Zum Hauptinhalt springen

Klaus Wallmann erläutert im Video-Podcast was Deutschlands begrenzte CO2-Speicherkapazitäten unter der Nordsee bedeuten

Deutschlands Speicherkapazitäten unter der Nordsee sind begrenzt. Aus diesem Grund müsse sehr gut abgewogen werden, für welche Industriesektoren die geologische CO2-Speicherung unter dem Meer erlaubt werden soll, sagt Prof. Dr. Klaus Wallmann im Podcast.  Copyright: Starboard Visuals
Deutschlands Speicherkapazitäten unter der Nordsee sind begrenzt. Aus diesem Grund müsse sehr gut abgewogen werden, für welche Industriesektoren die geologische CO2-Speicherung unter dem Meer erlaubt werden soll, sagt Prof. Dr. Klaus Wallmann im Podcast. Copyright: Starboard Visuals
Pin It

Ende September hat der CDRmare‑Forschungsverbund GEOSTOR
zwei Sonderfolgen seines Podcasts „CCS: Was ist das?“ sowie ein neues
Factsheet veröffentlicht. Darin geht es um die begrenzten
CO₂‑Speicherkapazitäten unter der deutschen Nordsee. In den beiden
Videopodcasts erläutert Prof. Dr. Klaus Wallmann vom GEOMAR den aktuellen
Sachstand und gibt Handlungsempfehlungen. Anlass ist die anstehende
Strategie der Bundesregierung zur Dekarbonisierung der Industrie. Weil das
tatsächlich nutzbare Speicherpotenzial begrenzt ist, braucht es klare
Prioritäten: CCS sollte auf CO2‑Mengen beschränkt werden, deren Entstehung
sich nicht vermeiden lässt sowie für künftige negative Emissionen.

Der CDRmare-Forschungsverbund zur CO2-Speicherung tief unter der deutschen
Nordsee (GEOSTOR) hat heute zwei neue Sonderfolgen seines (Video-)Podcasts
„CCS: Was ist das?“ sowie ein neues Factsheet veröffentlicht, um über
Deutschlands begrenzte CO2-Speicherkapazitäten unter der deutschen Nordsee
zu informieren.

„Die Bundesregierung will bis zum Ende des Jahres ihre Strategie
vorstellen, wie die deutsche Industrie dekarbonisiert werden soll. Eine
wichtige Rolle spielen dabei die Abscheidung und Speicherung schwer und
nicht vermeidbarer CO2-Emissionen, wie sie zum Beispiel bei der
Zementherstellung und bei der Müllverbrennung entstehen. Die Menge dieser
Emissionen ist größer als unsere Speicherkapazitäten unter der deutschen
Nordsee. Aus diesem Grund muss sehr gut abgewogen werden, für welche
Industriesektoren die geologische CO2-Speicherung unter dem Meer erlaubt
werden soll und für welche nicht“, sagt Prof. Dr. Klaus Wallmann,
Koordinator des Forschungsverbundes GEOSTOR und Leiter der
Forschungseinheit Marine Geosysteme am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für
Ozeanforschung Kiel.

Die zentralen Aussagen im Überblick:

1.) Deutschlands CO2-Speicherkapazitäten unter der Nordsee sind begrenzt:
GEOSTOR-Vorerkundungen zeigen, dass die statische CO2-Speicherkapazität in
Buntsandstein-Lagerstätten seewärts der Küstenzone etwa 0,9 bis 5,5
Milliarden Tonnen CO2 beträgt. Ein großer Teil der potenziellen
Speicherstätten ist derzeit jedoch nicht zugänglich, da die Nordsee in
diesen Gebieten bereits für andere Zwecke genutzt wird (z. B. Windenergie,
Schifffahrt, Militär) oder unter Schutz steht. Um dennoch eine
CO2-Speicherung im industriellen Maßstab zu ermöglichen, müssen in den
entsprechenden Nordseegebieten Konzepte für eine Mehrfachnutzung des
Meeres entwickelt und in der Meeresraumplanung berücksichtigt werden.

2.) Trotz der GEOSTOR-Berechnungen sind die tatsächlich nutzbaren
Speicherkapazitäten bislang nicht bekannt. Sie liegen möglicherweise bei
circa 0,5 bis 1,5 Milliarden Tonnen CO2. Wenn diese angenommene Kapazität
im Zeitraum von 2035 bis 2100 genutzt würde, ergäbe sich eine jährliche
Speicherrate von 8 bis 23 Millionen Tonnen CO2. Dem gegenüber liegt der
geschätzte Speicherbedarf pro Jahr in Deutschland im Jahr 2045 bei circa
8,5 bis 70 Millionen Tonnen CO2. Zudem müssen Kapazitäten vorgehalten
werden, um künftig CO2 einzulagern, welches der Atmosphäre durch den
Einsatz von BECCS- und DACCS-Technologien entnommen wurde (negative
Emissionen: Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung, Bioenergy
with Carbon Capture and Storage, BECCS sowie Direct Air Capture, die
Entnahme von CO2 aus der Luft mit anschließender Speicherung im Boden,
DACCS). Zum Vergleich: Würde Deutschland pro Jahr 8 bis 23 Millionen
Tonnen CO2 unter der deutschen Nordsee verpressen, entspräche die
eingelagerte Menge CO2 1 bis 4 Prozent der heutigen CO2-Emissionen des
Landes.

3.) CCS nur für CO2-Mengen, deren Entstehung sich nicht vermeiden lässt.
Deutschlands begrenzte CO2-Speicherkapazitäten untermauern:
Treibhausgasemissionen von vornherein zu vermeiden, ist die wirksamste
Klimaschutzmaßnahme und muss bei allen politischen Entscheidungen oberste
Priorität haben. Das Einlagern von CO2 im Meeresuntergrund der deutschen
Nordsee sollte aufgrund der geringen Speicherkapazität auf jene CO2-Mengen
beschränkt werden, die sich grundsätzlich nicht vermeiden lassen (v. a.
Zementherstellung und Müllverbrennung) oder der Atmosphäre entnommen
wurden (z. B. BECCS und DACCS).
Bis eine CO2-Speicherung im tiefen Untergrund der deutschen Nordsee
möglich ist (frühestens ab 2035), könnte Deutschland abgeschiedenes CO2 in
Nordsee-Anrainerstaaten exportieren.