Zum Hauptinhalt springen

Entwicklung geophysikalischer Messmethoden: Forschungsteam führt Messungen mit Drohnen im Landkreis Stade durch

Pin It

Ab dem 27. April 2026 führt ein Forschungsteam geophysikalische Messflüge
mit einem Multicopter in der Samtgemeinde Harsefeld im Landkreis Stade
durch. Die Messungen sind Teil des Forschungsvorhabens GeoMetEr, das durch
das LIAG-Institut für Angewandte Geophysik und die Technische Universität
Bergakademie Freiberg geleitet wird.

Die Messungen sollen Daten aus
vorherigen Hubschraubermessflügen und seismischen Erkundungen ergänzen
sowie drohnengeophysikalische Messverfahren erproben. Die
Bundesgesellschaft für Endlagerung fördert die Forschung zur Entwicklung
von Erkundungsmethoden für Endlagerstandorte. GeoMetEr-Messgebiete kommen
als Endlagerstandorte nicht in Betracht.

Eine Forschungsregion des Projektes ist die Samtgemeinde Harsefeld. Hier
ist die hochaufgelöste Abbildung des Deckgebirges über dem Salzstock
Harsefeld für die Wissenschaft interessant. Das Forschungsteam begann
bereits Mitte März 2025 mit der Durchführung von geophysikalischen
Messungen mit Vibrationsfahrzeugen – sogenannten seismischen Messungen –
zwischen Harsefeld und Klein Hollenbeck. Es ergänzte diese mit
hochauflösenden seismischen und hubschraubergestützten Messungen von
Oktober bis November 2025. Das GeoMetEr-Team erprobt nun kostengünstige
und umweltfreundliche drohnengeophysikalische Systeme, deren Effizienz und
Eignung für die wissenschaftliche Fragestellung getestet werden soll.

Drohnen-Messflüge nördlich von Hollenbeck und bei Klein Hollenbeck

Die geplanten Messflüge werden durch die Universität Münster durchgeführt
und decken die seismisch erkundete Fläche nördlich von Hollenbeck
vollständig ab. Sie sollen in Kombination mit den seismischen
Strukturbildern des Untergrundes zusätzliche Informationen über den
Tongehalt und die Salzkonzentration im Grundwasser liefern. Diese Aussagen
lassen sich, nach geeigneter Kalibrierung, aus Bildern der elektrischen
Leitfähigkeitsverteilung treffen. Die geophysikalischen Messungen helfen
somit, die geologischen Strukturen im Untergrund hinsichtlich ihrer
Materialeigenschaften zu charakterisieren.

Das Messprinzip ist analog zu den bereits durchgeführten
Hubschraubermessungen und wird auf einer kleineren Skala durchgeführt:
Dabei schleppt eine Drohne, ein sogenannter Multicopter, einen
miniaturisierten Sensor über das Untersuchungsgebiet und erfasst die
Signale, die mit einem elektrischen Dipolsender erzeugt werden. Der Sender
speist dabei über ein Kabel an geerdeten Endpunkten Wechselstrom in den
Boden ein. Diese Transmitterauslagen werden durch Kabelkanäle markiert.
Ein entsprechender Abstand zu den abgesperrten Erdungspunkten muss
eingehalten werden.

Herausforderung Infrastruktur im Untergrund: Forschende versuchen Signale
zu trennen

Die Erkundung des Untergrundes mit den hubschrauber- oder
drohnengestützten elektromagnetischen Induktionsverfahren wird durch
metallische Infrastrukturen wie zum Beispiel über- oder unterirdische
Stromleitungen oder unterirdische Rohrleitungen erheblich erschwert. Auch
wenn die Datenqualität der Hubschraubermessungen von den Forschenden als
sehr gut eingeschätzt wird, ist die Auswertung noch in vollem Gang: Die
Methoden zur effektiven Trennung von Infrastruktureffekten und
geologischen Signalen sollen in dem Projekt gezielt noch weiter erforscht
werden. Für den späteren Einsatz der Verfahren zur Standorterkundung
leisten das Forschungsprojekt GeoMetEr und die Untersuchungen in Harsefeld
daher einen wichtigen Beitrag.
Zur Verifizierung der Messergebnisse ist für Anfang 2027 eine
Forschungsbohrung geplant.

Förderung der Forschung durch die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE)

Das Vorhaben GeoMetEr wird durch die BGE gefördert. Sie finanziert in
Vorbereitung auf zukünftige Standorterkundungen verschiedene
Forschungsprojekte, unter anderem, um zukünftig verbesserte Abbilder des
Untergrundes erhalten zu können. Die Forschungsregionen, in denen GeoMetEr
durchgeführt wird, sind aufgrund der im Standortauswahlgesetz festgelegten
Ausschlusskriterien aus der Endlagersuche ausgeschieden und werden im
weiteren Verfahren nicht berücksichtigt. Von der BGE wurde das Messgebiet
oberhalb des Salzstockes Harsefeld im Landkreis Stade wegen des
Ausschlusskriteriums „Bergbauliche Tätigkeit“ aus dem
Standortauswahlverfahren ausgeschlossen. Eine weitere Forschungsregion ist
die Region Langenweißbach im Landkreis Zwickau. Auch diese Region ist von
der Endlagerung ausgeschlossen. Dort ist der Grund auf die Störungszone
Roter Kamm zurückzuführen.

Projektpartner im Forschungsvorhaben GeoMetEr:

•       LIAG-Institut für Angewandte Geophysik (wissenschaftliche Leitung)
•       Technische Universität Bergakademie Freiberg (administrative
Leitung)
•       Universität Münster
•       Leibniz-Institut für Photonische Technologien
•       DMT GmbH & Co. KG
•       Terratec geophysical services GmbH & Co. KG
•       Supracon AG
•       Solexperts AG
•       Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe