Neue Umfrage zeigt große Skepsis in Deutschland gegenüber Iran-Krieg
Die deutsche Bevölkerung blickt mit Skepsis, Distanz
und wachsender Sorge auf den Krieg zwischen den USA, Israel und Iran. Eine
aktuelle Online-Befragung des German Institute for Global and Area Studies
(GIGA) im Rahmen der Studie „Menschen in Deutschland: International
(MiDInt)“ zeigt: Klare Mehrheiten halten den militärischen Angriff für
völkerrechtswidrig, erwarten einen langwierigen Konflikt und lehnen eine
militärische Beteiligung Deutschlands, einschließlich der Entsendung der
Bundesmarine in die Straße von Hormus, mehrheitlich ab.
Laut der Ende März 2026 durchgeführten Umfrage unter 2.492 Personen
bewerten 71 Prozent der Befragten den Angriff der USA und Israels auf Iran
als ungerechtfertigt und als Verstoß gegen das Völkerrecht. Nur 28 Prozent
sehen darin eine legitime präventive Maßnahme und ein ebenso niedriger
Anteil [RE1.1]erwartet eine Demokratisierung in Iran infolge des Krieges.
Zugleich gehen 77 Prozent davon aus, dass der Krieg Monate oder sogar
Jahre andauern wird.
Für Deutschland selbst sehen viele Menschen vor allem negative Folgen. Die
größten Sorgen gelten wirtschaftlichen Auswirkungen: 76 Prozent fürchten
steigende Inflation und 65 Prozent höhere Benzinpreise, 70 Prozent
erwarten nachhaltige Störungen des Welthandels. Sicherheitsbedenken – etwa
die Sorge vor Anschlägen in Deutschland – sind zwar vorhanden, stehen
jedoch hinter wirtschaftlichen Ängsten zurück.
Entsprechend klar fällt die Haltung zur außenpolitischen Rolle
Deutschlands aus. Eine deutliche Mehrheit spricht sich gegen eine
militärische Beteiligung aus, etwa gegen einen Einsatz der Bundesmarine in
der Straße von Hormus (61 Prozent) oder militärische Unterstützung anderer
Staaten in der Region (68 Prozent). Gleichzeitig finden nicht-militärische
Maßnahmen eine breite Zustimmung: 69 Prozent befürworten eine Verurteilung
des Angriffs durch den UN-Sicherheitsrat und ebenso viele unterstützen
einen vollständigen Stopp von Waffenlieferungen in den Nahen Osten.
Die Ergebnisse zeigen insgesamt eine starke Präferenz der deutschen
Bevölkerung für Zurückhaltung, Diplomatie und die Stärkung des
Völkerrechts. Die ausführliche Auswertung finden Sie in der aktuellen
Ausgabe des GIGA Focus Nahost "Skepsis, Distanz und Sorge: Wahrnehmungen
des Iran-Kriegs in Deutschland" (https://www.giga-
hamburg.de/de/publikationen/gi
wahrnehmungen-des-iran-kriegs-
Zur Studie:
Die Analyse basiert auf Daten der 19. Welle der Studie „Menschen in
Deutschland: International“ (MiDInt). Die Online-Befragung fand vom 24.
bis 31. März 2026 statt und ist Teil des Forschungsprojekts
„Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung“ (MOTRA / Phase
II), das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
(BMFTR) finanziert wird.
Das German Institute for Global and Area Studies (GIGA) / Leibniz-Institut
für Globale und Regionale Studien, https://www.giga-hamburg.de/de
Das GIGA beteiligt sich am MOTRA-Verbund mit Analysen zum Einfluss von
internationalen Ereignissen und Entwicklungen auf politisch-extremistische
Einstellungen innerhalb der in Deutschland lebenden Bevölkerung. Das in
Hamburg ansässige Institut untersucht politische, wirtschaftliche und
soziale Entwicklungen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten
sowie globale Fragen. Die Forschenden pflegen einen regelmäßigen
Wissensaustausch mit politischen Entscheidungsträger:innen,
Praktiker:innen sowie der interessierten Öffentlichkeit.
