Erfolge bei der Steinkrebs-Wiederansiedlung im Hunsrück bei Koblenz – trotz Extrem-Sommer
Gekommen, um zu bleiben: Steinkrebse, die in den vergangenen Jahren in
einem Bach im Hunsrück bei Koblenz ausgesetzt wurden, haben sich dort
erfolgreich etabliert. Bei einem Monitoring in diesem Sommer fanden
Wissenschaftler*innen des Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier
Tiere aus mindestens zwei Jahrgängen.
Selbst der extrem heiße Sommer und die zeitweise sehr geringe
Wasserführung konnten den jungen Bestand offenbar nicht stoppen. Der
Steinkrebs ist in Deutschland stark gefährdet und in Rheinland-Pfalz nur
noch an wenigen Stellen zu finden. Deshalb wird zum Erhalt und zur
Wiederansiedlung dieser Art ein Projekt von der Struktur- und
Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord) mit Mitteln des Landes Rheinland-
Pfalz gefördert. Ein in den letzten Jahrzehnten krebsfreier Bach konnte
dadurch über drei Jahre mit Krebsnachwuchs besetzt werden, zum Teil mit
hochrangiger politischer Unterstützung, z. B. durch die ehemalige
Umweltministerin Katrin Eder.
Ein entscheidender Baustein des Projekts war die Nachzucht. Anders als
viele andere Krebsarten sind Steinkrebse ausgesprochen schwierig zu
vermehren. Gemeinsam mit Helmut Jeske von der Krebszucht Oeversee in
Schleswig-Holstein,
Dr. Kai Lehmann vom Institut für nachhaltiges Ressourcenmanagement und dem
Steinkrebsenthusiasten Jürgen Frechen als Partner vor Ort gelang es, dafür
ein Verfahren zu entwickeln. „Die Bedingungen eines kleinen, kühlen
Mittelgebirgsbaches in Zuchtanlagen zu kopieren ist fast unmöglich“,
erläutert Helmut Jeske. „Die Steuerung der sehr niedrigen Temperatur und
geringen Nährstoffgehalte ist in Zuchtanlagen sehr aufwändig.“
Für Prof. Dr. Stefan Stoll vom Umwelt-Campus Birkenfeld ist der Fund der
Steinkrebse ein wichtiger Meilenstein: „Die Wiederansiedlung läuft bislang
ausgesprochen gut. Besonders spannend wird das nächste Jahr: Wenn wir dann
erstmals hier geborene Jungtiere finden, wäre der entscheidende Schritt zu
einer sich selbst erhaltenden Population geschafft.“
