sind – derzeit verursacht durch das Bundibugyo-Virus –, seien
nachhaltige Diagnosekapazitäten in Hochrisikogebieten unerlässlich, so die
Autor:innen. Die Erfahrungen aus Waldguinea zeigen, wie dezentrale Labore
zur nationalen und globalen Gesundheitssicherheit beitragen, indem sie
eine frühzeitige Fallerkennung, eine gezieltere Ausbruchsbekämpfung und
bessere Daten für Entscheidungsträger ermöglichen.
Lassa-Fieber in Guinea: lange unterschätzt
Das Lassa-Fieber ist in Westafrika endemisch, wurde in Guinea jedoch
bisher nur selten dokumentiert. Vor der Einrichtung der Labore in
Guéckédou und N’Zérékoré gab es nur wenige Einzelberichte über Fälle,
obwohl frühere Seroprävalenzstudien darauf hindeuteten, dass das Virus in
einigen Regionen weit verbreitet ist. Nun bekräftigen erstmals
systematisch bestätigte akute Fälle aus Waldguinea diese Annahme. Zwischen
2020 und 2024 bestätigten die Laborteams 30 Fälle von Lassa-Fieber,
hauptsächlich in den Präfekturen Guéckédou und N’Zérékoré.
„Unsere Arbeit zeigt, dass das Lassa-Virus in Waldguinea zirkuliert. Sie
unterstreicht die Notwendigkeit, die aktive Überwachung fortzusetzen –
idealerweise im Rahmen eines ‚One-Health‘-Ansatzes –, um die Früherkennung
von Fällen zu verbessern“, sagt Youssouf Sidibe, Leiter des LFHV-HRNZE und
leitender Autor der Studie.
Etwa zwei Drittel der Patient:innen mit bekanntem Krankheitsverlauf
starben (67,9 Prozent). Die Autor:innen kommen zu dem Schluss, dass das
Lassa-Fieber in Waldguinea lange Zeit unterschätzt wurde. Die geringe Zahl
der in der Literatur dokumentierten Fälle war wahrscheinlich auf
Unterdiagnosen und unzureichende Meldungen zurückzuführen, da eine
zuverlässige Diagnose und Meldung ohne lokale Laborkapazitäten nicht
möglich waren. Lassa-Virus-Infektionen verlässlich zu erkennen ist der
erste Schritt hin zu einer schnelleren und besseren Versorgung der
Patient:innen.
„Dies ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Länder des Nordens und des
Südens zusammenarbeiten. Gemeinsam stärken wir nachhaltig unsere
Gesundheitssysteme. Die Wirkung ist beispiellos: Sie hilft, Ausbrüche zu
verhindern und ihr Risiko zu senken," erklärt Dr. N’Faly Magassouba,
ehemaliger Leiter des CRV-Labors und Senior Lead Author.
Über das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)
Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist Deutschlands
größte Einrichtung für Forschung, klinische Versorgung und Lehre auf dem
Gebiet tropischer und neu auftretender Infektionskrankheiten. Zu den
aktuellen thematischen Schwerpunkten zählen Malaria, hämorrhagische
Fieberviren, vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs), Immunologie,
Epidemiologie, Implementation und die klinische Behandlung tropischer
Infektionen sowie die Mechanismen der Virusübertragung durch Mücken. Das
BNITM unterstützt den Aufbau von Laborkapazitäten in zahlreichen Ländern
weltweit, darunter auch mobile Labore.
Über das Centre de Recherche en Virologie in Conakry (CRV-LFHVG)
Das CRV-LFHVG unter der Leitung von Prof. Sanaba Boumbaly ist das
guineische nationale Referenzlabor für virale hämorrhagische Fieber und
andere virale Erreger mit epidemischem Potenzial sowie das WHO-
Referenzlabor für Gelbfieber, Röteln und Masern. Seit 2021 verfügt das
Labor über Kapazitäten zur genomischen Überwachung. Das BNITM unterstützt
die Abteilungen für Labordiagnostik und genomische Überwachung mit Mitteln
des Bundesministeriums für Gesundheit.
Über das Labor für virale hämorrhagische Fieber in Guéckédou (LFHV-GKD)
Das LFHV-GKD unter der Leitung von Fara Raymond Koundouno ist Teil des
Präfekturkrankenhauses von Gueckédou. Es bietet Diagnosedienstleistungen
für virale hämorrhagische Fieber und andere virale Erreger mit
epidemischem Potenzial in der Waldregion Guineas an. Das BNITM unterstützt
das Labor mit Mitteln des Bundesgesundheitsministeriums und leitet
verschiedene Forschungsprogramme.
Über das Labor für virale hämorrhagische Fieber in N’Zérékoré (LFHV-HRNZE)
Das LFHV-HRNZE unter der Leitung von Youssouf Sidibe ist Teil des
Regionalkrankenhauses von N’Zérékoré. Das Labor bietet
Diagnosedienstleistungen für virale hämorrhagische Fieber und andere
virale Erreger mit epidemischem Potenzial in der Region N’Zérékoré an. Das
BNITM unterstützt das Labor mit Mitteln des Bundesgesundheitsministeriums
und leitet verschiedene Forschungsprogramme.
