Zum Hauptinhalt springen

Den menschlichen Faktor in der Energiewende stärken

Pin It

Gerade in der Energieplanung und im Energiemanagement werden
Projektmanager*innen mit einer Vielzahl von komplexen Herausforderungen
konfrontiert. An der Europa-Universität Flensburg können sich Studierende
im Masterstudiengang Sustainable Energy in der Vertiefung Development im
Rahmen von Praxisprojekten auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten.
Vor allem bekommen sie mit dem Lernansatz des “Empathy-Based Learning” ein
besseres Verständnis für die Bedürfnisse der Nutzenden.

Die Lehrenden setzen schon seit längerem auf Ansätze des „Problem-Based
Learning“ und des „Community-Engaged Learning“. Das bedeutet: Die
Studierenden erhalten die Möglichkeit zum Beispiel in Orten oder
Dorfgemeinschaften an realen Energieplanungs- und Energiemanagement-
Problemen zu arbeiten. Dabei geht es darum, dass sie die gelernte Theorie
in echten Settings einsetzen können. Im Rahmen der Projekte werden
üblicherweise Energiepläne, Investitionsempfehlungen oder
Machbarkeitsstudien für ländliche Gemeinden entwickelt.

„Wir haben gemerkt, dass unsere Studierenden tolle Lösungen entwickelt
haben, aber teilweise die Menschen vor Ort nicht vollständig im Prozess
mitnehmen konnten“, erklärt Prof. Dr. Bernd Möller, Studiengangsleiter der
Vertiefung Development im Masterstudiengang Sustainable Energy. Bei der
Durchführung der Seminare entstanden technisch-ökonomisch optimale
Lösungen, die örtlichen Communities wurden dabei jedoch verstärkt zum
Forschungsobjekt. So entstand eine gewisse Distanz. „Wir haben
festgestellt: Für eine Lösung, die die Menschen in den örtlichen
Gemeinschaften mitnimmt und ihre konkreten Sorgen, Nöte und Bedürfnisse
mit einbezieht, brauchen wir einen Lernansatz, der auf gegenseitigem
Verständnis basiert.“, beschreibt Prof. Dr. Bernd Möller.

„Empathy-Based Learning“ als Möglichkeit für ein besseres Verständnis
Der von den Lehrenden gewählte Ansatz wird sonst in der Ausbildung von
Pflege- und Gesundheitsfachkräften genutzt und nennt sich „Empathy-Based
Learning“. Im Rahmen eines Dreischritts reflektieren die Studierenden
zunächst ihren eigenen Umgang mit Energie. In einem zweiten Schritt kommen
sie in ihrem Projekt vor Ort mit den Menschen ins Gespräch. Dabei geht es
darum die Bedürfnisse, Herausforderungen und Sorgen der Personen
aufzunehmen. Die Studierenden erhalten einen tieferen Einblick, was die
Energienutzenden brauchen und welche Themen hemmend wirken.

Im dritten Schritt werden dann vorgeschlagene technische Lösungen anhand
der Bedürfnisse und Hemmnisse evaluiert und gegebenenfalls angepasst. So
entstehen Energiepläne, die nicht nur technisch passend sind, sondern auch
die Menschen vor Ort empathischer mitnehmen. Dies kann die Akzeptanz der
Energiewende nachhaltig verbessern.

Projekt in Irland bietet Raum zum Ausprobieren
In der irischen Region Erris im County Mayo erhielten 14 Studierende des
Masterprogramms die Möglichkeit die lokale Energieplanung auf den
Prüfstand zu stellen. Durch den neuen Ansatz wurden die erstellten
Lösungen passgenauer für die Menschen vor Ort. In verschiedenen Workshops
gab es für die Community die Möglichkeit ihre Bedürfnisse und Sorgen
einzubringen. Basierend auf den eingebrachten Perspektiven wurde dann die
Planung überarbeitet. Dadurch entstand unter anderem der Plan das lokale
Schwimmbad deutlich energieeffizienter und damit kostengünstiger
wiederzueröffnen.

Wichtiger Schritt, um eine gerechte Energiewende zu gestalten
„In unserem Projekt habe ich gelernt, dass es eine gute Balance braucht
zwischen den Perspektiven, die aus der Gemeinschaft vor Ort kommen und den
Überlegungen der technischen Expert*innen“, erklärt eine Studierende des
Masterprogramms Sustainable Energy in der Vertiefung Development und
beschreibt damit einen wichtigen Aspekt in der Ausbildung derjenigen, die
zukünftig die Energiewende mitgestalten. „Wir brauchen Botschafter*innen
für nachhaltige Energiesysteme, die nicht nur technisches und ökonomisches
Wissen haben, um die Energiewende mitzugestalten, sondern auch die
sozialen Kompetenzen, um Menschen und Communities mitzunehmen. Das ist ein
wichtiger Faktor, um eine gerechte Energiewende möglich zu machen.“,
erklärt Prof. Dr. Bernd Möller.