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Studie betrachtet Schwerverletzte nach gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Stichwaffen

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In Deutschland gibt es in den letzten Jahren eine Zunahme Schwerverletzter
nach gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Stichwaffen. Auch wenn die
Zahlen steigen, bleibt der Anteil insgesamt gering: 1,26 Prozent der
Schwerverletzten werden derzeit nach Stichverletzungen infolge von
Gewaltdelikten in deutschen Traumazentren behandelt. Das zeigt eine 12
-Jahres-Analyse aus dem TraumaRegister DGU der Deutschen Gesellschaft für
Unfallchirurgie (DGU), die jetzt im Deutschen Ärzteblatt in der Ausgabe 17
publiziert wird.



„Die Versorgung von Stichverletzungen gehört heute deutlich häufiger zu
unserem Arbeitsalltag als noch vor zehn Jahren“, sagt Prof. Dr. Frank
Hildebrand, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und
Unfallchirurgie (DGOU) und DGU-Präsident.

Ziel dieser Arbeit ist es, die intensive öffentliche Diskussion über eine
vermeintliche Zunahme schwerer Körperverletzungen durch Messerangriffe mit
möglichst validen Zahlen sachlich zu stützen. Die Daten liefern keine
Informationen zum Täter- und Opferkreis und der Motivation zur
Durchführung der Straftat. Informationen zur Herkunft und zum sozialen
Status der Betroffenen werden ebenfalls nicht im Register erfasst.

Die Studie zeigt eine Zunahme von Schwerverletzten* bei gewalttätigen
Auseinandersetzungen mit Stichwaffen von 212 Fällen im Jahr 2013 auf 336
Fälle im Jahr 2024. Demnach hat diese Art der Verletzungen im
Beobachtungszeitraum von 12 Jahren insgesamt um 58,8 Prozent zugenommen.
Dazu wurden die Daten von 3.664 Stichverletzungen im Rahmen von mutmaßlich
gewalttätigen Auseinandersetzungen ausgewertet. Unter Stichwaffen zählen
beispielsweise Messer, Schraubenzieher oder Eispickel.

Die Autoren betonen, dass nur die wirklich schweren Fälle dokumentiert
werden. Aufgenommen werden ausschließlich Patientinnen und Patienten, die
in Lebensgefahr schweben oder auf einer Intensivstation behandelt werden
müssen. In der Fachsprache bedeutet das: Sie haben mindestens eine
Verletzung mit einem AIS-Wert gleich oder über 3, also eine schwere bis
lebensbedrohliche Verletzung. So sind nicht alle Verletzungen an Armen
oder Beinen erfasst, die zwar zu erheblichen Funktionseinschränkungen
führen können, aber nicht akut lebensbedrohlich sind.

Prof. Dr. Philipp Störmann, Erstautor der Studie sowie Mitglied der DGU-
Sektion Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung (NIS):
„Die in unserer Studie vorliegenden Zahlen zeigen den Anteil
Schwerverletzter nach einer Stichverletzung im Kontext einer mutmaßlichen
Gewalttat in Deutschland. Insgesamt machen diese Verletzungen einen sehr
geringen Anteil der Schwerverletztenversorgung aus, dennoch zeigen die
Zahlen dieser Arbeit in den letzten Jahren einen Anstieg der Fallzahl vor
allem in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte.“

Weitere Ergebnisse sind:

Die betroffenen Patienten unterscheiden sich demografisch deutlich vom
Durchschnitt aller Schwerverletzten: Sie sind im Mittel mit 31,1 Jahren
jünger und in 85,5 Prozent überwiegend männlich. Die Verletzungen
betreffen besonders oft den Körperstamm wie Brust und Bauchraum und
erfordern in 72 Prozent dringliche operative Maßnahmen, was auf die
häufige Verletzung lebenswichtiger Körperteile unter Umständen mit
relevanten Blutungen hinweist. Die hohe Rate von Notfall-Eingriffen
unterstreicht zudem die besonderen Anforderungen an die beteiligten,
interdisziplinären Traumateams. Trotz dieser interdisziplinären und
professionellen Versorgung versterben 8,2 Prozent nach gewaltsamer
Stichverletzung im Krankenhaus. Zudem werden regionale Unterschiede
erkennbar, sowohl hinsichtlich der geografischen Lage als auch der
Besiedlungsstruktur. Die Daten stammen aus über 600 deutschen Kliniken,
die sich am TraumaRegister DGU beteiligen.

Hintergrund:

Das TraumaRegister DGU® ist ein Instrument des TraumaNetzwerk DGU®, dessen
Ziel die Verbesserung der Schwerverletztenversorgung ist. Es ist eines der
größten Register seiner Art in der Welt. Die am TraumaNetzwerkDGU®
teilnehmenden Kliniken verpflichten sich, die Behandlungsdaten von
Unfallverletzten in das TraumaRegister DGU® einzupflegen. Anhand dieser
Daten werden Aussagen zur Versorgungsqualität ermöglicht und medizinische
Behandlungsmethoden auf ihre Effektivität hin untersucht.

Anmerkung:

* Ausgewertet wurden alle Patienten mit einer Mindestverletzungsschwere
gemäß der Abbreviated Injury Scale (AIS) ≥ 3, sowie Patienten mit einer
Mindestverletzungsschwere gemäß AIS = 2, die entweder verstorben sind oder
auf einer Intensivstation behandelt wurden.

Referenzen:

1) Stichverletzungen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen – eine
12-Jahresanalyse der Schwerverletzten aus dem TraumaRegister DGU®
https://www.aerzteblatt.de/archiv/stichverletzungen-bei-gewalttaetigen-
auseinandersetzungen-64a56429-c861-4ceb-8a73-da1fcb63c8a3