Neue Perspektiven für Grünland: GBR-ACT entwickelt regionale Wertschöpfungsmodelle – Praxispartner gesucht
Wie lässt sich Biomasse aus Grünland wirtschaftlich nutzen? Obwohl bereits
zahlreiche Technologien zur Verarbeitung von Grünlandbiomasse zu
Proteinen, biobasierten Materialien oder Energie zur Verfügung stehen,
fehlen vielerorts noch tragfähige Geschäftsmodelle und funktionierende
regionale Wertschöpfungsketten. Genau hier setzt das europäische
Forschungsprojekt GBR-ACT an. Das Leibniz-Institut für Agrartechnik und
Bioökonomie e.V. (ATB) sucht Gemeinden, landwirtschaftliche Betriebe,
Unternehmen, landwirtschaftliche Genossenschaften und andere Akteure, die
neue Ideen zur Verwertung von Grasbiomasse vorantreiben möchten.
Gemeinsam regionale Lösungen entwickeln
Im Mittelpunkt des Projekts steht das Konzept der grünen Bioraffinerie,
bei dem pflanzliche Biomasse so vollständig und vielstufig wie möglich
verwertet wird. Von Beginn an wird das Projekt Landwirtschaft, Industrie,
Verarbeitung, Beratung und Forschung zusammenbringen. Herzstück sind
mehrere Co-Design-Workshops, in denen regionale Akteure gemeinsam
Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle entwickeln. Ziel ist es,
Lösungen zu erarbeiten, die auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnitten,
technisch machbar und wirtschaftlich tragfähig sind sowie zur
langfristigen Entwicklung einer resilienten ländlichen Gemeinschaft
beitragen.
Das Projekt wird potenzielle Verwertungswege untersuchen – von der
Proteinextraktion über die stoffliche bis hin zur energetischen Verwertung
– im Sinne einer kaskadierenden Nutzung. Auch organisatorische und
logistische Lösungen, wie beispielsweise regionale Biomassezentren, die
als Sammel- und Verarbeitungsstätten dienen, werden Teil der Analysen
sein.
Beteiligung an regionalen Praxisprojekten
Das ATB baut derzeit ein Netzwerk potenzieller Praxispartner für die
deutschen Fallstudien auf. Gesucht werden insbesondere landwirtschaftliche
Betriebe, Verarbeitungsunternehmen, Maschinenhersteller, Genossenschaften
und Landschaftspflegeverbände, die an neuen Verwertungswegen für
Grünlandbiomasse interessiert sind, einschließlich, aber nicht beschränkt
auf Biomasse aus Mooren und Feuchtgebieten.
Die Teilnehmenden erhalten Einblicke in innovative Verwertungskonzepte und
entwickeln gemeinsam mit Forschung und Praxis Geschäftsmodelle, die unter
realen Bedingungen umgesetzt werden können. Die Ergebnisse bilden die
Grundlage für weitere Demonstrationsprojekte und die Umsetzung.
Wer an den regionalen Praxisprojekten teilnehmen möchte, kann sich bis 15.
Oktober unverbindlich per E-Mail an das Projektteam wenden.
Hintergrund
GBR-ACT (Green Biorefineries as Catalysts for Agroecological Transitions
and Circular Value Chains) ist ein europäisches Forschungsprojekt, das im
Mai 2026 im Rahmen der EU-Partnerschaft für Agroökologie ins Leben gerufen
wurde. Das Projekt wird von Chalmers Industriteknik (Schweden)
koordiniert. Ziel des Projekts ist es, neue Wertschöpfungsmöglichkeiten
für Biomasse aus Grünland zu entwickeln und diese in Zusammenarbeit mit
Praktikern in verschiedenen Regionen Europas zu erproben. Die
Projektpartner aus Deutschland, Dänemark, Finnland, Schweden, Litauen und
Frankreich analysieren die jeweiligen regionalen Gegebenheiten und
entwickeln maßgeschneiderte Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsnetzwerke.
Das ATB koordiniert die Aktivitäten in Deutschland und begleitet sowie
bewertet die Entwicklungen in Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen
Betrieben, Unternehmen und anderen Akteuren entlang der
Wertschöpfungskette. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung,
Technologie und Raumfahrt (BMFTR) kofinanziert.
