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Viadrina-Jurist Dr. Marvin Reiff erhält Förderung des Postdoc Netzwerks Brandenburg

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Dr. Marvin Reiff, Jurist an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt
(Oder), hat für seine Forschung über Potenziale des Privatrechts
angesichts des Klimawandels einen Personal Grant des Postdoc Netzwerks
Brandenburg (PNB) eingeworben. Die dreijährige Förderung in Form einer
halben Stelle startete Anfang September 2026. Im Rahmen der Förderung als
Fellow im PNB setzt Marvin Reiff sein Habilitationsprojekt um, in dem er
unter anderem privatrechtliche Klagen gegen klimaschädliche Konzerne
untersucht.



„Es ist sicher, dass durch die zunehmende Erderhitzung Interessenkonflikte
und Rechtsverletzungen zunehmen werden. Offen ist die Frage, ob und welche
Rolle das Privatrecht dabei spielen soll oder sogar muss“, umreißt Marvin
Reiff den Ausgangspunkt seines Forschungsinteresses. Der Jurist
beschäftigt sich unter anderem mit den Herausforderungen und Potenzialen,
die sich aus der Erderhitzung für das Gesellschaftsrecht ergeben: „Niemand
bestreitet die Notwendigkeit eines praktischen Strukturwandels der
Wirtschaft. Weit weniger Einigkeit besteht bei der Frage, inwieweit dazu
ein theoretischer Verständniswandel im Gesellschaftsrecht erforderlich und
anschlussfähig ist.“

Neben dem Gesellschaftsrecht beschäftigt sich Reiff mit weiteren Bereichen
des Privatrechts. Sein aktueller Forschungsschwerpunkt liegt auf
privatrechtlichen Klimaklagen gegen Unternehmen, die viel Treibhausgas
ausstoßen, mit dem Ziel, ihnen bestimmte Regeln aufzuerlegen. So
scheiterten zuletzt im März 2026 zwei von der Deutschen Umwelthilfe
unterstützte Klagen vor dem Bundesgerichtshof, mit denen deutsche
Autobauer dazu verpflichtet werden sollten, bereits im Jahr 2030 den
Verkauf von Pkw mit Verbrennungsmotoren einzustellen – und nicht erst
2035, wie es das gesetzliche „Verbrenner-Aus“ derzeit vorsieht. „Die
Klageabweisungen sind im Ergebnis aufgrund der Umstände des konkreten
Einzelfalls überzeugend, aber über die Urteilsbegründungen lässt sich
trefflich streiten. Meine These ist, dass vergleichbare Klagen zunehmen
werden und nicht von vornherein aussichtslos sind“, so Reiff.

Doch kann und sollte das Privatrecht Lücken füllen, die die öffentlich-
rechtliche Regulierung in Sachen Klimaschutz lässt? Marvin Reiff sieht
hier viele ungeklärte Fragen. „Den Gesetzgebern kommen einerseits
natürlich weitreichende Einschätzungsspielräume zu. Andererseits scheitern
sie laufend an ihren selbstgesteckten Zielen“, sagt er. Neben Urteilen und
aktuellen Klagen analysiert Marvin Reiff auch rechtspolitische Debatten –
zuletzt etwa einen Vorstoß Bayerns im Bundesrat, zivilrechtliche
Klimaklagen pauschal auszuschließen. Hier ergeben sich nicht nur
verfassungsrechtliche Probleme: „Solche Vorstöße, die wir auch
international beobachten können, stellen die viel größere Frage nach der
Rolle des Privatrechts in einer immer heißeren Welt wie unter einem
Brennglas.“ Politik, Rechtswissenschaft und juristische Praxis sieht er in
diesem Bereich aktuell in einem „kollektiven Nach-vorne-Irren“.

Dieser in die Zukunft gerichtete rechtswissenschaftliche Zugang, der
außerrechtliches Wissen und gesellschaftliche Entwicklungen
miteinschließt, ist für Reiff besonders interessant. „Derzeit spricht
leider alles dafür, dass es in diesem Jahrhundert immer heißer werden
wird. Die Auseinandersetzung mit der Frage, was das für das Privatrecht
heißt, hat gerade erst begonnen“, ist er überzeugt.

Dr. Marvin Reiff steht Journalist*innen für Interviews und
Hintergrundgespräche zum Thema seiner Forschung zur Verfügung.
Anfragen per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.