DBFZ-Jahrestagung 2026: Biomasse-Experten fordern Resilienz und klare Rahmenbedingungen für eine zirkuläre Bioökonomie
Wie entwickelt sich die stoffliche und energetische Nutzung von Biomasse,
was sind innovative Forschungsansätze und mit welchen Chancen und
Herausforderungen ist die Bioökonomie im Jahr 2026 konfrontiert? Mit
spannenden Forschungsansätzen sowie einer Vielzahl an Wünschen haben sich
auf der Jahreskonferenz des Deutschen Biomasseforschungszentrums vom 8.-9.
September 2026 rund 160 Expert:innen ausgetauscht und Antworten auf
genannte Fragen gesucht. Fazit der Beteiligten aus Forschung, Industrie
und Politik: Angesichts wachsender geopolitischer Herausforderungen auf
nationaler und internationaler Ebene benötigt es dringend einfache, klare
und langfristig verbindliche Rahmenbedingungen.
In ihrem Einführungsvortrag „Kritische Kreisläufe: Biomasse,
Versorgungssicherheit und Resilienz im Jahr 2045“ bereitete Prof. Dr.
Andrea Büttner vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und
Verpackung (IVV) den thematischen Leitfaden, der sich durch die
diesjährige Biomassetagung des DBFZ zog: Wie können Biomassekreisläufe so
gestaltet werden, dass sowohl das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 wie
gleichzeitig auch die nationale Versorgungssicherheit gewährleistet
bleibt? Im Fokus ihres Vortrages standen vor diesem Hintergrund
insbesondere die Aspekte „Bioökonomie und Biotechnologie für Souveränität
und Krisenvorsorge“ sowie „Resilienz von Wertschöpfungsketten“.
In insgesamt fünf thematischen Sessions wurden im Rahmen der zweitägigen
Jahrestagung zentrale Fragen wie die zukünftige Verfügbarkeit und der
strategische Einsatz biogener Kohlenstoffquellen, die Versorgung von
Industrie und Energiesystemen mit erneuerbarem Kohlenstoff, der Beitrag
von Biomasse in einem vollständig erneuerbaren Energiesystem, das
Potenzial biobasierter negativer Emissionen sowie die Stärkung regionaler
Wertschöpfungsnetze und Resilienz thematisiert und diskutiert. Das
Programm der diesjährigen Veranstaltung war stärker als in den Vorjahren
auf einen aktiven Diskurs zwischen den Teilnehmenden aus Wissenschaft,
Wirtschaft und Politik ausgelegt. Fachbeiträge, mehrere Diskussionsrunden,
eine umfangreiche Posterausstellung, Führungen, Firmenstände und
Networkingformate haben über zwei Konferenztage hinweg eine Vielzahl von
Möglichkeiten zum inhaltlichen Austausch, Diskussionen und Netzwerken
geboten.
Im Abschlusspanel „Biomasse 2045 – Kreisläufe schließen“ mit den
Beteiligten Christian Weiser (Balance Erneuerbare Energien GmbH), Johann
Meierhöfer (Deutscher Bauernverband), Jenny Stukenbrock (Cosun Beet
Company GmbH & Co. KG) und Prof. Dr. Michael Nelles (DBFZ/Universität
Rostock) wurde Pragmatismus gefordert und klare Wünsche formuliert: es
gebe zahlreiche zukunftsweisende Entwicklungen und Prozesse, jedoch fehle
an vielen Stellen noch immer Planungssicherheit und verlässliche
politische Rahmenbedingungen. Auch die nach wie vor hohe Bürokratie hemme
die Umsetzung innovativer Lösungen an vielen Stellen erheblich. Gemeinsame
und unbürokratische Lösungen zur Bewältigung der vielfältigen
Herausforderungen und Berücksichtigung neuer Entwicklungen seien dringend
notwendig, um zu mehr Resilienz, Ressourceneffizienz und Wertschöpfung zu
gelangen und das große Ziel der Klimaneutralität 2045 zu erreichen, so der
dringliche Appell der Panelisten aus Wissenschaft und Industrie.
„Die diesjährige Tagung hat erneut eindrücklich demonstriert, auf welch
hohem Niveau die praxisorientierte Biomasseforschung im Jahr 2026
stattfindet. Es wurden zahlreiche innovative und zukunftsweisende Ansätze
präsentiert, die nun konsequent gemeinsam mit der Wirtschaft
weiterverfolgt und umgesetzt werden sollten. Deutschland hat alle
notwendigen Voraussetzungen und Fähigkeiten, um in der zirkulären
Bioökonomie eine weltweit führende Rolle zu spielen. Jedoch werden wir uns
z. B. gegen die starke asiatische Konkurrenz nur dann durchsetzen können,
wenn wir Innovationen schneller in die Praxis bringen und hierzu unnötige
bürokratische Hemmnisse abbauen“, so Prof. Dr. Michael Nelles.
Die nächste Ausgabe der DBFZ-Jahrestagung wird im Jahr 2028 stattfinden,
ein Tagungsreader zur diesjährigen Veranstaltung wird in Kürze erarbeitet
und kostenfrei auf der DBFZ-Webseite zur Verfügung gestellt. Weitere
Informationen unter: www.dbfz.de/jahrestagung
