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Gefahr für Europas Bienen rückt näher

Die Tropilaelapsmilbe bedroht Bienenvölker in Europa. Sie nistet sich in den Brutwaben von Bienenvölkern ein und ernährt sich vom Körpersaft der heranwachsenden Bienenlarven und -puppen.  Quelle: Ingolf Steffan-Dewenter  Copyright: Universität Würzburg
Die Tropilaelapsmilbe bedroht Bienenvölker in Europa. Sie nistet sich in den Brutwaben von Bienenvölkern ein und ernährt sich vom Körpersaft der heranwachsenden Bienenlarven und -puppen. Quelle: Ingolf Steffan-Dewenter Copyright: Universität Würzburg
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Die Tropilaelapsmilbe hat die Türkei erreicht und damit die Grenze zu
Europa überschritten. Expertinnen und Experten haben jetzt in
Nordmazedonien diskutiert, wie sich die gefährliche Bienenmilbe eindämmen
lässt.

Die Meldung der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) vom 31. August
2026 markiert einen besorgniserregenden Wendepunkt: Der Nachweis der
invasiven Tropilaelaps-Milbe in der Türkei bestätigt, dass dieser
gefährliche Parasit die Grenze zu Europa erreicht hat. Ursprünglich in
Asien beheimatet, hat sich die Milbe über Russland und Georgien scheinbar
unaufhaltsam nach Westen ausgebreitet. Für die Westliche Honigbiene (Apis
mellifera) stellt dies eine existenzielle Bedrohung dar, die weit über die
bekannten Gefahren durch die Varroa-Milbe hinausgeht.

Die Milbe, ein winziger Parasit, der sich vor allem in den Brutwaben von
Bienenvölkern einnistet, ernährt sich vom Körpersaft der heranwachsenden
Bienenlarven und -puppen und schwächt diese bereits vor dem Schlüpfen.
Jungbienen sterben häufig direkt in der Brutzelle ab.

Beschleunigter Kollaps der Bienenvölker

Der biologische Mechanismus ist hochgradig destruktiv: „Die Tropilaelaps-
Milbe verfügt über einen deutlich kürzeren Entwicklungszyklus als die
Honigbiene und vermehrt sich somit rasanter als der bisherige Hauptparasit
Varroa. Dies führt zu einem beschleunigten Kollaps der Bienenvölker“,
erklärt Ricarda Scheiner, Bienenexpertin und Professorin am Lehrstuhl für
Zoologie II (Verhaltensphysiologie und Soziobiologie) der Julius-
Maximilians-Universität Würzburg (JMU).

Ihren Worten nach zeigt das Auftreten der Tropilaelaps-Milbe sowie
weiterer invasiver Arten wie der Zwerghonigbiene (Apis florea), dass das
europäische Ökosystem unter massivem Druck steht. Sollte sich die Milbe in
Deutschland und Europa etablieren, drohen verheerende Ausfälle in der
Honigproduktion und der Bestäubungsleistung, was die Biodiversität und die
landwirtschaftliche Sicherheit gleichermaßen gefährdet.

Workshop in Nordmazedonien

Wie groß die Gefahr für die europäische Imkerei ist und wie sich eine
weitere Ausbreitung verhindern lässt, haben Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler sowie Fachleute aus Veterinärmedizin und Imkerei Anfang
September im nordmazedonischen Ohrid beraten. Vom 1. bis 5. September
kamen dort Expertinnen und Experten aus mehreren europäischen Ländern zum
Workshop „The Tropilaelaps Mite on Its Way to Europe“ zusammen.

Organisiert wurde die Veranstaltung von Ricarda Scheiner; unterstützt
wurde Scheiner von Professor Aleksandar Uzunov (Ss. Cyril and Methodius
Universität Skopje) und von Professor Ingolf Steffan-Dewenter, Inhaber des
Lehrstuhls für Tierökologie und Tropenbiologie (Zoologie III) der JMU. Der
Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat das Treffen mit gut 34.000
Euro aus dem Programm „Hochschuldialog mit den Ländern des westlichen
Balkans“ finanziell unterstützt.

Die Workshop-Teilnehmenden sehen insbesondere für Südosteuropa ein
zunehmendes Risiko, dass die Tropilaelapsmilbe nach Europa gelangt. Im
Workshop ging es deshalb vor allem um die Frage, wie eine Einschleppung
möglichst früh erkannt und eine weitere Ausbreitung verhindert werden
kann. Als mögliche Wege für die Einführung gebietsfremder Arten gelten
unter anderem der internationale Verkehr und Handel sowie der Transport
von Bienen und Bienenprodukten. Auch bereits in Europa auftretende
invasive Arten wie der Kleine Beutenkäfer (Aethina tumida) und die
Asiatische Hornisse (Vespa velutina) waren Thema des Workshops.

Früherkennung soll Schlimmeres verhindern

„Im Kampf gegen die Tropilaelapsmilbe ist ein koordiniertes europäisches
Vorgehen zwingend erforderlich“, sagt Ricarda Scheiner. Behörden und
andere zuständige Einrichtungen sollten dazu ihre Möglichkeiten zur
Überwachung, Diagnose und schnellen Meldung von Verdachtsfällen
verbessern. Spezielle Überwachungsstandorte an Flughäfen, Häfen,
Verkehrswegen und Grenzregionen sowie in Gebieten mit intensiver
Bienenhaltung und Bienenimporten könnten nach Ansicht der
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese Aufgaben übernehmen.

Eine weitere Empfehlung sind sogenannte Sentinel-Völker. Dabei handelt es
sich um speziell überwachte Bienenvölker, mit denen sich
Tropilaelapsmilben und andere gebietsfremde Arten früh erkennen lassen.
Für den Fall eines Verdachts sollen zudem Notfallpläne mit klaren
Zuständigkeiten, Diagnoseverfahren, Meldewegen und möglichen
Bekämpfungsmaßnahmen vorbereitet werden.

„Vorbeugen ist besser als später bekämpfen“: Auf diese Formel lässt sich
nach Ricarda Scheiners Worten die zentrale Botschaft des Workshops
bringen. Dementsprechend kommen die Teilnehmenden zu dem Schluss, dass
Prävention, Früherkennung und eine schnelle, wissenschaftlich fundierte
Reaktion wirksamer und weniger kostspielig sind als der Kampf gegen eine
gebietsfremde Art nach ihrer Etablierung. Dafür sei eine gemeinsame
Anstrengung von Behörden, Wissenschaft, Imkerschaft und weiteren
beteiligten Einrichtungen in Europa notwendig.

Neben Ricarda Scheiner und Ingolf Steffan-Dewenter haben Fachleute und
Vertreter von Imkerverbänden aus Deutschland, Nordmazedonien, der Türkei,
Griechenland, Serbien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, dem Kosovo und
Ungarn an dem Workshop teilgenommen.