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Neue Werte des IMK Inflationsmonitors

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Haushaltsspezifische Inflationsraten: Fünf Haushaltstypen an oder über
drei Prozent-MarkeDie Inflation in Deutschland ist im August 2026 um 0,1 Prozentpunkte auf
2,9 Prozent gestiegen. Zentraler Grund dafür ist das Wiederaufflammen des
Iran-Kriegs, das den Rohölpreis und die Raffineriemargen steigen ließ,
verstärkt durch den fortgesetzten Ukraine-Krieg. Der Preisschub bei
Kraftstoffen hat sich bei Familien mit mittleren und mit niedrigen
Einkommen am stärksten ausgewirkt.

Denn diese brauchen, oft wegen der
Kinder, ein Auto, gleichzeitig haben Ausgaben für Benzin oder Diesel in
ihrem Warenkorb ein vergleichsweise großes Gewicht. Die Inflationsrate von
Familien kletterte daher zwischen Juli und August um 0,2 bis 0,3
Prozentpunkte. Haushalte mit höheren Einkommen wiederum waren stärker von
Preissteigerungen bei Flügen, Pauschalreisen, Freizeit und Kultur sowie
Gesundheits- und sozialen Dienstleistungen betroffen. Das geht aus dem
aktuellen Inflationsmonitor des Instituts für Makroökonomie und
Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hervor, für den
Inflationsexpertin Dr. Silke Tober die haushaltsspezifischen
Teuerungsraten von neun repräsentativen Haushaltstypen untersucht (mehr zu
den Typen unten).* Im Ergebnis lagen im August die haushaltsspezifischen
Raten bei acht der untersuchten Haushaltstypen mit 2,7 bis 3,2 Prozent
recht nahe beieinander (siehe auch die Abbildung in der pdf-Version dieser
PM; Link unten). Bei vier der untersuchten Haushaltstypen stand bei der
Inflationsrate eine zwei vor dem Komma, fünf wiesen eine Teuerung von 3,0
Prozent oder etwas mehr auf.

Ebenso wie in den Vormonaten habe der Energiepreisschock aber noch keinen
breiteren Preisauftrieb bei anderen Gütergruppen ausgelöst, analysiert
Tober. So ist die Preisdynamik bei Nahrungsmitteln mit 0,1 Prozent Anstieg
zwischen August 2025 und August 2026 erneut sehr schwach ausgefallen und
gegenüber dem Vormonat noch einmal zurückgegangen. Die Endkundenpreise für
Strom und Gas lagen wegen meist langfristiger Vertragslaufzeiten und der
Subventionierung der Stromnetzentgelte zu Jahresbeginn weiterhin
geringfügig niedriger als vor einem Jahr. Das erklärt, dass Alleinlebende
mit niedrigen Einkommen, die sich selten Kraftfahrzeuge, Reisen oder
aufwendigere Dienstleistungen leisten können, mit 2,0 Prozent im August
die im Haushaltsvergleich niedrigste Teuerungsrate schultern mussten.
Damit unterscheidet sich die aktuelle Teuerung in Ausmaß und sozialer
Verteilung weiterhin stark von der im Jahr 2022, als nach dem russischen
Überfall auf die Ukraine auch die Preise für Haushaltsenergie und
Nahrungsmittel schnell extrem anzogen, was insbesondere Haushalte mit
geringeren Einkommen traf. So betrug auf dem Höhepunkt der damaligen
Inflationswelle im Oktober 2022 die Teuerungsrate für Familien mit
niedrigen Einkommen 11 Prozent, die für ärmere Alleinlebende 10,5 Prozent.
Alleinlebende mit sehr hohen Einkommen hatten damals mit 7,9 Prozent noch
die niedrigste Inflationsrate.

Energiepreisdämpfung bringt mehr als Zinserhöhungen

Unter dem Strich ist laut Tobers Analyse in Deutschland „der Anstieg der
Inflation von 1,8 Prozent im Dezember 2025 auf 2,9 Prozent im August 2026
allein dem massiven Preisanstieg bei Kraftstoffen und Heizöl geschuldet“.
Ähnliches gelte bisher auch für den Euroraum insgesamt, wobei in einigen
Nachbarländern aufgrund von kürzerfristigen Vertragsstrukturen
mittlerweile auch die Preise für Gas und Strom steigen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse in dieser Situation zwar wachsam
sein. Die Leitzinserhöhung in der vergangenen Woche war nach Analyse der
Inflationsexpertin aber verfrüht. Die EZB könne den durch den Irankrieg
ausgelösten Energiepreisschock durch Zinserhöhungen nicht wirksam
bekämpfen. „Dennoch hat sie im September die Finanzierungskosten für die
ohnehin stark belastete Wirtschaft erneut erhöht“, so Tober.

