Interprofessionelles Lernen auf der Stroke Unit – Uniklinikum Dresden etabliert neues Lernmodell
Interprofessionelle Ausbildungsstation als Pilotprojekt in der Klinik für
Neurologie gestartet. Wissenschaftliche Begleitung und Einbindung der
Teilnehmenden ermöglicht Verstetigung in anderen Bereichen des Klinikums.
Teilnehmende lernen interprofessionelles Zusammenarbeiten und übernehmen
Verantwortung.
Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden setzt auf moderne
Formate für Aus- und Weiterbildung. Im Frühjahr ist erstmals das Format
der interprofessionellen Ausbildungsstation (IPSTA) in einer Pilotphase
erprobt worden.
Studierende und Auszubildende verschiedener Gesundheitsberufe übernehmen
dabei eigenständig die Patientenbetreuung sowie das komplette Management
von Diagnostik und Therapie für die ihnen anvertrauten Patientinnen und
Patienten auf einer Station. „In der Ausbildung junger Menschen für
unterschiedliche Berufe spüren wir immer wieder den Wunsch, die Praxis so
früh wie möglich kennenzulernen und das theoretische Wissen umzusetzen.
Dem kommen wir nach und setzen deshalb auf moderne Ausbildungsformate. Das
ist unser Anspruch als moderner Arbeitgeber“, sagt Prof. Uwe Platzbecker,
Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden.
Zwei Pflegeauszubildende, zwei Medizinstudierende, zwei Patientenzimmer.
Und immer dabei: Eine ärztliche und pflegerische Lernbegleitung. In einer
hochschulmedizinischen Kooperation zwischen der Klinik und Poliklinik für
Neurologie am Universitätsklinikum Dresden und des Instituts für Didaktik
und Lehrforschung in der Medizin an der TU Dresden ist im Frühjahr 2026 im
Rahmen einer Pilotphase das Projekt einer interprofessionellen
Ausbildungsstation (IPSTA) gestartet.
Diese Art von modernen
Ausbildungsformaten gewinnen zunehmend an Bedeutung. Eine wichtige Rolle
spielten als Initiatoren in der ersten Phase deshalb auch die
Verantwortlichen aus der Abteilung Praxistransfer am Uniklinikum.
Gemeinsam konnten Konzeption, Koordination und wissenschaftliche
Begleitung auf der Station Stroke Unit in den Praxisbetrieb übertragen und
optimiert werden.
Erste Modelle einer interprofessionellen Ausbildungsstation sind Ende der
1990er-Jahre in Skandinavien entstanden. Studierende und Auszubildende
verschiedener Gesundheitsberufe übernehmen dabei eigenständig die
Patientenbetreuung sowie das komplette Management von Diagnostik und
Therapie für die ihnen anvertrauten Patientinnen und Patienten.
Unterstützt und begleitet werden sie im Hintergrund von einem
interprofessionellen Team aus Medizin, Pflege und Praxisanleitung. Durch
die enge Zusammenarbeit, kurze Abstimmungswege und eine gezielte
Aufgabenverteilung wächst das gegenseitige Verständnis füreinander. So
lernen die Teilnehmenden gemeinsam mit-, von- und übereinander – mit dem
Ziel, die Patientinnen und Patienten bestmöglich zu versorgen und
interprofessionelle Kompetenzen zu stärken. „Die unmittelbaren Einblicke
in den Stationsalltag machen dieses Lernformat so wertvoll. Zuhören,
voneinander lernen und ein nachhaltiges gegenseitiges Verständnis zwischen
ärztlichem Dienst und Pflege entwickeln – das sind zentrale Erfolge dieser
Pilotphase, die wir positiv aufgenommen haben“, sagt Steffi Luczak-Streck,
Teamleiterin der zentralen Praxisanleitung am Universitätsklinikum.
Vanessa, Richard, Claudia, Elena und Franz haben beim Pilotprojekt
ausprobiert, wie das funktioniert: Die zwei Medizinstudierenden im
Praktischen Jahr und die drei Pflegeauszubildenden im dritten Lehrjahr
waren auf der Stroke Unit (NEU-SU) eingesetzt. Alle nehmen ganz
persönliche Einblicke in die Aufgaben und Herausforderungen der jeweils
anderen Berufsgruppe mit: „Die Arbeit im Team hat mir die Sorge genommen,
auf die Ärztinnen und Ärzte zuzugehen und Fragen zu stellen“, sagt die
Auszubildende Claudia. „Aus einer anfänglichen Überforderung ist mein
Selbstbewusstsein im Verlauf des Projektes gewachsen. Die Möglichkeit
langsam in eine solche Verantwortung hineinzuwachsen hat mir dabei sehr
geholfen“, zieht Medizinstudentin Vanessa ein persönliches Resümee. „Ich
hatte zu Beginn großen Respekt davor hier selbständig agieren zu müssen.
Man ist halt von Anfang an mittendrin statt nur dabei. Eigene
Entscheidungen zu treffen und diese im Team zu verantworten, war eine
prägende Erfahrung“, sagt Medizinstudent Richard. „Zu sehen, wie schnell
wir als Team zusammengewachsen sind, zeigt mir, welchen Mehrwert das für
unseren zukünftigen Arbeitsalltag hat. Der Austausch – auch bei kleineren
Fragen – gibt Sicherheit und ein gutes Gefühl“, sagt Pflegeazubi Franz.
Die Stroke Unit der Klinik und Poliklinik für Neurologie soll künftig
regelmäßig als interdisziplinäre Ausbildungsstation genutzt werden. „Die
Resonanz unter den Auszubildenden und Medizinstudierenden ist
bemerkenswert. Das Projekt hat bereits während der zweiwöchigen Laufzeit
große Aufmerksamkeit erregt. Gerade in einem hochspezialisierten Bereich
wie der Stroke Unit ist es entscheidend, komplexe Abläufe unter
Realbedingungen gemeinsam im Team zu meistern“, erklärt Prof. Timo
Siepmann, der das Projekt gemeinsam mit Stationsarzt Dr. Martin Arndt
ärztlich geleitet hat“. „Mit IPSTA schaffen wir Rahmenbedingungen, die
interdisziplinäres Lernen ermöglichen. Es geht um Selbstständigkeit,
fachlichen Austausch und vor allem um realistische Situationen des
späteren Berufsalltags. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, mit einem
sicheren Background eigene Grenzen auszuloten und schrittweise
Verantwortung zu übernehmen“, sagt Corinna Jork, pflegerische Leitung des
Projekts.
Während der Pilotphase haben alle Beteiligten ihre Erfahrungen
dokumentiert und Learnings in täglichen Reflexionsrunden ausgetauscht.
Ergänzend haben Mitarbeitende aus dem Institut für Didaktik und
Lehrforschung in der Medizin an der TU Dresden die IPSTA begleitet. Das
Fazit fällt positiv aus: „Solche Projekte sind besonders erfolgreich, wenn
die Motivation der Teilnehmenden hoch ist. Es steht und fällt mit den
Teams und hier haben wir auf allen Ebenen ein großes Engagement erlebt.
Diese Erfahrungen sind auch für uns und die Weiterentwicklung unserer
Lehrkonzepte für das Universitätsklinikum äußerst wertvoll“, sagt
Direktorin Prof. Marjo Wijnen-Meijer.
