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HoF-Publikationen: Wozu studieren? Fach und Biografie erklären mehr als die Hochschulträgerschaft

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Die Annahme liegt nahe: Öffentliche Hochschulen setzen stärker auf
persönliche Entwicklung, während private stärker auf arbeitsmarktbezogene
Qualifizierung ausgerichtet sind. Wenn diese Annahme stimmt, sollte sich
das in den Kompetenzverständnissen der Hochschulen, den Studienwahlmotiven
und Erwartungen der Studierenden sowie im Studium selbst widerspiegeln.
Zwei Untersuchungen des Instituts für Hochschulforschung (HoF) zeigen,
dass die Entgegensetzung zu kurz greift. Häufig zeigen sich deutlichere
Unterschiede nach Fachrichtung sowie Bildungs- und Berufsbiografie als
nach der Hochschulträgerschaft.



Untersucht wurden Kompetenzverständnisse sowie Studienwahlmotive,
Erwartungen und Studiengestaltung an öffentlichen und privaten Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften (HAW). Der Schwerpunkt lag auf den
Wirtschaftswissenschaften und den SAGE-Fächern (Soziale Arbeit,
Gesundheit, Erziehung und Bildung).

Eine erste Untersuchung macht sichtbar, wie unterschiedlich an Hochschulen
Kompetenz verstanden wird: Rund 90 verschiedene Kompetenzbegriffe wurden
identifiziert. Welche Kompetenzen und Kompetenzmodelle relevant werden,
hängt vor allem mit den Fächergruppen zusammen. So werden beispielsweise
Reflexivität und Forschungskompetenzen insbesondere in den SAGE-Fächern
hervorgehoben. Die Hochschulträgerschaft spielt eher eine indirekte Rolle:
Die Bildungs- und Berufsbiografien von Vizepräsident.innen Lehre,
Mitarbeiter.innen in der Lehr- und Lernentwicklung sowie Lehrenden an
privaten HAW sind teilweise vielfältiger als an öffentlichen Hochschulen.
Private HAW richten sich zudem häufiger an beruflich qualifizierte und
erfahrene Studierende. Deshalb bieten sie auch häufiger flexible
Studienformate an, die sich mit Beruf und anderen Verpflichtungen
verbinden lassen.

Die zweite Untersuchung nimmt daher die Studierenden sowie die
Studiengestaltung in den Blick. Auch bei den Studierenden spielen die
Bildungs- und Berufsbiografien eine wichtige Rolle. Wer bereits eine
Ausbildung abgeschlossen oder mehrere Jahre gearbeitet hat, bringt
Kompetenzen und Erfahrungen mit, die die Erwartungen an ein Studium
prägen. Bei Studienwahlmotiven und Erwartungen an das Studium finden sich
deutlichere Unterschiede zwischen den Fächergruppen als zwischen den
Hochschulträgerschaften: Studierende in Wirtschaftswissenschaften
orientieren sich stärker an Einkommen und Karriere, SAGE-Studierende
stärker an fachlichen Interessen sowie am Gemeinwohl. Das bedeutet nicht,
dass Wirtschaftsstudierende ausschließlich ökonomisch denken oder SAGE-
Studierende allein persönlichen und gesellschaftlichen Motiven folgen. Die
Aussicht auf berufliche Verwertbarkeit und die persönliche
Weiterentwicklung können Studierenden gleichzeitig wichtig sein. Zugleich
unterscheiden sich Studierende an privaten HAW über die Fächergruppen
hinweg in ihren Motiven weniger stark als Studierende an öffentlichen HAW.

Unabhängig von Hochschulträgerschaft und Bildungs- und Berufsbiografie
erwarten die Studierenden einen engen Praxisbezug. Allerdings kann dieser
unterschiedlich verstanden und gestaltet werden. Insbesondere an
öffentlichen HAW wird kritisch diskutiert, ob duale oder berufsbegleitende
Studiengänge ausreichend Zeit und Freiräume für wissenschaftliche
Reflexion und persönliche Entwicklung lassen. Rückblicke von Studierenden
zeigen jedoch, dass sich ein berufsbegleitendes Studium und persönliche
Entwicklung keineswegs ausschließen: Die zunächst unerwartete
Auseinandersetzung mit Forschung kann wissenschaftliches Interesse wecken
und sogar Promotionswünsche hervorbringen.

Die zentrale Frage ist damit weniger, ob private HAW vor allem für den
Arbeitsmarkt qualifizieren und öffentliche vor allem persönliche
Entwicklung fördern. Entscheidend ist vielmehr, wie unterschiedliche
Motive und Erwartungen in der Studiengestaltung aufgegriffen werden.
Schließlich besteht die Rolle von Hochschulen darin, nicht nur Erwartungen
zu erfüllen, sondern auch neue zu wecken.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Christiane Arndt, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..de

Originalpublikation:
Christiane Arndt / Anne Richter: Studienmotive, Erwartungen und
Studiengestaltung im Spannungsfeld von Personalentwicklung und
Persönlichkeitsbildung. Öffentliche und private Hochschulen im Vergleich
(HoF-Arbeitsbericht 138), Institut für Hochschulforschung (HoF) an der
Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg, 2026, 149 S.,
ISBN 978-3-69059-013-6
Online unter: https://hof.uni-halle.de/web/dateien/pdf/ab138_WEB.pdf

Christiane Arndt / Anne Richter: Kompetenzverständnisse im Spannungsfeld
von Persönlichkeitsbildung und Personalentwicklung. Öffentliche und
private Hochschulen im Vergleich (HoF-Arbeitsbericht 131), unt. Mitarb. v.
Annika Benndorf, Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-
Luther-Universität, Halle-Wittenberg, 2025, 103 S.,
ISBN 978-3-69059-003-7
Online unter: https://hof.uni-halle.de/web/dateien/pdf/ab131_WEB.pdf