Die Autobahn als Projektarbeit: Studierende der Hochschule Biberach analysieren A8-Albaufstieg
Der neue A8 Albaufstieg ist das größte Autobahn Infrastrukturprojekt in
Baden Württemberg. Auf 7,6 Kilometern erstellt die Autobahn GmbH
Niederlassung Südwest eine neue Trasse mit zwei Tunnel und zwei
Talbrücken, jeweils mit durchgängig drei Fahrstreifen und Standstreifen.
Mit der übergeordneten Planung bis hin zur kleinteiligen Organisation des
Projekts hat sich die Hochschule Biberach im vergangenen Wintersemester im
Studiengang Bau-Projektmanagement beschäftigt.
Auftrag an die Studierenden
in Zusammenarbeit mit dem Autobahn-Team: den geplanten Bauablauf der
Spezialisten zu durchdringen, ihn digital abzubilden und Varianten
durchzuspielen.
Der neue A8 Albaufstieg ist das größte Autobahn Infrastrukturprojekt in
Baden Württemberg. Auf 7,6 Kilometern erstellt die Autobahn GmbH
Niederlassung Südwest eine neue Trasse mit zwei Tunnel und zwei
Talbrücken, jeweils mit durchgängig drei Fahrstreifen und Standstreifen.
Damit die zahlreichen Großbauwerke gemeinsam und punktgenau zur
Verkehrsfreigabe 2034 abgeschlossen sind, ist ein hochgradig verzahnter
Bauablauf mit durchgängiger Logistikplanung erforderlich. Bereits zu
Beginn der Maßnahme müssen sämtliche Abhängigkeiten bis zum Abschluss
mitgedacht werden. Bauarbeiten müssen parallel laufen oder in exakter
Abfolge ineinandergreifen.
Die Herausforderungen zeigen sich oft im Detail. Ein Beispiel: das beim
Tunnelbau anfallende Ausbruchmaterial, das in räumlicher Nähe
wiederverwendet werden wird. Lassen sich Tunnelvortrieb, Materialtransport
und Einbauflächen synchron takten? Oder stehen Abhängigkeiten zu weiteren
Baumaßnahmen dem entgegen? Ist dann eine Zwischenlagerung erforderlich –
wenn ja, wo und wie lange? Wie werden die Transportwege organisiert, ohne
zusätzliche Belastungen zu verursachen?
Mit der übergeordneten Planung bis hin zur kleinteiligen Organisation des
Projekts hat sich die Hochschule Biberach im vergangenen Wintersemester im
Studiengang Bau-Projektmanagement beschäftigt. Auftrag an die Studierenden
in Zusammenarbeit mit dem Autobahn-Team: den geplanten Bauablauf der
Spezialisten zu durchdringen, ihn digital abzubilden und Varianten
durchzuspielen. Betreut von Prof. Dr. Christof Gipperich sollten sie dabei
nicht nur die Herausforderungen des Großprojekts verstehen, sondern
mögliche Optimierungen durch alternative Abläufe entwickeln. „Die größte
Herausforderung war, ein Bauprojekt dieser Komplexität und mit langer
Bauzeit bis 2034 in kurzer Zeit zu überblicken und zu verstehen“,
schildert Paul Schwendemann, studentischer Projektleiter.
Vom Gesetzestext zum digitalen Bauablauf
Am Anfang stand kein Bagger, sondern Papier: der
Planfeststellungsbeschluss. Hunderte Seiten voller Vorgaben,
Umweltauflagen und technischer Details. „Wir mussten das Projekt erst
einmal lesen lernen“, sagt Schwendemann. Parallel begann ein Teil des
Teams damit, die reale Welt digital nachzubauen. Mit der 3D-Software
Blender modellierten die Studierenden die Topografie der Schwäbischen Alb
sowie die einzelnen Bauteile der Ingenieurbauwerke – Brückenelemente,
Tunnelabschnitte, Schüttungen.
Der entscheidende Schritt folgte mit der Verknüpfung dieser Modelle mit
dem Bauzeitenplan in der Software dProb. Erst dadurch konnten die
Studierenden wirklich sehen, wie alles zusammenhängt. „Die Simulation hat
es uns ermöglicht, uns in kürzester Zeit in das Projekt hineinzudenken,“
erklärt das Team. So entstand ein dynamisches Gesamtbild: ein Bauablauf,
der sich Schritt für Schritt nachvollziehen ließ – inklusive aller
Abhängigkeiten. Die Aufgabe der Studierenden endete nicht bei der Analyse.
Aufbauend auf der Simulation entwickelten sie eigene Varianten und
verglichen diese.
Arbeiten wie ein Ingenieurbüro
Organisiert wie ein kleines Planungsbüro arbeiteten die angehenden
Projektmanagerinnen und Projektmanager in Expertengruppen – etwa für
dProb, Blender, Logistik oder einzelne Bauwerke – und blieben dennoch eng
verzahnt, um den Gesamtüberblick zu behalten.
Ihre Ergebnisse präsentierten die Studierenden zunächst an der Hochschule
Biberach – und anschließend direkt bei ihrem Auftraggeber im Baubüro der
Autobahn GmbH Niederlassung Südwest in Merklingen. „Wir haben große
Unterstützung bekommen, und unsere Vorschläge wurden ernsthaft geprüft“,
freut sich Schwendemann. „Diese Wertschätzung hat gezeigt, dass unsere
Arbeit reale Relevanz hat.“
Auch auf Seiten des Auftraggebers stieß das Projekt auf positive Resonanz.
„Die Zusammenarbeit mit der Hochschule Biberach war sehr spannend. Der
Blick von außen, die computergestützte 3D Darstellung des Bauablaufs sowie
die darauf aufbauenden Analysen und Variantenvorschläge waren eine
wertvolle Diskussionsgrundlage für die weiteren Planungen“, sagt Ulrike
Conle, Abteilungsleiterin Albaufstieg Bau der Autobahn GmbH Niederlassung
Südwest. „Der Austausch mit den Studierenden hat auch unserem Team andere
Perspektiven eröffnet.“
Lernen an der Realität
Für die Studierenden blieb vor allem eines: ein realistischer Einblick in
die Möglichkeiten und Grenzen großer Infrastrukturprojekte. „Wir haben
gesehen, wie stark Umweltvorgaben, Nebenbestimmungen und Zusagen im
Planfeststellungsbeschluss den Spielraum beeinflussen“, fasst das
Projektteam zusammen.
