Nasses Laub wie Schmierseife: So vermeiden ältere Menschen Stürze
Internationaler Tag der älteren Menschen am 1. Oktober
Der Herbst bringt zusätzliche Sturzgefahren für ältere Menschen. Es wird
früher dunkel, Regen macht die Wege glatt und auf nassem Laub rutscht man
schnell aus. Das kann schwere Verletzungen verursachen. Bei den über
80-Jährigen sind Stürze aus niedriger Höhe die häufigste Unfallursache für
schwere Verletzungen, noch vor Verletzungen im Straßenverkehr1.
Zum internationalen Tag der älteren Menschen am 1. Oktober zeigt die
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), wie sich
herbstliche Sturzrisiken senken lassen. „Für ältere Menschen kann schon
ein Sturz aus dem Stand schwerwiegende Folgen haben, etwa einen
Oberschenkelhalsbruch oder eine schwere Kopfverletzung. Im Herbst steigt
das Risiko, denn nasses Laub wirkt auf Gehwegen wie Schmierseife. Das
spüren wir in den Notaufnahmen unmittelbar“, sagt DGOU-Präsident Prof. Dr.
Frank Hildebrand. Die DGOU gibt fünf Tipps, wie ältere Menschen sicher
durch den Herbst kommen.
Sicher durch den Herbst: 5 Tipps der DGOU
1. In Bewegung bleiben: Regelmäßig Kraft, Gleichgewicht und
Koordination trainieren.
2. Für Licht und sicheren Halt sorgen: Treppen, Flure, Eingänge und
Wege gut beleuchten sowie Handläufe und Haltegriffe nutzen.
3. Sichere Schuhe tragen: Auf festen Sitz und rutschhemmende Sohlen
achten, auch zu Hause.
4. Sehkraft und Medikamente überprüfen lassen: Denn schlechtes Sehen
und bestimmte Medikamente können das Sturzrisiko erhöhen.
5. Draußen aufmerksam unterwegs sein: Bei Dunkelheit, Nässe, Laub,
Schnee und Eis ausreichend Zeit einplanen und bei Bedarf eine geeignete
Gehhilfe nutzen.
Warum ältere Menschen besonders gefährdet sind
Ein Fehltritt auf der Treppe, ein Stolpern über die Bordsteinkante oder
ein Ausrutschen auf nassem Laub: Was bei jüngeren Menschen häufig
glimpflich ausgeht, kann ältere Menschen schwer verletzen. Mit dem Alter
können Muskelkraft, Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit nachlassen.
Sehprobleme, bestimmte Medikamente oder Vorerkrankungen können zusätzlich
das Sturzrisiko erhöhen. Zugleich brechen Knochen bei Osteoporose
schneller und der Körper erholt sich nach einer Verletzung oft langsamer.
Besonders häufig verletzen sich ältere Menschen bei sogenannten
Niedrigenergietraumata, also bei Stürzen aus dem Stand oder aus geringer
Höhe. Dabei können sie sich beispielsweise den hüftnahen Oberschenkel, den
Oberarm, das Becken oder die Wirbelsäule brechen oder schwere
Kopfverletzungen erleiden. „Wir sehen in der Alterstraumatologie immer
wieder, dass ein vermeintlich kleiner Sturz das Leben eines älteren
Menschen erheblich verändern kann“, sagt Prof. Dr. Carl Neuerburg, Leiter
der Sektion Alterstraumatologie, einer Sektion der Deutschen Gesellschaft
für Unfallchirurgie (DGU). „Nach einem schweren Sturz reicht es deshalb
nicht, nur den Knochenbruch zu behandeln. Wir wollen die Patientinnen und
Patienten möglichst schnell wieder auf die Beine bringen, ihre
Selbstständigkeit erhalten und einen weiteren Sturz verhindern.“
TraumaRegister DGU®: Mit dem Alter werden Stürze zur häufigsten Ursache
schwerer Verletzungen
Daten aus dem TraumaRegister DGU zeigen, welche Bedeutung Stürze im
höheren Lebensalter haben. Es erfasst jährlich rund 25.000 schwer
verletzte Unfallopfer, die in Kliniken versorgt werden. Dazu gehören neben
Menschen, die bei Verkehrsunfällen schwer verletzt werden, auch
Schwerverletzte nach Stürzen. Erfasst werden Patientinnen und Patienten
mit schweren beziehungsweise lebensbedrohlichen Verletzungen, die lebend
eine teilnehmende Klinik erreichen.
Nach dem Sturz: Bewegung schützt vor Muskelabbau
Nach einer Verletzung kann leicht ein Teufelskreislauf entstehen: Wer sich
beim Gehen unsicher fühlt oder Angst vor einem erneuten Sturz hat, bewegt
sich weniger. Dadurch baut der Körper Muskeln ab, Kraft und Gleichgewicht
lassen nach und das Risiko für den nächsten Sturz steigt. Deshalb gehört
Bewegung zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen. Auch ältere Menschen können
Kraft und Gleichgewicht gezielt trainieren. Spaziergänge, altersgerechtes
Krafttraining sowie Gleichgewichts- und Koordinationsübungen helfen dabei,
sicher auf den Beinen zu bleiben. „Aus Angst vor einem Sturz weniger zu
laufen, ist meist der falsche Weg“, sagt Neuerburg. „Wer sich immer
weniger bewegt, verliert Muskelkraft und Gleichgewicht und erhöht damit
langfristig sein Sturzrisiko. Entscheidend ist, sich regelmäßig und den
eigenen Fähigkeiten entsprechend zu bewegen.“
Stolperfallen lauern auch zu Hause
Nicht nur nasses Laub, schlechte Sicht oder später Schnee und Eis erhöhen
das Risiko. Viele Stürze passieren im eigenen Zuhause. Lose Teppiche und
Kabel, schlecht beleuchtete Flure und Treppen oder fehlende Haltegriffe im
Bad können schnell zur Stolperfalle werden. Die DGOU rät älteren Menschen
und ihren Angehörigen deshalb, die Wohnung regelmäßig mit Blick auf
mögliche Gefahren zu prüfen. Auch Seh- und Hörvermögen sollten regelmäßig
kontrolliert werden. Wer mehrere Medikamente einnimmt oder häufiger
Schwindel und Unsicherheit beim Gehen bemerkt, sollte mit seiner Ärztin
oder seinem Arzt klären, ob Medikamente das Sturzrisiko beeinflussen
können.
Wiederholte Stürze sind ein Warnsignal
Wer mehrfach stürzt, sollte dies nicht einfach als Begleiterscheinung des
Älterwerdens hinnehmen. Wiederholte Stürze können darauf hinweisen, dass
Muskelkraft oder Gleichgewicht nachgelassen haben oder gesundheitliche
Probleme dahinterstecken. Orthopäden und Unfallchirurgen sollten deshalb
nach einem Sturz nicht nur die Verletzung behandeln, sondern auch klären,
warum die betroffene Person gestürzt ist. Die Alterstraumatologie verfolgt
dabei ein klares Ziel: Ältere Patientinnen und Patienten sollen nach einer
Verletzung möglichst schnell wieder mobil werden und ihre
Selbstständigkeit bewahren. Gleichzeitig gilt es, das Risiko für einen
erneuten Sturz zu senken. Viele Faktoren, die Stürze begünstigen, lassen
sich erkennen und gezielt beeinflussen.
Referenzen:
1) TraumaRegister DGU® | DGU
2) Grafik Verletzungsmuster
https://dgou.de/fileadmin/dgu-
online/Dokumente/9._Presse/Tra
