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Navigieren trotz Signalstörung

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Navigationssysteme sind aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Doch die
Technik hat eine Schwachstelle: In dicht bebauten Gebieten, in Bereichen
mit starker Vegetation sowie an Orten mit physischen Hindernissen können
die Signale des Globalen Navigationssatellitensystems (GNSS) blockiert
oder reflektiert werden. Dies beeinträchtigt in der Regel die
Ortungsgenauigkeit. Das europäische Forschungsprojekt egeniouss, an dem
die Technische Universität Braunschweig beteiligt ist, hat in dreieinhalb
Jahren Forschung Lösungen entwickelt, um die Genauigkeit der
satellitengestützten Ortung trotz solcher Störungen zu verbessern.

Nach mehr als drei Jahren Forschung, Entwicklung und Erprobung hat das
europäische Forschungsprojekt egeniouss seine wichtigsten Ergebnisse an
der Technischen Universität Braunschweig vorgestellt. Mit der
Abschlussveranstaltung am 15. Oktober 2026 endet ein Projekt, das neue
Lösungen für eine präzisere und zuverlässigere Positionsbestimmung
entwickelt hat – insbesondere dort, wo Satellitensignale nur eingeschränkt
verfügbar sind.

In Städten können hohe Gebäude und andere Hindernisse Satellitensignale
abschirmen oder reflektieren. Dadurch wird es für Navigationsgeräte
schwieriger, ihren Standort genau zu bestimmen. egeniouss setzt hier an
und kombiniert satellitengestützte Navigation mit Bildern der Umgebung und
Daten verschiedener Sensoren. So stehen zusätzliche Informationen zur
Positionsbestimmung zur Verfügung, wenn Satellitensignale allein nicht
ausreichen.

Zu den wichtigsten Projektergebnissen gehört eine bis zu 50-fach höhere
Genauigkeit bei der visuellen Lokalisierung im Vergleich zu herkömmlichen
satellitengestützten Ortungsverfahren. Dies wurde in Tests unter
städtischen Bedingungen nachgewiesen. Die Ergebnisse zeigen, wie sich
durch die Kombination verschiedener Technologien zuverlässigere
Navigationslösungen entwickeln lassen, die nicht ausschließlich von
Satellitensignalen abhängig sind.

Bei der Abschlussveranstaltung demonstrierte das Konsortium die
praktischen Einsatzmöglichkeiten der Technologie anhand von Anwendungen
für die Fahrradnavigation und die Vermessung. Die Vorführungen zeigten,
wie die Forschungsergebnisse sowohl im Alltag als auch bei professionellen
Arbeiten vor Ort genutzt werden könnten.

• Die Demonstration zur Fahrradnavigation wurde von der beemo GmbH
durchgeführt. Auf einer Strecke rund um das Haus der Wissenschaft in
Braunschweig kam die Navigations-App Naviki zum Einsatz, in die die
egeniouss-Technologie integriert wurde. Dabei wurde veranschaulicht, wie
sich die Navigation und die Aufzeichnung von Fahrradrouten in Straßen
verbessern lassen könnten, in denen Gebäude den Satellitenempfang
beeinträchtigen.

• Für die Vermessungsanwendung nutzte OPENGIS.ch die mobile App QField zur
Erfassung geografischer Daten. Bei einer praktischen Übung wurden zuvor
festgelegte Punkte in der Umgebung lokalisiert. Die Vorführung zeigte, wie
die Technologie präzise Vermessungsarbeiten, etwa bei der Kartierung oder
der Instandhaltung städtischer Infrastruktur, unterstützen und den Bedarf
an zusätzlicher Spezialausrüstung verringern könnte.

• Der dritte Anwendungsfall wurde von CATUAV entwickelt und befasste sich
mit dem Einsatz der Technologie für unbemannte Fluggeräte. Gerade hier ist
eine präzise und kontinuierliche Positionsbestimmung für eine zuverlässige
Navigation von besonderer Bedeutung.

Auch die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten standen im Mittelpunkt der
Veranstaltung. In einer Podiumsdiskussion erörterten Fachleute der
Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), von  Cyclomedia und der
Leibniz Universität Hannover, welche Voraussetzungen für den praktischen
Einsatz der Technologie erfüllt sein müssen und welches Potenzial sich für
weitere Bereiche wie Logistik und urbane Mobilität ergibt.

Das Projekt egeniouss wurde vom AIT Austrian Institute of Technology
koordiniert und vereinte Forschungseinrichtungen und
Technologieunternehmen aus Österreich, Deutschland, Spanien und der
Schweiz. Das Gesamtbudget beträgt rund 3,4 Millionen Euro, davon stammen
etwa 3 Millionen Euro aus Mitteln des EU-Forschungsprogramms Horizon
Europe.

Über egeniouss

egeniouss ist ein europäisches Forschungs- und Innovationsprojekt zur
Entwicklung zuverlässigerer Positionierungs- und Navigationslösungen für
alltägliche und professionelle Anwendungen. Die Technologie kombiniert
Satellitennavigation, Computer Vision und Daten verschiedener Sensoren, um
die Positionsbestimmung in anspruchsvollen Umgebungen zu verbessern. Die
Entwicklungen wurden in drei Anwendungsbereichen erprobt:
Fahrradnavigation, Vermessung und Drohneneinsätze.

Unter der Koordination des AIT Austrian Institute of Technology gehören
dem Konsortium die Technische Universität Braunschweig (Institut für
Flugführung, Institut für Geodäsie und Photogrammetrie), GeoNumerics,
SoftwareOne, CATUAV, das Centro Español de Logística (CEL), beemo GmbH und
OPENGIS.ch an.

egeniouss wurde im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon
Europe der Europäischen Union unter Leitung der Europäischen Agentur für
das Europäische Raumfahrtprogramm (EUSPA) mit der Nr. 101082128 gefördert.