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Nach einem Sommer Forschung im eigenen Garten

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Wissenschaft findet längst nicht mehr nur im Labor statt. Immer häufiger
tragen auch Bürger*innen dazu bei, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Im
Citizen-Science-Projekt „Verborgene Vielfalt – Sichtbare Wirkung?“ haben
65 Freiwillige gemeinsam mit Forschenden der Universität Bielefeld rund
1.000 Datensätze gesammelt. Ein Meilenstein für das Projekt und ein
Beispiel dafür, wie Forschung gemeinsam mit der Gesellschaft gelingt.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:
•       65 Bürgerinnen und Bürger haben gemeinsam rund 1.000 Datensätze
für die Biodiversitätsforschung erhoben.
•       Das Citizen-Science-Projekt der Universität Bielefeld untersucht,
wie sich die chemische Vielfalt des Rainfarns auf Insekten auswirkt.
•       Die Datenerhebung endet Anfang September. Anschließend beginnen
die Laboranalysen und die wissenschaftliche Auswertung.

Ob eine wissenschaftliche Idee erfolgreich wird, entscheidet sich nicht
immer im Hörsaal oder im Labor. Manchmal beginnt sie zwischen Blumenbeeten
und Gartenzäunen. In den vergangenen Monaten haben Freiwillige gemeinsam
mit Forschenden der Universität Bielefeld Daten gesammelt. Sie
beobachteten Pflanzen, zählten Insekten, dokumentierten Veränderungen und
übermittelten ihre Beobachtungen regelmäßig an das Forschungsteam.

Mit rund 1.000 eingereichten Datensätzen erreicht das Citizen-Science-
Projekt „Verborgene Vielfalt – Sichtbare Wirkung?“ nun einen wichtigen
Meilenstein. Entwickelt wurde es in der von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsgruppe Chemodiversity
(FOR 3000), die an der Universität Bielefeld koordiniert wird. Ohne die
Mitarbeit der 65 Citizen Scientists wäre diese Datensammlung nicht möglich
gewesen.

„Die große Beteiligung zeigt, dass viele Menschen Wissenschaft nicht nur
verstehen, sondern aktiv mitgestalten möchten. Unsere Citizen Scientists
leisten einen echten Beitrag zur Forschung. Dafür sind wir sehr dankbar“,
sagt Studienleiterin Dr. Ruth Jakobs.

Große Forschung beginnt manchmal im eigenen Garten
Im Mittelpunkt des Projekts steht der Rainfarn – eine heimische
Wildpflanze, die sich durch ihre chemische Vielfalt auszeichnet. Damit
bezeichnen Biolog*innen die natürlichen Unterschiede in den Geruchs- und
Geschmacksstoffen einzelner Pflanzen. Diese Stoffe beeinflussen, welche
Bestäuber, Blattläuse oder andere Insekten eine Pflanze anlockt oder
fernhält. Unterscheiden sich Pflanzen der gleichen Art in ihrer chemischen
Vielfalt, können sie unterschiedlich attraktiv oder abschreckend auf
Insekten wirken.

Die chemische Vielfalt einer Pflanze hängt auch von den Umweltbedingungen
ab, unter denen die Pflanze wächst. Bislang ist kaum erforscht, ob es
Unterschiede in der Wirkung der Geruchs- und Geschmacksvielfalt von
Pflanzen auf die Insektenwelt in Abhängigkeit der jeweiligen
Umweltbedingungen gibt. Dafür braucht es Beobachtungen an vielen
verschiedenen Standorten. Die Teilnehmenden pflanzten in ihren Gärten drei
Rainfarn-Pflanzen mit unterschiedlichen chemischen Zusammensetzungen an.
Über mehrere Monate dokumentierten sie Blütenbesucher, Blattläuse,
Wachstum und Blütenentwicklung. Zusätzlich sammelten sie Blattproben für
die Laboranalyse.

Mehr als Datensammlung
Mit dem letzten gemeinsamen Beobachtungstag Anfang September endet die
Datenerhebung in den Gärten. Das Projekt geht jedoch weiter. In den
kommenden Monaten werten die Biolog*innen an der Universität die
Beobachtungen gemeinsam mit den Laborergebnissen aus. Ziel ist es
herauszufinden, wie Umweltbedingungen die chemische Vielfalt des Rainfarns
beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf Insekten und damit auf die
biologische Vielfalt hat.

Schon jetzt zeigt das Projekt, welchen Wert Citizen Science für die
Forschung besitzt. Viele ökologische Fragen lassen sich nur beantworten,
wenn Daten an zahlreichen Orten gleichzeitig erhoben werden. Parallel
eröffnet die Beteiligung von Bürger*innen einen neuen Zugang zur
Wissenschaft: Forschung wird transparenter, verständlicher und für viele
Menschen unmittelbar erlebbar.

Einschätzung von Professorin Dr. Caroline Müller (Biologin und Leiterin
der FOR 3000 Forschungsgruppe) zum Thema:
„Citizen Science erweitert nicht nur unsere wissenschaftlichen
Möglichkeiten. Sie schafft auch Vertrauen in Forschung, weil Menschen den
Erkenntnisprozess unmittelbar erleben und mitgestalten. Die rund 1.000
Datensätze zeigen, wie viel entstehen kann, wenn Menschen ihre Neugier,
ihre Zeit und ihr Wissen einbringen.“