Der Energiepreisschock falle länger und kräftiger aus als zunächst
erwartet. Daher dürften die indirekten Effekte – beispielsweise infolge
höherer Transportkosten – stärker ausfallen und die Gefahr von
Zweitrundeneffekten zunehmen, schreibt Tober. Aktuell aber lasse die
Lohndynamik nach und der Arbeitsmarkt schwäche sich ab. Zudem hat sich die
Teuerung bei Dienstleistungen im Euroraum im August verringert und die
Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel ist gesunken. „Einen
hinreichenden Grund, die Konjunktur durch Zinserhöhungen zusätzlich zu
schwächen, gibt es derzeit nicht“, betont die Ökonomin.

Statt der EZB sollten die Regierungen der Euro-Länder Vorsorge treffen,
empfiehlt die IMK-Expertin. Für den Fall, dass es bei den Preisen für
Rohöl und Mineralölprodukte nicht zu einer baldigen Entschärfung komme,
sollten sie preisdämpfende Maßnahmen ergreifen. In Deutschland wäre bei
anhaltend hohen Energiepreisen insbesondere eine erhöhte Subventionierung
der Stromnetzentgelte sinnvoll, die derzeit noch rund ein Viertel der
Stromkosten ausmachen, aber auch eine Neuauflage des Tankrabatts. „Wir
sind gerade wieder mitten in einem heftigen Energiepreisschock“, erläutert
Prof. Dr. Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor des IMK. „Für die
wirtschaftliche Stabilität sollten alle Instrumente zur Preisdämpfung
geprüft werden, einschließlich Preisdeckeln, vorübergehenden Subventionen
und Übergewinnsteuern.“

Dies gelte umso mehr, da die Bundesregierung an anderer Stelle selber für
zunehmende Preisdynamik sorge, analysiert Tober. Sie werde „die Inflation
zu Jahresbeginn 2027 durch diskretionäre Maßnahmen deutlich erhöhen.“ Das
gilt beispielsweise für die Erhöhung der Zuzahlung gesetzlich
Krankenversicherter bei Arzneimitteln oder Krankenhausaufenthalten. „Damit
steigt das Risiko weiterer Zinserhöhungen und eines abrupten Endes der
aktuellen wirtschaftlichen Erholung“, warnt die Inflationsexpertin.

Informationen zum Inflationsmonitor

Für den IMK Inflationsmonitor werden auf Basis der Einkommens- und
Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts die für
unterschiedliche Haushalte typischen Konsummuster ermittelt. So lässt sich
gewichten, wer für zahlreiche verschiedene Güter und Dienstleistungen –
von Lebensmitteln über Mieten, Energie und Kleidung bis hin zu
Kulturveranstaltungen und Pauschalreisen – wie viel ausgibt und daraus die
haushaltsspezifische Preisentwicklung errechnen. Die Daten zu den
Haushaltseinkommen stammen ebenfalls aus der EVS. Im Inflationsmonitor
werden neun repräsentative Haushaltstypen betrachtet: Paarhaushalte mit
zwei Kindern und niedrigem (2000-2600 Euro), mittlerem (3600-5000 Euro),
höherem (mehr als 5000 Euro) monatlichem Haushaltsnettoeinkommen;
Haushalte von Alleinerziehenden mit einem Kind und mittlerem (2000-2600
Euro) Nettoeinkommen; Singlehaushalte mit niedrigem (unter 900 Euro),
mittlerem (1500-2000 Euro), höherem (2000-2600 Euro) und hohem (mehr als
5000 Euro) Haushaltsnettoeinkommen sowie Paarhaushalte ohne Kinder mit
mittlerem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 3600 und 5000 Euro monatlich.
Der IMK Inflationsmonitor wird monatlich aktualisiert.