Primärversorgungssystem: DGfN fordert verbindliche Rahmenbedingungen für nierenkranke Menschen
Die Einführung eines Primärversorgungssystems in Deutschland darf die
Betreuung nierenkranker Menschen nicht verschlechtern, indem neue
Behandlungshürden entstehen. Daher muss die Früherkennung der chronischen
Nierenkrankheit (CKD) verbindlicher Bestandteil der medizinischen
Primärversorgung werden, fordert die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie
e.V. (DGfN) in einem aktuell veröffentlichten Impulspapier. Unterstützt
wird sie dabei vom Berufsverband der Nephrologinnen und Nephrologen (DN)
e. V. Gemeinsam sprechen sie sich für eine bedarfsgerechte Diagnostik und
Therapie aus. So ließe sich CKD bei Risikopatientinnen und -patienten
früher erkennen und konsequenter behandeln.
Auch die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe könnte verbessert und
unnötige Krankenhausaufenthalte vermieden werden. Grundlage dafür müssten
klare normative Vorgaben bei Einführung eines Primärversorgungssystems
sein.
Das Thema steht auch auf der Agenda der Online-Pressekonferenz zur 18.
Jahrestagung der DGfN am 6. Oktober 2026 von 11:00 bis 12:30 Uhr.
Die Pressemitteilung ist auch unter folgendem Link abrufbar:
https://www.dgfn.eu/pressemeld
rahmenbedingungen-fuer-nierenk
Mehr als 9 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer chronischen
Nierenkrankheit (CKD). Viele wissen nichts von ihrer Erkrankung, da sie
lange symptomlos verläuft und Früherkennungsuntersuchungen bislang nicht
ausreichend angeboten und genutzt werden. Rund 100 000 Patientinnen und
Patienten sind dialysepflichtig, etwa 7000 warten auf eine Spenderniere.
„Ein leistungsfähiges Primärversorgungssystem kann entscheidend dazu
beitragen, CKD früher zu erkennen und ihr Fortschreiten zu verlangsamen
oder sogar aufzuhalten“, sagt Professor Dr. med. Martin Kuhlmann,
Präsident der DGfN und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin –
Nephrologie am Vivantes Klinikum im Friedrichshain in Berlin. „Dies
beinhaltet, dass Menschen mit erhöhtem Risiko verlässlich identifiziert
und regelmäßig gescreent werden.“ Er fordert: „Eine klare Strategie muss
Früherkennung und fachgerechte Versorgung zusammenführen.“
Früherkennung verbindlich verankern
Menschen mit Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-
Erkrankungen haben ein erhöhtes CKD-Risiko und sollten jährlich untersucht
werden. Dies erfolgt durch eine Blutuntersuchung zur Bestimmung der
Nierenfunktion (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, eGFR) und durch
die Messung der Albuminausscheidung im Urin (UACR). „Diese beiden einfach
zu bestimmenden Parameter müssen verbindlich in die
Gesundheitsuntersuchungs-Richt
Management-Programme des Gemeinsamen Bundesausschusses sowie in weitere
Regelungen zur Primärversorgung aufgenommen werden“, so Kuhlmann. Die
Gesundheitsberufe benötigten zudem ausreichende Kompetenzen, um CKD sicher
zu diagnostizieren, leitliniengerecht zu behandeln und Betroffene
rechtzeitig an die Nephrologie zu überweisen.
Zugang zur Nephrologie sichern
DGfN und DN fordern strukturierte, digital unterstützte Versorgungspfade
zwischen hausärztlicher und nephrologischer Betreuung. Die
Primärversorgung dürfe keine zusätzliche Zugangshürde darstellen. Für
Menschen mit fortgeschrittener oder rasch fortschreitender
Nierenkrankheit, akuter Verschlechterung der Nierenfunktion oder anderen
schweren Befunden müsse ein direkter Zugang zur Nephrologie gewährleistet
sein. „Bei Dialysepatientinnen und -patienten, nierentransplantierten
Menschen sowie bei komplexen oder weit fortgeschrittenen Nierenkrankheiten
übernehmen Nephrologinnen und Nephrologen bereits heute koordinierende
Aufgaben im Sinne eines Primärarztes“, betont Kuhlmann. „Diese
koordinierende Funktion muss auch weiterhin ausdrücklich möglich sein. Das
vermeidet Doppelstrukturen und stärkt die Kontinuität der Versorgung.“
Digitale und regionale Vernetzung ausbauen
Die Fachgesellschaft fordert zudem, dass die elektronische Patientenakte,
gemeinsame Medikationspläne und sichere Kommunikationswege flächendeckend
genutzt werden müssten. Regionale Netzwerke und tele-medizinische Angebote
könnten den Zugang zu nephrologischer Expertise insbesondere im ländlichen
Raum verbessern.
