Wald im Wandel: Forschungsprojekt ROOT macht Veränderungen sichtbar und nutzbar
Wie lassen sich Waldveränderungen frühzeitig erkennen und fundierte
Entscheidungen für klimaresiliente Wälder treffen? Mit dieser Frage hat
sich ein vom Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation
(bidt) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) gefördertes
Projekt beschäftigt.
Zum Projektabschluss von „ROOT – Erdbeobachtung der
Walddynamik und Biodiversität in Echtzeit“ wurde die entwickelte „ROOT
Forest Monitor“-App vorgestellt, die bereits heute in der Praxis
eingesetzt werden kann.
Im Zentrum des vom bidt geförderten Projekts „ROOT“ steht eine digitale
Anwendung, die aktuelle Informationen zu Waldveränderungen aus Perspektive
von Satelliten direkt verfügbar macht – etwa zu Störungen des Waldes durch
Dürre, Sturm oder Schädlingsbefall. Die App „ROOT Forest Monitor“ richtet
sich insbesondere an Försterinnen und Förster, Waldbesitzende und weitere
Entscheidungsträgerinnen und -träger im Forstbereich – kann aber auch von
interessierten Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden. Im Rahmen des
Abschlussevents zum Projekt wurde die App Ende März im Steigerwald
präsentiert.
Die „ROOT Forest Monitor“-App ist ein digitales Werkzeug, das große Mengen
an Satellitendaten verarbeitet und mit weiteren Quellen, wie Wetterdaten,
kombiniert. Die Daten werden so aufbereitet und kontinuierlich
aktualisiert, dass sie direkt vor Ort nutzbar sind – auch auf dem
Smartphone im Gelände. Nutzende können Waldgebiete abonnieren, werden bei
Veränderungen automatisch benachrichtigt und erhalten detaillierte
Informationen zu Zeitpunkt, Ausmaß und vermuteten Ursachen von Störungen.
Dadurch unterstützt die App Arbeitsabläufe im Wald und ermöglicht bessere
Planbarkeit der Waldbegehungen und fundierte Entscheidungen.
„,ROOT‘ ist eines der erfolgreichsten vom bidt geförderten
Konsortialprojekte. Im interdisziplinären Verbund wurden innovative
wissenschaftliche Ergebnisse erzielt, die hochklassig publiziert wurden
und die Grundlage für weitere Projekte gelegt haben. Gleichzeitig wurde
eine Softwarelösung entwickelt, die einen konkreten Nutzen für den Umwelt-
und Klimaschutz in Bayern hat und damit exakt dem bidt-Ziel einer
gemeinwohlorientierten und nachhaltigen Gestaltung der digitalen
Transformation entspricht“, sagt bidt-Direktorin Professorin Ute Schmid
bei der Vorstellung des Wald-Monitors.
Auch der Informatiker Professor Samuel Kounev, der gemeinsam mit Dr.
Nikolas Herbst im Projekt für Software Engineering verantwortlich
zeichnete, lobte die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Forschende aus
Biologie, Erdbeobachtung und Informatik der Julius-Maximilians-Universität
Würzburg, die sonst nicht gemeinsam arbeiten, hätten für dieses Projekt
eine gemeinsame Sprache entwickelt. Diese disziplinübergreifende
Kooperation habe erstaunlich gut funktioniert: „Weil wir alle ein
gemeinsames, sehr greifbares Ziel hatten, das uns motiviert hat:
Informationen so aufzubereiten, dass sie für Personen, die mit Wald zu tun
haben, die für den Wald arbeiten, einen Mehrwert bieten. Mit dem großen
Ziel, einen positiven Beitrag zum Thema Klimawandel zu leisten", sagt
Herbst.
Der am Projekt beteiligte Ökologe Professor Jörg Müller hebt den Nutzen
der Digitalisierung für die Praxis hervor: „Digitalisierung heißt im Falle
unserer App nicht nur, dass es Daten von Satelliten gibt – sondern auch,
dass jede und jeder sie zeitnah bekommt, um sie nutzen zu können. Gerade
im Wald ist das umso wichtiger.“
In einem rund zehnköpfigen Projektteam ist so in drei Jahren eine
leistungsfähige Anwendung entstanden – trotz vieler meist technischer
Herausforderungen auf dem Weg der Entwicklung. Zugleich verstehen die
Beteiligten den „ROOT Forest Monitor“ erst als Ausgangspunkt für weitere
Entwicklungen:
„Mit der App ist ein wertvolles Werkzeug entstanden, das sich sehr gut in
bestehende digitale Lösungen einfügt – und perspektivisch weiter ausgebaut
werden kann“, sagt Professorin Claudia Künzer vom Deutschen Zentrum für
Luft- und Raumfahrt (DLR). Geplant seien unter anderem die Einbindung
ergänzender Informationen wie die Differenzierung von Baumarten oder
offene Schnittstellen zu bestehenden Plattformen.
In einer Forschungsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Uni
Würzburg geht das Thema weiter auf – unter anderem werden hier noch offene
Forschungsfragen aus „ROOT“ in breiterem Kontext und weiteren
Anwendungsszenarien untersucht. Ein Fortbetrieb der Anwendung über das
Projektende hinaus wird derzeit geplant.
Das Projektteam ist sich einig, dass Störungen im Wald zugleich auch eine
Chance bieten – für nachhaltigen Waldumbau und um somit auch die
Klimaresilienz von Wäldern zu stärken. Dürreperioden, Schädlingsbefall,
aber auch Stürme und in einigen Regionen Deutschlands ein erhöhtes
Feuerrisiko setzen den Wäldern zunehmend zu. Gleichzeitig müssten
Entscheidungen langfristig gedacht werden – denn Wälder entwickeln sich
über viele Jahrzehnte hinweg.
