KIDS Act: 15 Prozent halten Altersnachweis bei Social Media für angemessen
Mit dem KIDS Act will die EU-Kommission künftig eine verlässliche
Altersprüfung für neue Social-Media-Accounts etablieren. Eine
repräsentative Befragung von YouGov und der Macromedia University of
Applied Sciences zeigt nun erstmals, welche Formen des Identitäts- und
Altersnachweises die Menschen in Deutschland dabei für angemessen halten.
Mit dem KIDS Act will die EU-Kommission künftig eine verlässliche
Altersprüfung für neue Social-Media-Accounts etablieren. Eine
repräsentative Befragung von YouGov und der Macromedia University of
Applied Sciences zeigt nun erstmals, welche Formen des Identitäts- und
Altersnachweises die Menschen in Deutschland dabei für angemessen halten.
Das Ergebnis: Knapp jede:r Zweite befürwortet eine Form der Verifizierung
über die bloße Accountregistrierung hinaus. Besonders jüngere Erwachsene
bevorzugen dabei einen Altersnachweis ohne Klarnamen.
Die repräsentative Befragung von 2.120 Erwachsenen ergibt für Deutschland
ein differenziertes Bild. Für soziale Netzwerke wählen 49,6 Prozent eine
Form des Nachweises, die über die übliche ungeprüfte Accountregistrierung
hinausgeht. Dabei liegen der Altersnachweis ohne Klarnamen mit 15,3
Prozent, eine verifizierte Identität mit weiterhin möglichem Pseudonym mit
16,2 Prozent und die immer wieder diskutierte Klarnamenpflicht mit 14,0
Prozent erstaunlich nah beieinander. Eine Identifizierung über Gerät oder
Zahlungsmittel halten 4,1 Prozent für angemessen.
Besonders deutlich unterscheiden sich die Altersgruppen. Bei den 18 bis 34
Jährigen halten 17,4 Prozent einen Altersnachweis ohne Klarnamen für
angemessen. Nur 6,3 Prozent sind für eine Klarnamenpflicht bereit. Bei den
35 bis 54 Jährigen sind es 15,7 beziehungsweise 14,2 Prozent. Ab 55 Jahren
dreht sich das Verhältnis. Hier wählen 14,0 Prozent den Altersnachweis und
17,8 Prozent den Klarnamen.
„Der KIDS Act setzt auf sichere Altersnachweise für soziale Netzwerke.
Einen Altersnachweis oder eine andere Form zusätzlicher Prüfung hält in
unserer Befragung rund jeder Zweite für angemessen. Eine eindeutige
Mehrheit gibt es dafür aber nicht. Entscheidend ist deshalb, wie
datensparsam solche Verfahren umgesetzt werden. Denn Identifizierung
betrifft weit mehr als den Jugendschutz.“, sagt Studienleiter Prof. Dr.
René Arnold, Professor für Management an der Macromedia University of
Applied Sciences.
Nicht nur der Jugendschutz zählt
Soziale Netzwerke sind längst ein zentraler Informationsraum. 66,7 Prozent
nutzen Social Media vor allem für Nachrichten und Unterhaltung. Unter den
18 bis 34 Jährigen sind es sogar 72,6 Prozent. Wer dort sprechen kann und
wie sichtbar die eigene Identität dabei ist, ist deshalb keine technische
Detailfrage.
Die Befragten sehen die Spannung zwischen Anonymität und
Verantwortlichkeit sehr deutlich. 76,8 Prozent finden, dass Anonymität
aggressives Verhalten im Netz begünstigt. 60,8 Prozent stellen die
Bekämpfung von Hassrede über Anonymität und 55,9 Prozent meinen, wer
politische Inhalte veröffentlicht, sollte grundsätzlich identifizierbar
sein. Gleichzeitig halten 47,9 Prozent Anonymität für besonders wichtig
für Menschen, die wegen persönlicher Eigenschaften oder Lebensweisen
negative Reaktionen befürchten.
„Altersprüfung bei Social Media ist deshalb nur ein Teil einer größeren
Frage. Wie viel Nachweis ist in welchem Teil des Netzes angemessen? Unsere
Daten zeigen hier klare Unterschiede. Bei der allgemeinen Internetnutzung
halten 28,6 Prozent einen weitergehenden Nachweis für angemessen, bei
Social Media sind es 49,6 Prozent. Genau dieser Vergleich zeigt, warum
eine pauschale Lösung für das gesamte Netz zu kurz greift“, so Arnold.
