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Krebse knacken statt Krabben pulen

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Mit dem Ausbau von Offshore-Windparks in der Nordsee gehen traditionelle
Fanggebiete für die Fischerei verloren. Gleichzeitig entstehen neue
Lebensräume, etwa für Krebse, die sich am Fuß der Anlagen ansiedeln. Wie
die Küstenfischerei künftig davon profitieren könnte, untersuchen
Forschende des Thünen-Instituts.

Bremerhaven (20. April 2026). Die sinkende Zahl an Fanggebieten in der
Nordsee stellt die deutsche Küstenfischerei vor Herausforderungen.
Offshore-Windparks oder neue Naturschutzgebiete entstehen auch dort, wo
die Fischer traditionell ihre Fänge eingeholt haben. Zugleich entstehen am
Fuße der Windkraftanlagen neue Lebensräume: Krebsarten wie Taschenkrebse
oder Hummer siedeln sich in den stabilisierenden Steinschüttungen an.
Forschende des Thünen-Instituts für Seefischerei untersuchen nun, ob das
künftig der Küstenfischerei zugutekommen kann. „Windparks könnten an
einigen Orten einen positiven Beitrag zu einer passiven Fischerei mit
Krebsfallen liefern, eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige
Alternative für die Krabbenfischerei bieten“, sagt Projektleiterin Vanessa
Stelzenmüller.

Ziel des neuen Forschungsprojekts ist es, die Bestände und Lebensräume von
Taschenkrebs und Hummer besser zu erfassen und Hauptfanggebiete in der
südlichen Nordsee zu identifizieren. Dafür arbeiten die Forschenden eng
mit Fischerinnen und Fischern vor Ort zusammen. Neben standardisierten
Erhebungen auf See und der Auswertung von Langzeitbeobachtungen nutzen sie
auch Satellitendaten, um internationale Fischereiaktivitäten zu
analysieren.

Parallel dazu prüft das Forschungsteam, ob und unter welchen Bedingungen
eine passive Fischerei für Betriebe lohnenswert sein kann. „Wir
untersuchen, welche Kosten, Erlöse und Arbeitszeiten die Betriebe erwarten
und wo die Produkte in Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Tourismus
abgesetzt werden können – und zu welchem Preis“, sagt Thünen-
Wissenschaftlerin Stelzenmüller. Ein besonderes Augenmerk liege dabei auf
der regionalen Wertschöpfung und auf Anreizen zu mehr Nachhaltigkeit.
Finanziert wird das Projekt vom Land Niedersachsen, das dafür rund 594.500
Euro aus dem Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds sowie
knapp 254.800 Euro an Landesmitteln bereitstellt.

Die Ergebnisse werden den Interessenvertreter*innen im Frühsommer 2028 in
einem Workshop vorgestellt und als Bericht am Ende des Projektes
vorgelegt.