Ukraine Support Tracker: Europa führt bei Hilfe – US-Waffen bleiben entscheidend
Europa hat seine Hilfszuweisungen an die Ukraine im Mai und Juni 2026
deutlich ausgeweitet. Treiber war der neu eingeführte Ukraine Support
Loan, über den die europäischen Institutionen in den beiden Monaten fast
11 Mrd. EUR zuwiesen. Insgesamt fiel die finanzielle und humanitäre
Unterstützung jedoch deutlich unter Vorjahresniveau. Zugleich blieb Europa
bei der militärischen Hilfe in erheblichem Umfang auf Waffen aus den
Vereinigten Staaten angewiesen. Das zeigt das jüngste Update des Ukraine
Support Trackers, das Hilfszuweisungen bis einschließlich Juni 2026
erfasst.
Von den rund 11 Mrd. EUR, die die europäischen Institutionen in den
vergangenen zwei Monaten zuwiesen, entfielen 4,3 Mrd. EUR auf militärische
Hilfe und 6,7 Mrd. EUR auf finanzielle und humanitäre Hilfe. Sie wurden
größtenteils über den neu eingeführten Ukraine Support Loan
bereitgestellt. Dieses EU-Darlehen in Höhe von 90 Mrd. EUR soll den
Haushalts- und Verteidigungsbedarf der Ukraine in den Jahren 2026 und 2027
decken.
Auch darüber hinaus kam der Großteil neu zugewiesener Hilfen von
europäischen Gebern: Deutschland wies 700 Mio. EUR Militärhilfen zu,
Dänemark 600 Mio. EUR und die Niederlande 500 Mio. EUR. Bei der
finanziellen und humanitären Hilfe wies das Vereinigte Königreich unter
den bilateralen Gebern mit rund 1,5 Mrd. EUR den größten Betrag zu,
gefolgt von Schweden mit 360 Mio. EUR und Norwegen mit 140 Mio. EUR.
Finanzielle und humanitäre Hilfe bleibt unter Vorjahresniveau
Während das Volumen der militärischen Hilfszuweisungen im ersten Halbjahr
2026 damit nahezu das Niveau des Vorjahres erreichte, blieb die
finanzielle und humanitäre Unterstützung deutlich zurück. Der monatliche
Durchschnitt lag hier 41 Prozent unter dem Niveau von 2025.
„Die rasche Einführung des Ukraine Support Loan ist ein positives Signal
für die Ukraine“, sagt Taro Nishikawa, Projektleiter des Ukraine Support
Tracker. „Von den für 2026 geplanten 16,7 Mrd. EUR an finanzieller
Unterstützung werden die Hälfte als Mikrofinanzhilfe und die andere Hälfte
über die Ukraine Facility nach Umsetzung der vereinbarten Reformschritte
zugewiesen. Diese Schritte voranzutreiben, wird daher entscheidend sein,
damit die Mittel wie vorgesehen vollständig zugewiesen werden können.“
US-Waffen bleiben wesentlicher Pfeiler der europäischen Militärhilfe
Europa bleibt der größte Geber militärischer Hilfe, während US-Waffen
weiterhin eine zentrale Rolle für die europäische Unterstützung der
Ukraine spielen. Im ersten Halbjahr 2026 nahm der US-Anteil an der
europäischen Militärhilfe weiter zu, sowohl bei Beschaffungen über US-
Rüstungsunternehmen als auch bei Lieferungen aus bestehenden US-
Militärbeständen, was den wachsenden Bedarf Kyjiws an bestimmten US-
Verteidigungssystemen verdeutlicht.
Europäische Geber beschafften von Januar bis Juni 2026 Militärhilfe im
Wert von mindestens 3 Mrd. EUR bei US-Rüstungsunternehmen. Das entspricht
rund 30 Prozent der über die Rüstungsindustrie bereitgestellten
europäischen Militärhilfe. Im Rahmen der NATO-PURL-Initiative spielten US-
Militärbestände eine besonders wichtige Rolle: Mehr als 90 Prozent der
über diesen Mechanismus bereitgestellten Militärhilfe stammte aus US-
Beständen.
„Europa ist weiterhin auf den Zugang zu US-Waffensystemen angewiesen, um
die militärische Unterstützung der Ukraine aufrechtzuerhalten“, sagt
Federico Mellace, leitender Analyst des Ukraine Support Trackers. „Die
Vereinigten Staaten bleiben ein wichtiger Lieferant von Systemen wie
Patriot, für die es in Europa zurzeit nur begrenzte Alternativen gibt.
Langfristig wird entscheidend sein, ob Europa zuverlässige Alternativen zu
zentralen US-Verteidigungssystemen entwickeln und produzieren kann, um
diese Abhängigkeit schrittweise zu verringern.“
Über den Ukraine Support Tracker
Der Ukraine Support Tracker erfasst und quantifiziert militärische,
finanzielle und humanitäre Hilfen, die der Ukraine seit dem 24. Januar
2022 (aktuell bis Juni 2026) zugesagt wurden. Berücksichtigt sind 40
Länder, spezifisch die EU-Staaten, die weiteren Mitglieder der G7,
Australien, Südkorea, Norwegen, Neuseeland, die Schweiz, die Türkei,
China, Taiwan und Indien. Erfasst sind Zusagen, die Regierungen dieser
Länder der ukrainischen Regierung gemacht haben; Hilfszusagen der EU-
Kommission und der Europäischen Investitionsbank sind separat aufgeführt;
private Spenden oder solche internationaler Organisationen wie des IWF
sind in der Hauptdatenbank nicht enthalten. Ebenso nicht mitgezählt sind
Hilfen an Nachbarländer der Ukraine wie Moldawien oder andere Länder –
etwa für die Aufnahme von Geflüchteten.
Datenquellen sind Bekanntgaben offizieller Regierungsstellen und Berichte
internationaler Medien. In Sachmitteln geleistete Hilfe wie zum Beispiel
Medizingüter, Lebensmittel oder militärisches Gerät werden anhand von
Marktpreisen oder Angaben aus früheren Hilfskampagnen geschätzt. In
Zweifelsfällen werden die höheren verfügbaren Werte angesetzt.
Der Ukraine Support Tracker wird laufend erweitert, korrigiert und
verbessert. Anregungen dazu sind sehr willkommen und können gerne an
Mehr Informationen und die kompletten Daten finden Sie auf der Webseite:
https://www.kielinstitut.de/de
support-tracker/
Mehr zur Methodik des Ukraine Support Trackers steht in einem vertiefenden
Kiel Working Paper: https://www.kielinstitut.de/de
ukraine-support-tracker-which-
