Intelligente Textilien gehen auch nachhaltig, umweltverträglich und mit KI – ITA auf der Techtextil 2026 in Frankfurt
Sportschuhe aus Algen, Leggings aus Pilzen, (Diesel-)Öl-Filterung aus dem
Wasser, 4D-Textilien, recyclebar, nachhaltig und mit KI – das präsentiert
die ITA Group mit drei einzelnen Ständen des ITA Aachen, der ITA Augsburg
gGmbH und der ITA Technologietransfer GmbH auf dem Gemeinschaftsstand der
Firma Elmatex in Halle 12.0 D05.
Das ITA Aachen trägt dem Gedanken der Nachhaltigkeit Rechnung und
präsentiert mit seinen Exponate Lösungen für konkrete Probleme der
Gegenwart:
1. 4D-Printed Textiles
4D-Textilien sind textile Strukturen, die ihre Form oder Funktion über die
Zeit gezielt verändern können. Die „vierte Dimension“ beschreibt dabei die
Reaktion auf äußere Stimuli wie Temperatur, Feuchtigkeit, Licht oder
elektrische Impulse. Grundlage sind meist aktive Materialien wie
Formgedächtnispolymere, Formgedächtnislegierungen oder hygroskopische
Fasern, die in textile Architekturen integriert werden.
Ihre Rolle liegt in der Entwicklung adaptiver, funktionaler Systeme: von
klimaregulierender Bekleidung über textilbasierte Aktuatoren in der Soft
Robotics bis hin zu selbstentfaltenden oder medizinischen Anwendungen. 4D-
Textilien transformieren Textilien von passiven Flächengebilden zu
responsiven, intelligenten Systemen.
Ansprechpartner: <
2. AlgaeTex Sportschuh
Algen haben ein immenses Potenzial als Bio-Rohstoff, um Erdöl für
künstliche Textilien zu ersetzen: Sie wachsen schnell und können
Kohlendioxid effizienter aufnehmen als andere Bio-Rohstoffe, die auf
Landpflanzen basieren. Außerdem verbraucht ihr Anbau weniger/unbebaubare
Flächen und vermeidet Pestizide. Die Verwendung von Algen als erneuerbare
Ressource für die Herstellung von Biopolymeren und Textilien umgeht die
Herausforderungen des Wettbewerbs mit niedrigen Kraftstoffpreisen, indem
sie höherwertige Anwendungen schafft. Auf diese Weise kann die deutsche
Textilindustrie als Katalysator für die Abkehr von fossilen Brennstoffen
hin zu einer Bioökonomie wirken, in der Algen eine wichtige Biomassequelle
darstellen.
Das Projekt AlgaeTex demonstriert, dass die Herstellung thermoplastischer
Biopolymere aus Algen für textile Anwendungen technisch möglich ist. Diese
neuartigen Biopolymere werden schmelzgesponnen und zu hochwertigen
Textilien verarbeitet, die für die Sportartikelindustrie von Bedeutung
sind, wie in etwa für gestrickte Schuhoberflächen oder T-Shirts.
Ansprechpartner: <
3. Agrartechnik
Agrotextilien sind insbesondere für Sonderkulturen wie beispielsweise
Erdbeeren, Salate und Kohlrabi von großer Bedeutung, da sie maßgeblichen
Einfluss auf die Wachstumsbedingungen haben. So können sie die
Bodentemperatur erhöhen, Wasser zu den Pflanzen leiten und die Setzlinge
vor allem in frühen Wachstumsphasen vor äußeren Einflüssen schützen.
Agrotextilien bestehen nahezu ausschließlich aus petrochemisch
hergestellten Polymeren, die nicht biologisch abbaubar sind.
