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Was bedeutet Altern in Zeiten der Dauerkrise?

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Pandemien, Kriege, Wirtschaftskrisen, Klimawandel, soziale Ungleichheit,
Künstliche Intelligenz: Nie zuvor veränderte sich die Welt so schnell und
in so viele verschiedene Richtungen gleichzeitig wie heute. Während jede
Krise für sich genommen bereits Herausforderungen schafft, ist es vor
allem ihr Zusammenwirken, das unsere Gesellschaft verändert. Doch was
bedeutet diese permanente Unsicherheit für das Älterwerden? Und welche
Spuren hinterlassen solche gesellschaftlichen Umbrüche in unserer
körperlichen und psychischen Gesundheit? Wie beeinflussen sie unseren
Blick auf die Welt – auch Jahrzehnte nach ihrem ersten Auftreten?



Mit diesen bedeutenden Fragen beschäftigt sich der renommierte US-
amerikanische Gerontologe und Soziologe Prof. Dr. Richard A. Settersten
von der Oregon State University. Jetzt kommt er nach Deutschland. In
seiner Keynote auf dem gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen
Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für
Gerontologie und Geriatrie (DGGG) in Frankfurt am Main lädt er dazu ein,
Altern neu zu denken: nicht nur als biologischen Prozess, der sich
ausschließlich im Individuum vollzieht, sondern als Spiegel
gesellschaftlicher Entwicklungen. „Altern geschieht nie losgelöst von der
Welt, in der Menschen leben“, sagt er. „Geschichte prägt sich in
Biografien ein. Und Biografien schreiben Geschichte fort.“

Das Alter erzählt die Geschichte einer Gesellschaft

Die Gerontologie richtet den Blick traditionell auf das hohe Lebensalter.
Settersten erweitert diese Perspektive. Wer verstehen will, wie gesund,
belastbar oder verletzlich ältere Menschen sind, muss weit früher
ansetzen, ist der Amerikaner überzeugt. „Wir können das Alter nicht
verstehen, wenn wir nur alte Menschen betrachten. Wir müssen auch die
Lebenswelten der Jüngeren verstehen, denn dort entsteht das Alter von
morgen“, erklärt er. Neu sei die aktuelle Verdichtung von wirtschaftlicher
Unsicherheit, politischen Spannungen, technologischen Umbrüchen und
ökologischen Herausforderungen. „Die eigentliche Frage ist nicht nur, wie
Menschen diese Polykrise erleben. Die Frage ist, ob diese Generation
überhaupt noch genügend Zeit und Ressourcen hat, sich von einer Krise zu
erholen, bevor die nächste Krise beginnt“, so Settersten.

Warum Krisen ein Leben lang nachwirken

Welche Folgen historische Erfahrungen über Jahrzehnte hinweg haben können,
zeigen langfristige Bevölkerungsstudien. Gemeinsam mit Kollegen
untersuchte Settersten zum Beispiel die Lebensverläufe von Menschen im 20.
Jahrhundert. Die Ergebnisse machen deutlich: Gesellschaftliche Umbrüche
verschwinden nicht mit ihrem Ende. Sie hinterlassen körperlich, psychisch
und sozial Spuren. So horteten beispielsweise viele Menschen, die während
der Weltwirtschaftskrise aufwuchsen, selbst Jahrzehnte später Lebensmittel
oder vermieden jede Verschwendung, obwohl objektiv längst kein Mangel mehr
bestand. Es kommt also nicht auf das Ereignis selbst an, sondern auch auf
den Zeitpunkt im persönlichen Lebenslauf. „Eine Pandemie trifft einen
jungen Erwachsenen anders als einen hochbetagten Menschen mit chronischen
Erkrankungen oder Pflegeverantwortung. Ebenso wichtig sind die Reihenfolge
mehrerer Krisen und die Ressourcen, mit denen Menschen ihnen begegnen“,
schildert Settersten. Stabile Familien, soziale Netzwerke, finanzielle
Sicherheit oder gute Bildung könnten Belastungen abfedern.

Ziel: Biologische, medizinische und sozialwissenschaftliche Perspektiven
auf das Alter stärker verbinden

Statt Schwierigkeiten vorschnell individuellen Defiziten zuzuschreiben,
rückt Settersten stärker in den Blick, welche gesellschaftlichen
Veränderungen Menschen über Jahrzehnte hinweg erlebt haben und welche
Spuren diese Erfahrungen hinterlassen. Gesundheit ist deshalb immer auch
Ausdruck einer individuellen Lebensgeschichte in ihrer jeweiligen
historischen Zeit. Mit seiner Keynote wirbt Settersten dafür, biologische,
medizinische und sozialwissenschaftliche Perspektiven enger miteinander zu
verbinden. Nicht fertige Antworten stehen im Mittelpunkt, sondern neue
Fragen. Denn wer Altern verstehen will, muss nicht nur den Menschen
betrachten, sondern auch die Welt, in der er alt wird.

Keynote:
Prof. Richard A. Settersten
Aging in Times of Social Disruption
https://www.gerontologie-geriatrie-
kongress.org/programm/freitag/session/keynote-6.html

Gemeinsamer Jahreskongress von DGG und DGGG
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Campus Westend, Hörsaal 5
Freitag, 25. September 2026, 16.00 Uhr
https://www.gerontologie-geriatrie-kongress.org/

Über den Keynote Speaker:

Richard A. Settersten, Jr., PhD ist University Distinguished Professor für
Life Course and Human Development sowie Jo Anne Leonard Professor of
Healthy Aging Research an der Oregon State University. Der Soziologe und
Gerontologe zählt zu den international führenden Experten für die
Erforschung von Lebensverläufen, Altern und menschlicher Entwicklung.
Seine Forschung verbindet Jugend, Erwachsenenalter und Alter aus einer
interdisziplinären Perspektive und untersucht insbesondere Übergänge im
Lebenslauf sowie deren gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen.
Settersten war Mitglied des renommierten Forschungsnetzwerks der MacArthur
Foundation zu Übergängen ins Erwachsenenalter und hat zahlreiche
Standardwerke zur Lebensverlaufsforschung und Gerontologie veröffentlicht.
Seine Forschung wurde unter anderem von den National Institutes of Health
gefördert und fand Eingang in politische Entscheidungsprozesse in den USA.
Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt Settersten zahlreiche
internationale Auszeichnungen, darunter den Matilda White Riley
Distinguished Scholar Award der American Sociological Association sowie
2022 die Ehrendoktorwürde der Universität Lausanne. Seine Arbeiten
erscheinen regelmäßig in führenden Medien wie The Economist, The Atlantic,
The New York Times und der BBC.

Interviews und Hintergrundgespräche

Sie möchten mit Richard A. Settersten sprechen, suchen Expertise für ein
bestimmtes Thema oder möchten einzelne Veranstaltungen des
Gemeinschaftskongresses besuchen? Wir unterstützen Sie gerne bei der
Organisation von Interviews und Hintergrundgesprächen – vorab oder direkt
in Frankfurt.

Akkreditierung

Die Akkreditierung ist unkompliziert bei uns in der Pressestelle möglich.
Einfach eine E-Mail an Pressesprecherin Nina Meckel senden:
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Bei Fragen erreichen Sie uns unter 089-230 69 60 69.

Arten der Pressemitteilung:
Forschungs- / Wissenstransfer
Wissenschaftliche Tagungen

Sachgebiete:
Ernährung / Gesundheit / Pflege
Gesellschaft
Medizin

Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.dggeriatrie.de/presse/pressemeldungen/2636-pm-was-bedeutet-altern-in-zeiten-der-dauerkrise