Zum Hauptinhalt springen

Lagerung, Versicherung und Zollfreilager

Lagerung  Versicherung und Zollfreilager Symbolbild
Lagerung Versicherung und Zollfreilager Symbolbild
Pin It

Bei einem Wertpapier endet der Aufwand mit der Ausführung der Order. Die Verwahrung übernimmt die depotführende Stelle, und sie verursacht überschaubare Kosten. Bei physischem Metall beginnt an dieser Stelle eine zweite Entscheidung. Die Ware muss irgendwo liegen, sie muss gegen Verlust abgesichert sein, und beides kostet Geld oder bringt ein Risiko mit sich. Diese laufenden Kosten fallen unabhängig von der Preisentwicklung an und mindern die Rendite über die gesamte Haltedauer.

Warum die Lagerung Teil der Rendite ist

Wer über investieren in silber nachdenkt, vergleicht meist Ankaufspreise und Aufgelder. Die Verwahrung wird als nachgelagerte Frage behandelt.

Bei Silber wiegt sie allerdings schwerer als bei Gold, und zwar aus einem physikalischen Grund: Für denselben Gegenwert wird deutlich mehr Volumen und Gewicht benötigt. Was bei Gold in eine Hand passt, füllt bei Silber mehrere Kisten.

Daraus ergeben sich vier Optionen mit unterschiedlichen Profilen:

  • Verwahrung in den eigenen Räumen;

  • Bankschließfach;

  • Depot bei einem spezialisierten Anbieter;

  • Lagerung in einem Zollfreilager.

Jede Variante verschiebt das Verhältnis zwischen Zugriff, Sicherheit und Kosten.

Die Grenzen der Hausratversicherung

Die häufigste Annahme lautet, dass eine bestehende Hausratversicherung den Bestand abdeckt. Das trifft nur eingeschränkt zu.

Wertsachen sind in solchen Verträgen üblicherweise nur bis zu einem bestimmten Anteil der Versicherungssumme abgedeckt, ergänzt um eine absolute Obergrenze. Für nennenswerte Bestände ist diese Grenze schnell erreicht.

Eine Übersicht zu Verwahrungsmöglichkeiten hält zudem einen verbreiteten Irrtum fest: Bei kleineren Wertsummen greift in der Regel die Hausratversicherung, doch ein Bankschließfach lohnt sich erst ab einer höheren Wertsumme, wobei der sehr hohe und professionelle Schutz das wichtigste Argument ist.

Das Bankschließfach

Die Übersicht nennt hier eine Einschränkung, die viele überrascht. Der Inhalt eines Schließfachs ist nicht automatisch versichert, und der Versicherungsort ist ausschließlich das Fach selbst.

Für den Transportweg zum oder vom Lagerort besteht damit in der Regel kein Schutz, was gerade bei Silber und dem damit verbundenen Gewicht relevant wird.

Hinzu kommt, dass nicht jede Bank diese Dienstleistung noch anbietet und die Verfügbarkeit regional unterschiedlich ist.

Bei Silber tritt eine praktische Einschränkung hinzu, die bei Gold keine Rolle spielt. Ein Schließfach üblicher Größe ist volumenmäßig schnell ausgelastet, sodass sich die Frage nach der Fachgröße und den entsprechenden Kosten anders stellt als bei einem vergleichbaren Gegenwert in Gold.

Das Zollfreilager und seine Bedingungen

Die vierte Variante wird bei Silber häufiger genannt als bei Gold, und der Grund liegt in der unterschiedlichen steuerlichen Behandlung beider Metalle.

Eine Gegenüberstellung der Lagerformen beschreibt es so, dass ein Zollfreilager steuerliche Vorteile für die Lagerung bestimmter Waren bis zur physischen Entnahme bietet, da bei der Lagerung keine Mehrwertsteuer beziehungsweise Einfuhrumsatzsteuer anfällt, während der steuerliche Vorteil bei Gold geringer ausfällt, da der Erwerb von reinem Anlagegold in der Regel ohnehin umsatzsteuerfrei ist.

Dieselbe Quelle nennt die Gegenseite ausdrücklich: Die Compliance-Anforderungen und Nachweispflichten sind tendenziell strenger, die Flexibilität ist niedriger, und die Verwaltungs- sowie Versicherungskosten fallen teils höher aus.

Was beim Auslagern geschieht

Entscheidend ist die Formulierung bis zur physischen Entnahme. Die Steuer entfällt nicht, sie wird aufgeschoben. Wer die Ware später nach Hause holt, löst den Steuertatbestand aus.

Diese Konstruktion eignet sich damit für Bestände, die dauerhaft eingelagert bleiben sollen, und weniger für solche, bei denen ein physischer Zugriff geplant ist.

Was die Lagerung kostet

Die Größenordnungen unterscheiden sich erheblich nach Variante:

Bei den prozentualen Varianten wächst die Gebühr mit dem Wert des Bestands, während sie bei einem Schließfach unabhängig davon bleibt. Ab welchem Bestand welche Variante günstiger ist, lässt sich mit zwei Zahlen ausrechnen.

Über längere Zeiträume summiert sich eine prozentuale Gebühr spürbar. Ein Satz im unteren einstelligen Promillebereich wirkt pro Jahr unbedeutend und entspricht über ein Jahrzehnt einem zweistelligen Prozentbetrag der ursprünglichen Anlagesumme.

Was zu prüfen ist

Vor der Entscheidung lohnen einige konkrete Nachfragen:

  • Die Obergrenze für Wertsachen im bestehenden Versicherungsvertrag;

  • Ob und in welchem Umfang ein Schließfachinhalt versichert ist;

  • Ob der Transportweg abgedeckt ist;

  • Ob der Bestand namentlich zugeordnet oder nur der Menge nach geführt wird;

  • Wie und mit welcher Frist eine Auslieferung möglich ist;

  • Welche Nachweise für die spätere Besteuerung aufzubewahren sind.

Der vierte Punkt ist der wichtigste im Insolvenzfall eines Anbieters. Ein namentlich zugeordneter Bestand ist rechtlich anders gestellt als ein Anspruch auf eine Menge aus einem Sammelbestand.

Was das für die Produktwahl bedeutet

Die Verwahrungsfrage fällt bei nicht-physischen Produkten weg, dafür treten dort andere Merkmale an ihre Stelle, etwa die Rechtsform des Produkts und die steuerliche Behandlung des Gewinns.

Ein sinnvoller Vergleich stellt deshalb nicht Metallpreis gegen Metallpreis, sondern die Gesamtkosten beider Wege über die geplante Haltedauer gegenüber, einschließlich Umsatzsteuer, Aufgeld, Lagerung und Versicherung auf der einen Seite sowie laufender Produktkosten auf der anderen.