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Wasserstress in Deutschland und Europa bleibt hoch

Räumliches Muster der Wasserspeicherung bzw. des Wasserdefizits im Juni über die vergangenen 25 Jahre.  Quelle: Eva Börgens, GFZ
Räumliches Muster der Wasserspeicherung bzw. des Wasserdefizits im Juni über die vergangenen 25 Jahre. Quelle: Eva Börgens, GFZ
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Die Auswertung von Satellitendaten der GRACE-Missionen zeigt seit 2015
zunehmend trockenere Bedingungen im Untergrund, das heißt, das
Wasserdefizit in Deutschland und Europa hat sich in den letzten Jahren
verschlimmert. Das zeigen die neuesten Daten der Satellitenmission GRACE
Follow-On, die das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung gemeinsam mit
der NASA und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreibt.



Das Wasserdefizit in Deutschland und Europa hat sich in den letzten Jahren
verschlimmert. Das zeigen die aktuellen Daten der Satellitenmission GRACE
Follow-On, die das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung gemeinsam mit
der NASA und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreibt.
Dieses Satellitenduo misst die Veränderungen des Gesamtwassergehalts (TWS
für Terrestrial Water Storage) auf und unter der Erdoberfläche. Daraus
lässt sich errechnen, wie stark sich die Wasserspeicherung verändert.

Für Deutschland zeigen die Zahlen einen weiterhin negativen Trend: „Seit
2015 sehen wir zunehmend trockenere Bedingungen in Deutschland als in den
15 Jahren davor“, sagt Prof. Annette Eicker, Leiterin der Sektion Globales
Geomonitoring und Schwerefeld am GFZ.

„Das überdurchschnittlich feuchte Jahr 2024 hatte zwar Erholung in der
Wasserspeicherung gebracht, aber danach folgte sofort wieder eine starke
Abnahme“, ergänzt Prof. Andreas Güntner, Arbeitsgruppenleiter in der
Sektion Hydrologie des GFZ. Die Daten von GRACE Follow-On bilden neben der
oberflächennahen Bodenfeuchte auch die Veränderungen im Grundwasser ab.
"Die Abnahme der Grundwasserspeicherung ist für den größten Teil des
langfristigen Rückgangs der Wasserspeicherung in Deutschland
verantwortlich", sagt Güntner.

Keine Erholung in Sicht
Dr. Eva Börgens aus der Sektion Erdsystemmodellierung des GFZ hat die
jüngsten Daten ausgewertet und fügt hinzu: „Im Sommer 2025 hatte es eine
Abnahme der Gesamtwasserspeicherung gegeben, die stärker war als je zuvor
von GRACE und GRACE Follow-On in einem Sommerhalbjahr beobachtet.“ Im Juni
2026 lag die Wasserspeicherung in Deutschland ungefähr auf demselben
Niveau wie 2025, das heißt, es fehlten im Vergleich zum langjährigen
Mittel 25 Gigatonnen (1 Gigatonne, kurz Gt, ist eine Milliarde Tonnen).
Zum Vergleich: Der ganze Bodensee enthält etwa 48 Gt Wasser.

Die Forschenden befürchten, dass sich der Wasserspeicher bis Ende des
Jahres nicht mehr erholen wird, selbst wenn im Herbst mehr Regen als
üblich fallen sollte.

Ein weiterer Grund zur Sorge: Die Daten bis Juni konnten den Hitzesommer
in Deutschland noch nicht abbilden. Die Folgen der Hitzewellen werden sich
erst in den Daten der nächsten Monate zeigen. Aufgrund der aufwändigen
Berechnungen, die zur Auswertung der Satellitenmessungen nötig sind,
werden diese Daten erst im Laufe des Herbstes vorliegen.

Hitze reduziert die Wasserspeicherung über mehrere Prozesse: Höhere
Temperaturen führen zu einer größeren direkten Verdunstung aus
Oberflächengewässern, hinzu kommt die Verdunstung der Pflanzen, die sich
mit steigenden Temperaturen tendenziell erhöht und dem Boden solange
Wasser entzieht, bis es für die Pflanzenwurzeln nicht mehr erreichbar ist.

Konsistentes Muster über die letzten 15 Jahre
Der Abgleich mit Niederschlagsdaten zeige, so Börgens, „dass wir keinen
langfristig negativen Trend in den Niederschlagsmengen sehen, jedoch eine
Zunahme der potentiellen Verdunstung auf Grund gestiegener
Lufttemperaturen, also der Wassermenge, die vom Erdboden in die Atmosphäre
transportiert werden kann“.

Die räumliche Auswertung der Satellitendaten über Deutschland weist über
die vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre ein konsistentes Muster auf:

Defizite der Wasserspeicherung sind im Juni 2026 vor allem im Süden,
Südwesten und Osten Deutschlands zu sehen, weniger starke Defizite gibt es
im Nordwesten im Umfeld der Nordsee
Seit 2015 wird die Häufung von Juni-Monaten mit geringerer
Wasserspeicherung im Vergleich zu den Jahren davor deutlich
Insgesamt sind die Defizite oftmals im Süden und Osten stärker

Methode und Einschränkungen
Die Satellitenmissionen GRACE (von 2002 bis 2017 im All) und GRACE-FO
(seit 2018 im All) liefern Daten seit 2002. Sie bestehen aus je zwei
Satelliten, die Änderungen in der Anziehungskraft  der Erde messen. Daraus
errechnen die Forschenden monatliche Karten der Massenverteilung der Erde,
deren Variation vor allem durch Änderungen der Wasserspeicherung
hervorgerufen werden.

Die räumliche Auflösung liegt bei etwa 250 mal 250 Kilometer, das heißt,
es können keine Aussagen für kleinräumigere Gebiete getroffen werden.
Vergleiche mit Grundwassermessstellen und Messungen der Anziehungskraft
mit Gravimetern am Boden sowie meteorologische Daten zeigen aber ein in
sich schlüssiges Bild. Die jüngsten Beobachtungen des Niedrigwassers des
Rheins im Südwesten Deutschlands haben das auf nachdrückliche Weise
bestätigt.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Eva Börgens https://www.gfz.de/staff/eva.boergens/sec13
Prof. Dr. Annette Eicker https://www.gfz.de/staff/annette.eicker/sec12
Prof. Dr. Andreas Güntner https://www.gfz.de/staff/andreas.guentner