Colloquium Fundamentale: „Mit erhobenem Zeigefinger? Wenn Moral den Diskurs bestimmt“
Mit den Chancen und den Risiken von Moralisierungen in öffentlichen
Auseinandersetzungen beschäftigt sich das Colloquium Fundamentale des
Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) im Sommersemester 2026. Die
Computerlinguistin Dr. Maria Becker eröffnet die Vortragsreihe am
Donnerstag, 23. April 2026, um 18:00 Uhr im InformatiKOM am Campus Süd des
KIT mit dem Vortrag „Kann man Moralisierung messen? KI-gestützte Analysen
öffentlicher Debatten“. Das Studium Generale. Forum Wissenschaft und
Gesellschaft (FORUM) des KIT richtet die Veranstaltung aus. Der Eintritt
ist frei.
Klimawandel, Migration, Geschlechtergerechtigkeit, Meinungsfreiheit:
Öffentliche Debatten sind heute oft moralisch aufgeladen. Schnell steht
der Vorwurf im Raum, Diskussionen seien „moralisiert“, Argumente würden
durch Haltungen ersetzt und andere Meinungen durch moralische Urteile
ausgegrenzt werden. Fronten können sich dadurch verhärten, was den offenen
Austausch von Argumenten erschwert. Zugleich ist es oft moralische
Empörung, die gesellschaftliche Missstände sichtbar macht und
Veränderungen anstößt – etwa im Kampf gegen Diskriminierung,
Machtmissbrauch oder soziale Ungleichheit.
Wo liegen die Grenzen zwischen engagierter Kritik und moralischem Druck?
Wann ist Moral notwendig – und wann wird sie zum Problem? Expertinnen und
Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen gehen diesen und weiteren
Fragen in der Vortragsreihe nach. Im Mittelpunkt steht dabei, wie
moralische Bewertungen öffentliche Diskussionen prägen, welche Folgen sie
für Rede- und Wissenschaftsfreiheit haben und unter welchen Bedingungen
sie zu konstruktiver Kritik oder zu einer problematischen Verengung des
Diskurses führen.
Die Veranstaltungsreihe findet an den unten genannten Terminen jeweils um
18:00 Uhr im InformatiKOM am KIT-Campus Süd, Adenauerring 12, Gebäude
50.19, 76131 Karlsruhe, statt. (cmel)
Programm
Donnerstag, 23. April 2026: Kann man Moralisierung messen? KI-gestützte
Analysen öffentlicher Debatten
Dr. Maria Becker, Germanistisches Seminar, Universität Heidelberg
Donnerstag, 07. Mai 2026: Moral und Moralismus in öffentlichen Debatten:
ein moralphilosophischer Blick
Prof. Christian Seidel, Department für Philosophie des KIT
Donnerstag, 11. Juni 2026: Das Paradox moralischer Wissenschaftsfreiheit:
Von epistemischer Fürsorge zur Umcodierung wissenschaftlicher Standards
Prof. Sabine Döring, Philosophisches Seminar, Universität Tübingen
Donnerstag, 25. Juni 2026: Schaden Moralisierungen der Redefreiheit?
Dr. Thomas Petersen, Institut für Demoskopie Allensbach
Donnerstag, 02. Juli 2026: Podiumsdiskussion: Meinungsfreiheit und
Wissenschaftsfreiheit – über ein spannungsreiches Verhältnis
Prof. Thomas Gutmann, Rechtswissenschaftliche Fakultät, Universität
Münster
Prof. Carsten Reinemann, Institut für Kommunikationswissenschaft und
Medienforschung, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)
Prof. Diana Rieger, Institut für Kommunikationswissenschaft und
Medienforschung, LMU
Prof. Michael Schefczyk, Department für Philosophie des KIT
Moderation: Prof. Senja Post, Department für Wissenschaftskommunikation
und wissenschaftliche Leiterin des FORUM am KIT.
Das Colloquium Fundamentale ist im Sommersemester 2026 Teil des Projekts
MoWiKo „Moralisierungen in der Wissenschaftskommunikation: Ursachen,
Formen und Wirkungen“ vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und
Raumfahrt (BMFTR).
Im Dialog mit der Gesellschaft entwickelt das KIT
Lösungen für große Herausforderungen – von Klimawandel, Energiewende und
nachhaltigem Umgang mit natürlichen Ressourcen bis hin zu Künstlicher
Intelligenz, technologischer Souveränität und demografischem Wandel. Als
Die
Universität in der Helmholtz-Gemeinschaft vereint das KIT
wissenschaftliche
Exzellenz vom Erkenntnisgewinn bis zur Anwendungsorientierung unter einem
Dach – und ist damit in einer einzigartigen Position, diese Transformation
voranzutreiben. Damit bietet das KIT als Exzellenzuniversität seinen mehr
als
10 000 Mitarbeitenden sowie seinen 22 800 Studierenden herausragende
Möglichkeiten, eine nachhaltige und resiliente Zukunft zu gestalten. KIT –
Science for Impact.