Auf dem vorliegenden Demonstrator wird daher ein Krempelvlies ausgestellt,
das aus biologisch abbaubaren Polymeren hergestellt wurde und zur
Ernteverfrühung auf Erdbeerfeldern eingesetzt wird. In der gleichen
Kultur, aber mit anderem Nutzen, ist ein Netz aus Monofilamenten zu sehen,
dass durch seine tiefrote Farbe und eine Beschichtung mit feinsten
Silikatpartikeln zum Schutz der Pflanzen vor invasiven Insektenarten
dient. Ansprechpartner: <
4. Bionic Oil Adsorber
Auf verschiedenen biologischen Oberflächen wird Öl von Wasseroberflächen
adsorbiert und entlang von schwimmenden Blättern transportiert.
Dieser Effekt wurde von ITA-Postdoc Dr. Leonie Beek mit ihrem Bionic Oil
Absorber (BOA) auf ein technisches Textil übertragen, das im Reifegrad 4
bis zu 4 Liter Diesel pro Stunde aus dem Wasser entfernen kann.
Der BOA unterscheidet sich von technischen Lösungen, da die Öl-Wasser-
Trennung ohne externe Energie und ohne giftige Substanzen erfolgt. Die
Arbeiten zum BOA wurden mit dem Bionik-Award und dem Paul-Schlack-Preis
ausgezeichnet. Ansprechpartner:
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5. BioPEtex – PE-basiertes, spinngefärbtes und nachhaltiges T-Shirt
aus biologischen Rohstoffen
Auf dem milliardenschweren Fasermarkt dominieren fossile Polyester (PES)
mit einem Anteil von 52 % den Bekleidungssektor. Leider kann PET, das am
häufigsten verwendete PES, im Gegensatz zu Polyethylen (PE) nicht zu 100 %
biobasiert in industriellem Maßstab hergestellt werden. Biobasiertes PE
(bioPE), ein Drop-in-Polymer, das aus fermentierten Stärken oder Zuckern
gewonnen wird, entspricht in seinen Eigenschaften dem fossilen PE und ist
leicht recycelbar.
Es ist außerdem kostengünstiger als andere, in Fasern verwendete
Biopolymere und kann bei niedrigeren Temperaturen verarbeitet werden, was
Energie spart. Spinngefärbtes bioPE bietet erhebliche Umweltvorteile: Es
verbraucht 50 % weniger Energie und Wasser als herkömmliche Färbeverfahren
und emittiert 60 % weniger CO2.
Lebenszyklusanalysen (LCA) sagen voraus, dass PE den ökologischen
Fußabdruck der Textilindustrie erheblich reduzieren könnte, wobei
spinngefärbtes BioPE diese Reduzierung noch verstärkt. Darüber hinaus sind
PE-Textilien IR-transparent und sorgen so für eine passive Kühlung des
Körpers.
Trotz dieser Vorteile wird PE noch nicht in der Bekleidungsindustrie
eingesetzt. Vorläufige Forschungsergebnisse des ITA deuten darauf hin,
dass PE zu gesponnenen, gefärbten Filamenten und gestrickten Mustern mit
vielversprechender Textur verarbeitet werden kann. Das ausgestellte
T-Shirt ist gesponnen und gefärbt und verfügt über eine elastische
Oberfläche aus biobasierten Rohstoffen. Eine biobasierte elastische
Ausrüstung wertet das T-Shirt auf, das aus einer einzigen Quelle stammt
und thermomechanisch recycelbar ist.
Ansprechpartner: <
6. FungalFibers – Leggings
Vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen wie Erdöl, Wasser und Ackerland
sowie zunehmender Umweltzerstörung und Konfliktpotenzialen besteht ein
großes gesellschaftliches und unternehmerisches Interesse daran,
wettbewerbsfähige, sozial und ökologisch nachhaltige Rohstoffalternativen
für die Textilindustrie bereitzustellen. Ziel dieses Projekts ist die
Entwicklung einer völlig neuen Prozesskette zur Herstellung biobasierter,
veganer Textilien aus Chitosanfasern (Filament- und Stapelfasergarnen).
