IAMO Forum 2026: Neueste Methoden für globale Herausforderungen in der Agrarökonomie

Das Forum stand unter dem Titel „Cultivating Methodological Fields,
Harvesting Real-World Solutions: Advanced Methods in Agricultural
Economics”. Auf der dreitägigen Konferenz diskutierten über 200
Teilnehmende aus 34 Ländern über neue Forschungsmethoden der Agrarökonomie
und deren Beitrag zur Bewältigung aktueller Herausforderungen,
insbesondere in Transformationsökonomien. Die Veranstaltung fand vom 17.
bis 19. Juni 2026 in Halle (Saale) statt.
IAMO-Direktor Thomas Glauben eröffnete das IAMO Forum 2026. In seiner Rede
betonte er die Bedeutung wissenschaftlicher Forschung für die Bewältigung
gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen und hob hervor, dass
wissenschaftliche Erkenntnisse durch Transparenz, kritischen Diskurs und
den Austausch mit Praxis und Politik gestärkt werden. Als zentrale
Voraussetzungen für eine wirkungsorientierte Forschung nannte er
wissenschaftliche Sorgfalt, die Zusammenarbeit verschiedener Akteure sowie
die Offenheit für unterschiedliche Perspektiven bei gleichzeitiger Wahrung
wissenschaftlicher Unabhängigkeit. Zudem unterstrich er die Bedeutung
internationaler wissenschaftlicher Kooperationen und innovativer
Forschungsmethoden, um belastbare Erkenntnisse für die Lösung globaler
Herausforderungen in Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und
Nachhaltigkeit zu gewinnen.
Forschungsansätze zu Märkten, Handel und Konsum
Die Plenarsitzung am ersten Konferenztag beleuchtete innovative
methodische Ansätze zur Untersuchung von Märkten, Handelsstrukturen und
Konsumentscheidungen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Thomas
Heckelei von der Universität Bonn gab in seinem Vortrag einen Überblick
über aktuelle methodische Entwicklungen und deren Bedeutung für die
agrarökonomische Forschung. Carola Grebitus, Arizona State University,
USA, ging in ihrem Vortrag auf die Perspektiven und Herausforderungen von
Datenerhebungsmethoden für die Analyse der Lebensmittelauswahl von
Verbrauchern und Verbraucherinnen ein. Gopinath Munisamy von der
University of Georgia, USA, präsentierte Handelsnetzwerkmodelle zur
Analyse der Struktur und Dynamik landwirtschaftlicher Handelsbeziehungen
vor dem Hintergrund geopolitischer Aspekte. Mindy Mallory, Purdue
University, USA, stellte ein auf maschinellem Lernen basierendes
Rahmenkonzept zur Untersuchung komplexer räumlicher und vertikaler
Preisbeziehungen vor, die mit herkömmlichen ökonometrischen Ansätzen nicht
erfasst werden können.
Am Nachmittag fand eine Sondersitzung mit den Experten Gopinath Munisamy,
University of Georgia, USA, Ian Sheldon, Ohio State University, USA, und
dem Moderator Thomas Heckelei, von der Universität Bonn statt. In der
Diskussion ging es um aktuelle Fragen zu Geökonomie, internationalem
Agrarhandel und der Welthandelsorganisation (WTO).
Neue Methoden für Klima, Umwelt und Ernährung
Am zweiten Tag widmete sich die Plenarsitzung modernen Methoden zur
Untersuchung von Ernährungssicherheit, wirtschaftlicher Entwicklung,
Klimawandel und Umweltfragen. Dabei zeigte Kathy Baylis von der University
of California, USA, wie neuronale Netzwerke eingesetzt werden können, um
die Auswirkungen von Schutzmaßnahmen auf die Entwaldung im Amazonasgebiet
zu analysieren. Jan Börner, Universität Bonn, beleuchtete die
Zusammenhänge zwischen geopolitischen Entwicklungen und
Landnutzungsänderungen sowie den daraus resultierenden Forschungsbedarfe.
Lukas Cechura von der Czech University of Life Sciences Prague,
Tschechien, stellte einen methodischen Ansatz zur Bewertung von
Produktionsprozessen vor und präsentierte Erkenntnisse zur Reduktion von
Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln in der europäischen Landwirtschaft.
Yanjun Ren, Northwest A&F University, China, untersuchte anhand von
Online-Einkaufs- und Blickbewegungsexperimenten die Wirksamkeit
verschiedener Nährwertkennzeichnungen bei der Förderung gesünderer
Lebensmittelentscheidungen.
Die Abendveranstaltung bot Einblicke in die vielfältigen Karrierewege
ehemaliger IAMO-Mitarbeitenden innerhalb und außerhalb der Wissenschaft.
In informeller Atmosphäre tauschten die Alumni ihre Erfahrungen,
beruflichen Entscheidungen und persönlichen Erkenntnisse mit den
Teilnehmenden aus und regten zum Dialog über Karriereperspektiven an.
Agrarökonomische Forschung für Politik und Praxis
Den Abschluss des IAMO Forum 2026 bildete am dritten Konferenztag eine
Podiumsdiskussion mit Expertinnen und Experten internationaler
Forschungseinrichtungen, Universitäten, der FAO und der Weltbank, die von
Jens-Peter Loy, Christian-Albrechts-Universitä
Im Mittelpunkt standen Erfahrungen und Strategien zur erfolgreichen
Überführung agrarökonomischer Forschungsergebnisse in Politik und Praxis
sowie die besonderen Herausforderungen und Chancen in
Transformationsökonomien.
Das IAMO Forum 2026 wurde in Zusammenarbeit mit der Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dem Institut für
Lebensmittel- und Ressourcenökonomie der Universität Bonn (ILR) und der
International School of Economics an der TSU (ISET) organisiert. Die
Konferenz wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem
Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Land Sachsen-Anhalt
finanziell gefördert.
Weitere Informationen finden Sie auf der Konferenzwebseite:
http://www.iamo.de/forum/2026.
Im nächsten Jahr findet das IAMO Forum vom 16. bis 18. Juni 2027 zum Thema
„Controversies, Conflicts, and Social Divides in Agri-Food
Transformations” in Halle (Saale) statt.
Über das IAMO
Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien
(IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft
sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich
von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-,
Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet
dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen,
strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es
die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor
sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung
werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik
abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das
IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft
an.
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)
Theodor-Lieser-Straße 2
06120 Halle (Saale)
http://www.iamo.de