Ein Netz, unterschiedliche Maßstäbe
Wie Social Media einzuordnen ist, zeigt erst der Vergleich mit anderen
Diensten. Deshalb wurde dieselbe Frage zu angemessenen Formen der
Identifizierung für elf unterschiedliche Online Dienste gestellt.
Bei Messenger Diensten halten 39,5 Prozent eine der weitergehenden
Nachweisformen für angemessen, bei öffentlichen Kommentarbereichen 42,0
Prozent und bei Online Marktplätzen 49,3 Prozent. Pornografische Inhalte
liegen mit 52,2 Prozent noch etwas höher. Deutlich stärker sind die
Anforderungen bei Online Glücksspiel und Wetten mit 61,6 Prozent sowie bei
Finanzdienstleistungen wie Online Banking mit 75,3 Prozent.
Der Befund reicht damit über die aktuelle Debatte um Altersgrenzen hinaus.
Viele Menschen halten zusätzliche Nachweise bei Social Media für
angemessen. Sie unterscheiden aber deutlich danach, was geprüft wird, wie
viele persönliche Daten sie dafür preisgeben müssen und wie sichtbar sie
dadurch möglicherweise werden.
Über die Befragung
Befragt wurden 2.120 Erwachsene im Juni 2026. Für die Altersauswertung
wurden die Gruppen 18 bis 34 Jahre, 35 bis 54 Jahre und 55 Jahre und älter
zusammengefasst. Die Prozentwerte wurden mit den von YouGov
bereitgestellten Bevölkerungsgewichten berechnet. Die Erhebung fragte nach
der jeweils angemessenen Form der Identifizierung und nicht nach der
Zustimmung zur konkreten Altersgrenze des KIDS Act.
Über Macromedia University of Applied Sciences:
Die Macromedia University of Applied Sciences ist eine führende private
Hochschule vertreten in Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Köln,
Leipzig, München, Stuttgart, Düsseldorf und Hannover. Aktuell zählt sie
rund 5.500 Studierende und bietet ein vielfältiges Studienportfolio an.
Das Angebot umfasst staatlich anerkannte Bachelor- und Masterabschlüsse in
deutscher und englischer Sprache. Mit 15 Studiengängen und knapp 50
Vertiefungsrichtungen deckt die Hochschule ein breites Spektrum ab – von
Management, Medien und Kommunikation über digitale Technologien und Design
bis hin zu Psychologie, Games, Journalismus, Film, Fashion und Musik. Als
praxisorientierte Hochschule bereitet die Macromedia ihre Studierenden
optimal auf die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt vor.
Über YouGov:
YouGov ist ein internationales Unternehmen für Online-Marktforschung und
Analysetechnologie mit dem Ziel, umfassende Einblicke in das zu bieten,
wie die Welt wirklich denkt und handelt.
Mit Niederlassungen im Vereinigten Königreich, Nord- und Südamerika,
Europa, im Nahen Osten, Indien und im asiatisch-pazifischen Raum verfügen
wir über eines der größten Marktforschungsnetzwerke der Welt.
Vor allem aber ist YouGov von der Realität geleitet. Dahinter steht ein
einzigartiges Panel von Millionen registrierter Mitglieder in 64 Ländern,
das etwa 18 Millionen Einkaufstouren abbildet und Millionen miteinander
verknüpfter Datenpunkte umfasst. Unser einmaliger Ansatz bei der
Rekrutierung und Betreuung unseres Panels in Kombination mit unseren
hochmodernen Technologieplattformen ermöglicht es uns, praxisnahe
Erkenntnisse in Echtzeit zu liefern, die zu besseren Entscheidungen und
einem Wettbewerbsvorteil für unsere Kunden führen.
Als Innovatoren und Pioniere der Online-Marktforschung haben wir einen
ausgezeichneten Ruf als zuverlässige Quelle für präzise Daten und
Insights. Ein Beweis dafür ist, dass Medien weltweit regelmäßig auf
YouGov-Daten verweisen, und wir durchgehend zu den meistzitierten
Marktforschungsinstituten der Welt gehören.