Chitosan ist chemisch eng mit Chitin verwandt, dem nach Cellulose am
häufigsten vorkommenden Stoff in der Natur. Es kommt in einer Vielzahl von
Quellen natürlich vor: in Insekten, Krabben- und Krebsschalen sowie als
strukturbestimmender Bestandteil der Zellwände aller Pilze. Daher kann
Chitin aus Nebenprodukten der Produktion von Krabbenfleisch,
Insektenprotein oder Pilzbiomasseabfällen aus industriellen Prozessen
gewonnen werden. Chitosan seinerseits kann durch Deacetylierung leicht aus
Chitin hergestellt werden.
Ansprechpartner: <
Die ITA Group zeigt unterschiedliche Ansätze des mechanischen und thermo-
mechanischen Recyclings und adressiert damit mögliche Anwendungen in der
Textil-, Werkstoff- und Automobilindustrie.
Die auf das mechanische Textilrecycling spezialisierte ITA Augsburg gGmbH
zeigt Innovationen aus den Bereichen Composites, mechanisches
Textilrecycling und künstliche Intelligenz in der Produktion. Dazu gehören
Schall- und Wärme- isolationsplatten aus dem Projekt „IsoTex“, ein
Handtuch aus dem Recyclingprojekt „EcoYarn“ sowie der
„ColoSens“-Demonstrator, eine KI-basierte Lösung zur automatisierten
Farberkennung von Fasern im Recyclingprozess.
Die ITA Technologietransfer GmbH präsentiert das thermo-mechanische
Recycling an zahlreichen Beispielen im Fabric2Fabric-Kreislauf. Am
Beispiel eines 3D gedruckten Autositz-Demonstrator werden die
kreislauffähigen Filamentgarne in einem Sitzbezug eingesetzt.
Zudem zeigt die ITA Technologietransfer GmbH das patentierte Konzept des
„Textilen Ankers“, ein innovatives Verankerungssystem zum Schutz und zur
Sicherung von Konstruktionen in den geotechnischen Geländen wie in Bergen,
im Boden und unter Wasser sowie für den Einsatz im Hochbau. Der textile
Anker bietet eine ultraleichte Lösung mit hoher Flexibilität und optimaler
Anpassungsfähigkeit und wird aus extrem strapazierfähigen oder aus
biologisch abbaubaren und nachhaltigen Textilien hergestellt.
Auf dem „Shared Booth“ der ITA Group informiert die ITA
Technologietransfer GmbH über Innovationen verschiedener Industriepartner:
• technofibres s.a. aus Luxemburg bietet spinngefärbte PET- und
nachhaltige trPET-Filamentgarne mit unterschiedlichsten Mattierungsgraden,
Filamentquerschnitten und Aufmachungen für individuelle Lösungen auch in
kleinsten Losgrößen an und ist damit einmalig in Europa.
• Idemitsu Kosan Co., Ltd. aus Japan bietet mit Xarec™ eine
syndiotaktische Polystyrol-Faser (SPS) für den Einsatz in Stoffen und
Nonwovens an. Die Vorteile dieses teilkristallinen
Hochleistungswerkstoffe, der durch die Polymerisation von Polystyrol und
einem Metallocene Katalysator seine syndiotaktische Struktur erlangt,
werden an Nonwovens Demonstratoren für den Filterbereich im Vergleich zu
herkömmlichen Materialien aufgezeigt.
• Das schwedische Unternehmen Luma Wire Tech AB ist ein innovativer
Spezialist für Feindrähte mit Fachkompetenz im Bereich der modernen
Beschichtungstechnik. Jeder Draht – mit einem Durchmesser von 4 bis 300
Mikrometern und hergestellt aus Wolfram, Molybdän oder anderen
hochmodernen Werkstoffen – wird individuell auf die spezifischen
Anforderungen jedes Kunden zugeschnitten und ist entweder unbeschichtet
oder mit Hochleistungsbeschichtungen aus Gold, Silber, Palladium oder
anderen Materialien erhältlich.
