Zum Hauptinhalt springen

Der Maschinenbau muss schneller werden – auch bei Textilien

Pin It

Rund 100 Experten aus Forschung und Industrie diskutierten bei der 18.
Narrow Textile Conference (NTC) in Hof über neue Technologien für schmale
Textilien – und über die Frage, wie schnell Forschung und Maschinenbau auf
eine sich verändernde Welt reagieren müssen.

Es sind schmale Bänder, Geflechte und textile Strukturen, die bei der
Narrow Textile Conference im Mittelpunkt stehen. Doch die Fragen, die
dahinterstehen, sind groß: Wie lassen sich textile Produkte intelligenter
machen? Welche neuen Materialien und Fertigungsverfahren werden gebraucht?
Und wie kann eine Industrie, die stark von Maschinenbau und
internationaler Produktion geprägt ist, mit dem Tempo des technologischen
Wandels Schritt halten?

Rund 100 Teilnehmer aus etwa 40 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und
Organisationen kamen zur 18. Ausgabe der Konferenz. Den Auftakt bildeten
am 31. August eine Führung durch die technischen Einrichtungen des
Instituts für Materialwissenschaften in Münchberg und ein anschließendes
Get-together, bevor die Konferenz am 1. und 2. September in Hof stattfand.
Rund zehn Prozent der Gäste reisten aus dem Ausland an, unter anderem aus
den USA, der Schweiz, Österreich, Frankreich und dem Iran. Die
Konferenzsprache war Englisch.

Erstmals war die Hochschule Hof Gastgeber der Veranstaltung, die als
Wanderkonferenz alle zwei Jahre an einem anderen Standort stattfindet.
„Wir freuen uns über die große internationale Beteiligung und die Vielfalt
der Fachbesucherinnen und Fachbesucher bei der Narrow Textile Conference.
Besonders erfreulich ist, dass wir die Teilnehmerzahl verdoppeln konnten.
Die erfolgreiche Ausrichtung der Tagung ist für uns zugleich eine große
Anerkennung und Wertschätzung unserer Forschungsarbeit im Bereich der
Schmaltextilien“, sagt Prof. Frank Ficker.

NTC startete in der Schweiz und tourt seitdem

Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 2001 zurück. Die erste Konferenz wurde
anlässlich der Eröffnung des Jakob Müller Institute of Narrow Fabrics in
Frick, Schweiz, veranstaltet. Nach weiteren Ausgaben bei der Jakob Müller
Group in Frick folgten wechselnde Stationen an der Hochschule Niederrhein
in Mönchengladbach und an der TU Dresden. Organisiert wurde die
diesjährige Ausgabe vom Institut für Materialwissenschaften (ifm) der
Hochschule Hof gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein, der TU Dresden
und der Jakob Müller Group.

Dass die Konferenz nach einer Pause wieder größer werden sollte, war dabei
durchaus beabsichtigt. „Frischer Wind, ein neuer Name und deutlich mehr
Teilnehmer als bei der letzten Tagung“ – so beschreibt Romy Ottiger,
Organisatorin von der Hochschule Hof, die neue Ausgabe. Ein
wissenschaftlicher Beirat der beteiligten Partner hatte dazu beigetragen,
die Konferenz weiterzuentwickeln, darunter die Hochschule Niederrhein, die
TU Dresden, die Jakob Müller Group und die Hochschule Hof.

Führung durch den Münchberger Textilstandort

Zum Auftakt erhielten die Teilnehmer am Münchberger Hochschulstandort
Einblicke in die Forschung vor Ort. In den Maschinenhallen und technischen
Einrichtungen konnten sie unter anderem Flechtmaschinen und 3D-
Webmaschinen in Betrieb sehen. Damit blieb es nicht bei Vorträgen über
neue Technologien: Die Besucher konnten sich unmittelbar davon überzeugen,
woran in der Region geforscht und entwickelt wird. Am zweiten Tag
verlagerte sich der Schwerpunkt nach Hof. Professor Frank Ficker,
wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Materialwissenschaften (ifm),
stellte die Hochschule Hof und das ifm vor, bevor Dr. Janpeter Horn vom
Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit seiner Keynote den
Blick über die Textilbranche hinaus auf die Entwicklung des Maschinenbaus
richtete. Seine Botschaft war deutlich: „Die Welt ändert sich schneller
als gedacht.“ Besonders die Dynamik der großen Wirtschaftsräume China und
USA zwinge die deutsche und europäische Industrie dazu, sich schneller
anzupassen. Wenn Produktion verlagert werde, folgten häufig auch die
Investitionen, warnte Horn. Für einen Industriestandort wie Deutschland
sei das problematisch.

Eine weitere Forderung richtete er an die Unternehmen und die Forschung:
Innovation müsse schneller werden. Sie müsse nicht immer perfekt sein.
Gerade Deutschland sei stark darin, bestehende Produkte zu optimieren. Die
entscheidende Frage sei aber, ob es auch gelinge, wirklich neue Produkte
und Märkte zu entwickeln.
Damit berührte Horn einen Punkt, der auch für die Hochschule Hof relevant
ist: die enge Verbindung von Forschung und Industrie. „Als Institut an
einer Hochschule haben wir eine starke Industrieprägung aufgebaut und
konnten langfristige und erfolgreiche Partnerschaften mit der Industrie
entwickeln. Für Unternehmen versuchen wir stets, neue Wege zu finden und
zu ermöglichen“, so Ficker.

Zwischen Forschung und Industrie

Genau an dieser Schnittstelle bewegte sich die Konferenz: zwischen
Materialforschung, Maschinentechnik und konkreten industriellen
Anwendungen. Vorgestellt und diskutiert wurden Entwicklungen aus den
vergangenen zwei Jahren, neue Projekte und technologische Ansätze für
Schmalweberei, Flechttechnik und funktionale beziehungsweise intelligente
Textilien. Eine Posterausstellung ergänzte die Fachvorträge und bot
insbesondere jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine
Möglichkeit, ihre Arbeiten zu präsentieren. In einer begleitenden
Fachausstellung präsentierten Unternehmen und Forschungseinrichtungen an
Informationsständen ihre Technologien, Produkte und aktuellen
Entwicklungen.

Der Wert der Veranstaltung liegt dabei nicht allein in einzelnen
Forschungsergebnissen. Die Konferenz bringt Akteure zusammen, die sonst
häufig in unterschiedlichen Welten arbeiten: Maschinenbauer treffen auf
Materialforscher, Hochschulen auf Unternehmen, Entwickler auf Anwender.
Daraus können neue Projekte, Produkte und Kooperationen entstehen.

Die nächste Ausgabe der Narrow Textile Conference ist für das erste
Quartal 2028 in der Schweiz bei der Jakob Müller Group geplant.