GKV-Gesetz: Fachgesellschaften warnen vor Rückschritten bei der Früherkennung von Nierenkrankheit
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN) und die Deutsche
Diabetes Gesellschaft (DDG) sprechen sich für ein gezieltes,
systematisches Screening auf chronische Nierenkrankheit (CKD) bei
Risikopatientinnen und -patienten aus. Dazu zählen insbesondere Menschen
mit Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie, kardiovaskulären
Erkrankungen, Adipositas, familiärer Vorgeschichte sowie nach akutem
Nierenversagen. Anlass ist der Referentenentwurf des
Bundesgesundheitsministeriums (BMG) für ein GKV-
Beitragssatzstabilisierungsges
Er sieht im Rahmen eines Sparpakets vor, Leistungen stärker auf ihren
Nutzen zu prüfen und stellt unter anderem die Urinuntersuchung im
Gesundheits-Check-up infrage. Am 29. April soll sich das Bundeskabinett
mit dem Entwurf befassen.
Pressemeldung online: https://www.dgfn.eu/pressemeld
/beitragssatzstabilisierungsge
nierenkrankheit-staerken.html
Früherkennung: medizinisch geboten und wirtschaftlich sinnvoll
In Deutschland sind schätzungsweise rund 10 Prozent der erwachsenen
Bevölkerung von der chronischen Nierenkrankheit (CKD) betroffen – viele,
ohne es zu wissen. Die Zahl der Erkrankten steigt kontinuierlich. Treiber
dieser Entwicklung sind vor allem die Alterung der Bevölkerung sowie die
zunehmende Verbreitung von Diabetes mellitus und Adipositas sowie
klimabedingte Faktoren, etwa Hitze und Feinstaubbelastung (1). Die CKD
verläuft in frühen Stadien meist ohne Symptome und bleibt daher häufig
lange unentdeckt. Gleichzeitig tritt sie häufig im Zusammenhang mit
Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-
Erkrankungen auf. Eine frühzeitige Testung ermöglicht es, die Erkrankung
rechtzeitig zu erkennen und ihr Fortschreiten durch geeignete Therapien
etwa mit SGLT2-Hemmern zu verlangsamen oder sogar zu stoppen. Damit lassen
sich auch schwere Folgeerkrankungen sowie kostenintensive Therapien wie
Dialyse oder Nierentransplantation vermeiden oder hinauszögern. „Die CKD
wird leider oft erst spät diagnostiziert – dann sind die
Behandlungsmöglichkeiten jedoch begrenzt und Schäden lassen sich nicht
mehr rückgängig machen“, erklärt Professor Dr. med. Martin Kuhlmann,
Präsident der DGfN.
Definierte Zielgruppen für ein risikobasiertes Screening
DGfN und DDG sprechen sich daher für ein gezieltes, evidenzbasiertes
Screening insbesondere bei Risikogruppen aus, wie es auch internationale
Leitlinien empfehlen. Dies sollte die Bestimmung der Albumin-Kreatinin-
Ratio im Urin (UACR) in Kombination mit der geschätzten glomerulären
Filtrationsrate im Blut (eGFR) enthalten. „Menschen mit Diabetes haben ein
besonders hohes Risiko für eine CKD. Eine konsequente Früherkennung
ermöglicht es, Komplikationen zu vermeiden und den Krankheitsverlauf
frühzeitig positiv zu beeinflussen“, sagt Professor Dr. med. Baptist
Gallwitz, Sprecher der DDG.
Kritik an pauschaler Bewertung von Urinuntersuchungen
Die Fachgesellschaften warnen, dass eine pauschale Infragestellung von
Urinuntersuchungen zentrale Möglichkeiten der Früherkennung gefährdet. Die
Finanzkommission Gesundheit kritisiert in ihrem Bericht vom 30.03.2026
nicht die Urinuntersuchung an sich als ungeeignete Früherkennungsmaßnahme,
sondern ausdrücklich die anlasslose Anwendung eines unspezifischen
Harnstreifentests auf Eiweiß, Glucose, Erythrozyten, Leukozyten und
Nitrit. „Dieser Unterschied ist zentral und muss in der Gesetzesbegründung
korrekt dargestellt werden“, betont Kuhlmann.
Die DGfN weist seit Jahren darauf hin, dass die bislang im Check-up oft
eingesetzten Teststicks wenig sensitiv sind und daher eine CKD häufig
nicht zuverlässig erkennen. Entscheidend für eine wirksame Früherkennung
ist die Kombination aus UACR und eGFR. „Beide Verfahren sind
evidenzbasiert, praxistauglich und können auch durch geschulte, nicht-
ärztliche Gesundheitsfachkräfte durchgeführt werden“, so Kuhlmann.
Fazit: Prävention stärken statt Leistungen kürzen
DGfN und DDG unterstützen grundsätzlich das Ziel, die GKV-Finanzen zu
stabilisieren. Gleichzeitig mahnen sie an, dass Einsparmaßnahmen nicht
zulasten einer evidenzbasierten und bedarfsgerechten Versorgung gehen
dürfen.
Ein strukturiertes, risikobasiertes Screening auf CKD sei medizinisch
notwendig, wirtschaftlich sinnvoll und ein wichtiger Baustein für eine
nachhaltige Stabilisierung des Gesundheitssystems. „Gerade durch
Prävention und Früherkennung lassen sich langfristig Leistungen
einsparen“, so Kuhlmann. Er betont: „Ein solidarisches Gesundheitssystem
muss seine Leistungen letztlich am medizinisch erforderlichen
Versorgungsbedarf der Bevölkerung ausrichten. Dabei darf es nicht primär
um kurzfristige Einsparziele gehen.“
Mehr Informationen dazu finden Sie in der Stellungnahme der DGfN zum
Gesetzesentwurf:
https://www.dgfn.eu/stellungna
beitragssatzstabilisierungsges
