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Endlagersuche für radioaktiven Abfall: Welche Rolle Raumplanung und Raumentwicklung einnehmen sollten

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Fachleute des ARL-Arbeitskreises „Endlagersuche für radioaktiven Abfall in
Deutschland – zur Rolle von Raumplanung und Raumentwicklung“ empfehlen,
die aktive Rolle von Raumplanung und Raumentwicklung bei der
Standortauswahl für ein Endlager hochradioaktiver Abfälle in Deutschland
auszuweiten.



In Deutschland wird nach wie vor nach einem Endlager für hochradioaktiven
Abfall aus der Kernenergie gesucht. Seit 2017 regelt das
Standortauswahlgesetz das entsprechende Verfahren. Dieses Gesetz soll
sicherstellen, dass der Suchprozess partizipativ, wissenschaftsbasiert,
transparent, selbsthinterfragend und lernend angelegt ist und am Ende zu
einem Endlagerstandort mit bestmöglicher Sicherheit führt.

Sechs Empfehlungen zur Rolle der Raumplanung und Raumentwicklung

Bei der Ermittlung dieses Endlagerstandorts spielen
Sicherheitsanforderungen und geowissenschaftliche Kriterien eine Rolle.
Aber auch Raumplanung und Raumentwicklung sind in allen Phasen der
Standortauswahl gefragt. Genau hier setzt der ARL-Arbeitskreis
„Endlagersuche für radioaktiven Abfall in Deutschland – zur Rolle von
Raumplanung und Raumentwicklung“ an und hat sechs Empfehlungen erarbeitet:

1.      Die Endlagersuche sollte durch konkrete Maßnahmen zur Förderung
der Regionalentwicklung und regionalen Innovation in den Standortregionen
flankiert werden.
2.      Die planungswissenschaftlichen Abwägungskriterien sollten
überprüft und konkretisiert werden.
3.      Die Regionsabgrenzungen sollten zweckbezogen differenziert und
unter Einbezug der Öffentlichkeit diskutiert und festgelegt werden.
4.      Die sozioökonomischen Potenzialanalysen sollten ausgestaltet und
eng mit der Erarbeitung von regionalen Entwicklungskonzepten verzahnt
werden.
5.      Raumwissenschaftliches und raumplanerisches Know-how sollte bei
Umweltprüfungen und bei der Prüfung der Raumverträglichkeit von
Standortvorschlägen berücksichtigt werden.
6.      Es sollten langfristige regionale Analysen und ein begleitendes
Monitoring in das Standortauswahlverfahren aufgenommen werden.

Positionspapier erläutert  Empfehlungen des Arbeitskreises

Die Mitglieder des Arbeitskreises „Endlagersuche“ sprechen sich dafür aus,
dass sich Raumentwicklung und Raumplanung in Wissenschaft und Praxis
wesentlich stärker als bisher mit der Endlagersuche und den damit
verbundenen Fragestellungen auseinandersetzen sollten. Sie sollten ihre
Position in die öffentliche Diskussion einbringen und sich als
langfristige Partner bei der nuklearen Entsorgung, insbesondere bei der
Standortauswahl, etablieren.

Ihre Bemühungen sollten darauf abzielen, zur Aufklärung und Versachlichung
der Endlagerdiskussion beizutragen, einschlägige Expertise durch geeignete
Formate gezielt weiterzuentwickeln und insbesondere jüngeren Generationen
neue Wege zu eröffnen.
„Die Endlagerung radioaktiver Abfälle aus der Kernenergie ist ein
Jahrhundertprojekt mit großer Relevanz für die Regionalentwicklung in
Deutschland. Da müssen Fachleute, gerade auch jüngere aus dem Umfeld der
ARL, wirksam eingebunden sein. Wir plädieren deshalb dafür, dass
Expertinnen und Experten aus Raumplanung und Raumentwicklung das Thema
Endlagerung aufgreifen und sich aktiv in die weiteren Diskussionen
einbringen“, sagt der Leiter des Arbeitskreises, Professor Bernhard Müller
von der Technischen Universität Dresden.

ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (Hrsg.)
(2026): Endlagerung hochradioaktiver Abfälle in Deutschland – Empfehlungen
von Raumplanung und Raumentwicklung. Hannover. = Positionspapier aus der
ARL 166. https://doi.org/10.60683/mazw-9095

Vierteilige Podcast-Serie zur vertiefenden Diskussion

In einer vierteiligen Podcast-Serie vertieft die Regionalplanerin und
Podcast-Host Sarina Hüben (Regierung von Unterfranken) verschiedene
Aspekte der Standortsuche für radioaktive Endlager.
Gemeinsam mit ihrem Gast Dr. Monika C. M. Müller (Evangelische Akademie
Loccum) gibt sie in der ersten Folge eine Einführung in die Endlagersuche
und klärt grundlegende Begriffe. In der zweiten Folge diskutieren Bernhard
Müller und Mathias Steinhoff (Bundesgesellschaft für Endlagerung) darüber,
wie die Raumplanung dabei unterstützen kann, Raumnutzungskonflikte zu
lösen und die regionale Entwicklung fair zu berücksichtigen. In der
dritten Folge setzt sich Dr. Ryan Kelly (Ökoinstitut e.V) damit
auseinander, ob sich sozialräumliche Potenziale aus einem Endlagerstandort
für eine Region ergeben könnten – und wenn ja, welche. In der letzten
Folge geht es um Emotionen und Sachargumente. Oliver Weidlich (Regierung
von Unterfranken), Ansprechpartner für Kommunen bei der Endlagersuche,
berichtet, welche Rolle negative und positive Narrative bei der
Standortsuche eines Endlagers spielen können.