"Wissenschaftliche Partnerschaften über Kontinente hinweg"
Gastwissenschaftlerin Dr.-Ing. Latifatu Mohammed aus Ghana arbeitet mit
der Hochschule Stralsund an Bausteinen der globalen Energiewende.
„Ich bin überzeugt, dass wissenschaftliche Partnerschaften über Kontinente
hinweg entscheidend sind, um globale Herausforderungen zu bewältigen.“ –
Das sagt Dr.-Ing. Latifatu Mohammed. Die Ingenieurwissenschaftlerin aus
Ghana ist seit Mai und noch bis in den August 2026 als
Gastwissenschaftlerin am Institut für Regenerative Energiesysteme (IRES)
der Hochschule Stralsund tätig. Sie kam über das TWAS-DFG Cooperation
Visits Programme vom CSIR–Institute of Industrial Research in Accra, Ghana
an die HOST. Ihre Ziele? – Viele, darunter auch die wachsende
Zusammenarbeit zwischen Ghana und Deutschland im Bereich erneuerbare
Energien und die nachhaltige industrielle Entwicklung.
„Während meiner Kindheit in Ghana habe ich erlebt, wie sich der
eingeschränkte Zugang zu einer zuverlässigen und sauberen
Energieversorgung auf Bildung, Gesundheitswesen, industrielle
Produktivität und die Lebensgrundlagen der Menschen auswirkt. Das hat mich
dazu inspiriert, Ingenieurwissenschaften und nachhaltige Energieforschung
zu verfolgen.“ Am CSIR-Institute leitet Latifatu Mohammed als Senior
Research Scientist die Abteilung für nachhaltige Energietechnologien.
Darüber hinaus ist sie als Adjunct Lecturer am Africa Centre of Excellence
in Future Energies and Electrochemical Systems (ACE-FUELS) der Federal
University of Technology Owerri in Nigeria tätig.
„Meine Arbeit verbindet Forschung, Innovation, Lehre, Projektentwicklung
und den Aufbau wissenschaftlicher Kompetenzen in den Bereichen erneuerbare
Energien, Wasserstofftechnologien, Batteriesysteme, nachhaltige
Industriesysteme und Kreislaufwirtschaft.“ Damit ist sie ihrem
Kindheitsplan nachgekommen. Mittlerweile hat Latifatu Mohammed selbst
Kinder, Daniella und Zephaniah. Von ihnen weg zu sein, ist nicht leicht,
auch wenn ihr Mann und ihre Mutter sich liebevoll kümmern würden. Aber
ihre Kinder sind auch ihr Motor: „Sie erinnern mich jeden Tag daran, dass
unsere heutige Arbeit die Welt gestaltet, die sie morgen erben werden.
Als Mutter und Ingenieurin möchte ich, dass meine Kinder mit der
Überzeugung aufwachsen, dass Wissenschaft, Technik und
Führungsverantwortung allen Menschen offenstehen – unabhängig vom
Geschlecht. Ich hoffe, dass mein eigener Weg zeigt, dass Frauen Familie,
wissenschaftliche Forschung und internationale Zusammenarbeit erfolgreich
miteinander verbinden können.“
Während ihres Aufenthalts an der Hochschule Stralsund hat sie an
Laborforschung, der Entwicklung von Forschungsanträgen, Seminaren,
Unternehmensbesuchen sowie an Gesprächen über zukünftige Programme zum
Kapazitätsaufbau und gemeinsamen Postgraduiertenprogramme teilgenommen.
Bereits während ihres Aufenthalts hat Dr. Mohammed einen eindrucksvollen
Impuls für die internationale Zusammenarbeit gesetzt: Gemeinsam mit der
Hochschule Stralsund organisierte sie das virtuelle Fachseminar „Green
Hydrogen Pathways: Ghana–Germany Collaboration for Sustainable Industrial
Development", das am 19. Juni stattfand.
64 Teilnehmende aus 31 Organisationen – darunter Forschungseinrichtungen,
Industrie, Politik und Entwicklungspartner aus Ghana, Deutschland und
weiteren Ländern – diskutierten Potenziale und Wege für eine nachhaltige
Wasserstoffwirtschaft in Ghana sowie konkrete Möglichkeiten der deutsch-
ghanaischen Zusammenarbeit.
Prof. Dr. Johannes Gulden, der Leiter des Instituts für Regenerative
Energiesysteme der Hochschule Stralsund, hielt den Hauptvortrag zu
aktuellen globalen Wasserstoffentwicklungen, der deutschen
Wasserstoffstrategie und Kooperationschancen mit Ghana. Rektor Prof. Dr.
Ralph Sonntag betonte das Engagement der Hochschule Stralsund für
internationale Forschungspartnerschaften als Beitrag zur globalen
Energiewende.
Das Seminar mündete in ersten Ideen für gemeinsame Pilotprojekte zu grünem
Wasserstoff, grünem Ammoniak und grünem Methanol und unterstrich das große
Interesse aller Beteiligten an einer langfristigen Zusammenarbeit. Ein
Meilenstein für Dr. Mohammend. „Mein Ziel ist es, bezahlbare und an die
lokalen Gegebenheiten angepasste Technologien zu entwickeln, die Afrikas
Energiewende unterstützen und gleichzeitig zu den globalen Klimazielen
beitragen. Besonders interessiert mich die Verbindung erneuerbarer
Energien mit Wasserstofftechnologien, modernen Batteriesystemen und
Brennstoffzellen, um widerstandsfähige Energiesysteme für Industrie,
Landwirtschaft, Verkehr und ländliche Regionen zu schaffen. Durch
internationale Zusammenarbeit möchte ich zum Technologietransfer, zum
Kapazitätsaufbau und zur Ausbildung der nächsten Generation von
Fachkräften im Energiebereich beitragen.“
Sie sieht viele Möglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit mit der
Hochschule Stralsund. "Bereits während meines Aufenthalts haben wir
mehrere Bereiche für eine langfristige Zusammenarbeit identifiziert. Dazu
gehören gemeinsame Forschung zu grünem Wasserstoff,
Brennstoffzellensystemen, der Integration erneuerbarer Energien,
Biomasseumwandlung, Power-to-X-Technologien, modernen Batteriesystemen
sowie der Dekarbonisierung industrieller Prozesse. Außerdem diskutieren
wir den Aufbau eines Lehrlabors für erneuerbare Energien und grünen
Wasserstoff am CSIR-IIR, das Studierenden, Auszubildenden, Technikerinnen
und Technikern sowie Fachkräften aus der Industrie praktische
Ausbildungsmöglichkeiten bieten soll. Darüber hinaus sehen wir gemeinsame
Master- und Promotionsprogramme, die gemeinsame Betreuung von
Studierenden, den Austausch von Forschenden und Studierenden, Summer
Schools, die Entwicklung gemeinsamer Forschungsanträge sowie Kooperationen
im Rahmen von Förderprogrammen wie DFG, GIZ, Horizon Europe und weiteren
internationalen Programmen. Für Ghana und Deutschland bietet diese
Partnerschaft die Chance, die wissenschaftliche Zusammenarbeit zu
vertiefen, qualifizierte Fachkräfte auszubilden, den Technologietransfer
zu beschleunigen und die weltweite Energiewende sowie eine nachhaltige
industrielle Entwicklung in beiden Ländern zu unterstützen."
