One Health: Warnsignale früher erkennen
Globale Herausforderungen in Sachen Gesundheit lassen sich nur
interdisziplinär bewältigen – mit einer ganzheitlichen Betrachtung und in
enger Abstimmung zwischen Wissenschaft und Politik. Am 15. April hatte der
DLR Projektträger führende Fachleute eingeladen, um darüber zu
diskutieren, wie sich der „One Health“-Ansatz wirkungsvoll umsetzen lässt.
„One World, One Health – eine Welt, eine Gesundheit“ – so lautete der
Titel der dritten Veranstaltung des DLR Projektträgers zu dringenden
Zukunftsthemen. Am 15. April 2026 kamen rund 120 Vertreterinnen und
Vertreter aus Wissenschaft und Medizin, Bundes- und Landesministerien,
Verwaltung und Medien in Berlin zusammen, um über die Umsetzung des „One
Health“-Ansatzes zu diskutieren.
One Health gewinnt national wie international an Bedeutung. Denn immer
deutlicher wird: Die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt sollte
ganzheitlich betrachtet werden, um Krisen vorzubeugen und sie zu
bewältigen. Für die Forschungsförderung bedeutet dies: Die einzelnen
wissenschaftlichen Disziplinen, die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen
Fachbereichen – darunter Humanmedizin, Veterinärmedizin,
Umweltwissenschaft und Landwirtschaft – sowie der Transfer in Politik und
Praxis sollten gestärkt werden.
„Ein One-Health-Problem sind antimikrobielle Resistenzen“, erklärte Prof.
Katharina Schaufler vom Helmholz-Institut für One Health in Greifswald in
ihrer Keynote: „Resistente Erreger zirkulieren zwischen Mensch, Tier und
Umwelt, wobei Umweltreservoire eine wichtige Rolle für ihre Verbreitung
spielen.“ Effektive Gegenmaßnahmen gegen diese „stille Pandemie“ erfordern
laut Schaufler „ein integriertes, sektorübergreifendes Vorgehen“.
Dr. Ulrike Bußhoff, Abteilungsleiterin Internationale Gesundheitsforschung
im DLR Projektträger, stellte Fördermaßnahmen des Bundesministeriums für
Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) zum Thema One Health vor und
skizzierte vier mögliche Zukunftsthemen:
- Daten zu Mensch, Tier und Umwelt zusammenbringen und damit besser
„beforschbar“ machen
- nichtübertragbare Erkrankungen ganzheitlich betrachten
- Umwelt- und Klimaforschung stärker auch in die Gesundheitsforschung
einbeziehen
- Synergien der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt nutzen
Kernstück der Veranstaltung war eine hochrangig besetzte Podiumsdiskussion
mit Dr. Henning Gädeke (BMFTR), Dr. Sigrid Weiland (Europäische
Kommission), Prof. Simone Sommer (Universität Ulm) und Prof. Fabian
Leendertz (Helmholz-Institut für One Health). Einig war sich das Panel,
dass der „One Health“-Ansatz auf allen Ebenen der Politik und Praxis noch
wirkungsvoller kommuniziert werden müsse.
Laut Henning Gädeke muss das breite und komplexe Thema verständlich und
praxisbezogen dargestellt werden, um Entscheidungsträger zu erreichen und
zu überzeugen. Fabian Leendertz verwies in diesem Zusammenhang auf die vom
DLR Projektträger betreute One Health Platform. Diese sei eine vielfältig
genutzte Möglichkeit, den Ansatz bekannter zu machen und den Austausch zu
fördern.
Sigrid Weiland hob hervor, dass deutlich werden müsse, dass sich
Investitionen in „One Health“ aus politischer Sicht lohnen, weil durch
präventive Maßnahmen erhebliche Folgekosten vermieden werden – etwa im
Falle einer Pandemie.
Als Beispiel für frühe Warnsignale für eine kippende Gesundheit von Tier
und Mensch führte Simone Sommer Veränderungen im Darmmikrobiom von
Wildtieren an. Solche Erkenntnisse eröffnen neue Chancen für rechtzeitige
Prävention.
Für Klaus Uckel, den Vorsitzenden der Geschäftsleitung des DLR
Projektträgers, war das Event in Berlin „ein gelungenes Forum, um Wissen
zu vernetzen, voneinander zu lernen und miteinander zu handeln.“ Er ist
gespannt auf den weiteren Austausch zum Thema One Health zwischen
Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit.
