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Neue Hoffnung bei Verlust von zentralem Sehvermögen: Netzhaut-Chip macht Buchstaben wieder sichtbar

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Menschen mit fortgeschrittener trockener altersabhängiger
Makuladegeneration (AMD) verlieren oft unwiederbringlich ihr zentrales
Sehvermögen. Gesichter erkennen, lesen oder alltägliche Aufgaben
bewältigen wird zunehmend unmöglich. Erstmals kann jetzt ein kürzlich
zugelassener Netzhaut-Chip Betroffenen einen Teil der Sehfunktion
zurückgeben. Wie gut die neue Technologie funktioniert und welche Chancen
sie eröffnet, berichtete Professor Dr. med. Lars-Olof Hattenbach,
Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), auf der
Kongress-Pressekonferenz anlässlich der DOG 2026.



In Deutschland leben rund eine Million Menschen mit einer diagnostizierten
AMD. Schätzungsweise 400.000 Menschen sind von deren fortgeschrittener
trockener Form betroffen, der geografischen Atrophie (GA). „Bei der
geografischen Atrophie gehen die Photorezeptoren im Zentrum der Netzhaut
zugrunde. Dadurch verlieren die Betroffenen schrittweise ihr zentrales
Sehvermögen“, erläuterte Hattenbach. Zwar gibt es seit kurzem Medikamente,
die den Verlust verlangsamen können. „Bereits eingetretenen
Funktionsverlust konnten wir aber bislang nicht rückgängig machen“, so der
DOG-Präsident.

Sehfunktion technisch neu erzeugen
Genau hier setzt der Netzhaut-Chip PRIMA an: Er soll die Funktion
zerstörter Photorezeptoren übernehmen. Herzstück ist ein zwei mal zwei
Millimeter großes und etwa 30 Mikrometer dünnes Implantat, das 378
photovoltaische Pixel enthält und unter die Netzhaut eingesetzt wird. Eine
spezielle Kamerabrille, die der Patient trägt, erfasst die Umgebung und
projiziert die Bildinformationen mit unsichtbarem Nahinfrarotlicht auf das
Implantat. „Die photovoltaischen Elemente wandeln das Licht in elektrische
Signale um und stimulieren die noch erhaltenen Nervenzellen der Netzhaut,
ganz ohne Batterie oder Kabelverbindung“, erläuterte der DOG-Präsident,
der vier Patientinnen und Patienten den neuen Chip im Rahmen der
Zulassungsstudie eingesetzt hat.

Studie zeigt deutliche Verbesserungen
Die Wirksamkeit des winzigen Netzhaut-Chips wurde in der prospektiven
multizentrischen PRIMAvera-Studie untersucht. „38 Patientinnen und
Patienten mit fortgeschrittener geografischer Atrophie erhielten ein
Implantat“, berichtete Hattenbach. Von 32 nach zwölf Monaten ausgewerteten
Teilnehmenden erreichten 26 Personen, also 81 Prozent, eine klinisch
relevante Verbesserung der Sehschärfe von mindestens zehn ETDRS-Buchstaben
– das entspricht etwa zwei zusätzlichen Zeilen auf der Sehtafel. „Viele
konnten wieder Muster, Buchstaben, Zahlen und Wörter erkennen“, sagte
Hattenbach. Gleichzeitig blieb die noch vorhandene natürliche Sehfunktion
außerhalb der betroffenen Netzhautareale im Durchschnitt erhalten. Die
Ergebnisse der internationalen PRIMAvera-Studie wurden im New England
Journal of Medicine publiziert; im Juli 2026 erhielt PRIMA die europäische
CE-Kennzeichnung.

Keine Heilung, aber ein Paradigmenwechsel
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse ersetzt der Chip aber kein
normales Sehvermögen. „Auflösung und Gesichtsfeld sind derzeit noch
begrenzt, Farbsehen ist nicht möglich und die Nutzung muss in einer
strukturierten Rehabilitation über viele Monate erlernt werden“, erklärte
Hattenbach. Auch die Implantation sei ein hochspezialisierter
chirurgischer Eingriff, der Erfahrung und Präzision erfordere. „Der
eigentliche Durchbruch besteht darin, dass es nach jahrzehntelanger
Forschung gelungen ist, Mikroelektronik und Nervengewebe so zu verbinden,
dass wir in einem bereits erblindeten Netzhautareal wieder Sehfunktion
erzeugen können“, bilanzierte der DOG-Präsident. PRIMA überschreite die
Grenze zwischen Erhalt und Ersatz von Sehfunktion und stelle einen
Paradigmenwechsel dar.

Perspektiven: Zugang, Kosten und Weiterentwicklung
Wie geht es weiter? Trotz europäischer Zulassung steht PRIMA geeigneten
Patientinnen und Patienten nicht automatisch flächendeckend zur Verfügung.
„Derzeit ist der Zugang auf spezialisierte Studien- und Netzhautzentren
konzentriert, auch sind tragfähige Erstattungsmodelle noch nicht geklärt“,
sagte Hattenbach. Gleichzeitig soll die Technologie weiterentwickelt
werden, so dass künftige Implantat-Generationen höhere Auflösungen und
größere Gesichtsfelder ermöglichen, auch soll die Anwendung bei anderen
Netzhauterkrankungen untersucht werden. „Dennoch ist jetzt schon klar“, so
Hattenbach, „dass der Netzhaut-Chip den Beginn eines neuen Kapitels des
künstlichen Sehens markiert.“

Literatur:

1.      Holz FG, Le Mer Y, Muqit MMK, Hattenbach LO et al. Subretinal
Photovoltaic Implant to Restore Vision in Geographic Atrophy Due to AMD. N
Engl J Med. 2026;394(3):232-242. doi:10.1056/NEJMoa2501396.
2.      ClinicalTrials.gov. PRIMAvera: Clinical Study of the PRIMA System
in Patients With Atrophic Dry Age-Related Macular Degeneration.
NCT04676854.
3.      Vujosevic S, Alovisi C, Chakravarthy U. Epidemiology of geographic
atrophy and its precursor features of intermediate age-related macular
degeneration. Acta Ophthalmol. 2023;101(8):839-856.
4.      Palanker D, Le Mer Y, Mohand-Said S, Muqit MMK, Sahel JA et al.
Photovoltaic Restoration of Central Vision in Atrophic Age-Related Macular
Degeneration. Ophthalmology. 2020;127(8):1097-1104.

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

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Jubiläum im Oktober – 25. Woche des Sehens
Die „Woche des Sehens“ findet auch dieses Jahr wieder vom 8. bis zum 15.
Oktober statt – und das bereits zum 25. Mal! In zahlreichen
Veranstaltungen wird über Blindheit, Sehbehinderung und Augengesundheit in
Deutschland wie auch in den ärmsten Ländern der Welt informiert.
Schirmherrin der bundesweiten Aufklärungskampagne ist die
Fernsehjournalistin Gundula Gause. Die Aktionswoche wird getragen vom
Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Deutschen Komitee zur
Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und
der PRO RETINA Deutschland. Unterstützt wird sie zudem von der Aktion
Mensch. Weitere Informationen unter: www.woche-des-sehens.de/presse

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DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für
Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 8.500
Mitglieder, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln.
Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde
zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien,
veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften
heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen
Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor
allem für junge Forscherinnen und Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857
in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Fachgesellschaft der
Welt und die älteste fachärztliche Gesellschaft Deutschlands.