Wenn das Meer sein Licht verliert: Greifswalder Forschende bringen juristische Perspektive ... ... auf ein unterschätztes Umweltproblem an
Das Licht im Meer verändert sich. Küsten leuchten heller, Wasser wird
trüber. Was für Badegäste kaum sichtbar ist, trifft Algen, Fische und
Plankton mit voller Wucht. Das internationale Forschungsprojekt ISOLUME
(IndicatorS Of changing Lightscapes in Under-water Marine Ecosystems)
untersucht, wie sich die Lichtverhältnisse in europäischen Meeren wandeln
– und was das für die Ökosysteme bedeutet.
Das Institut für Energie-,
Umwelt- und Seerecht (IfEUS) der Universität Greifswald unter der Leitung
von Prof. Dr. Sabine Schlacke untersucht, wie nationale, europäische und
internationale Regelwerke mit Lichtverschmutzung umgehen.
Im Zentrum des durch JPI Oceans im Rahmen der Joint Action „Changing
Marine Lightscapes“ geförderten internationalen Projektes ISOLUME stehen
Lichtlandschaften unter Wasser. Sie bestimmen, wie tief Sonnenlicht ins
Meer dringt, wie Pflanzen Photosynthese betreiben und wie Tiere jagen oder
sich orientieren. Doch diese Lichtlandschaften geraten aus dem
Gleichgewicht. Zwei Entwicklungen treiben den Wandel voran. Erstens:
künstliche Beleuchtung an Küsten, in Häfen und Städten. Sie strahlt weit
aufs Meer hinaus und erhellt die Nacht. Zweitens: die zunehmende Trübung
vieler Küstengewässer, auch „coastal darkening“ genannt. Schwebstoffe,
Nährstoffe und Algenblüten dämpfen das natürliche Licht. Das Wasser wird
dunkler. Beides verändert die Lebensbedingungen im Meer grundlegend.
Manche Organismen verlieren ihre natürlichen Tag-Nacht-Rhythmen. Andere
erhalten weniger Licht für die Photosynthese. Nahrungsketten können sich
verschieben, Arten verdrängt werden. Die Folgen sind komplex – und bislang
nur in Ansätzen verstanden.
Forschung über Grenzen hinweg
Hier setzt ISOLUME an. Ein internationales Konsortium mit Beteiligten aus
mehreren europäischen Ländern analysiert historische Daten, führt
Feldmessungen durch und entwickelt Modelle. Die Forschenden untersuchen,
wie sich Lichtverhältnisse in verschiedenen Meeresregionen über lange
Zeiträume verändert haben. Sie fragen: Welche physikalischen Prozesse
spielen eine Rolle? Welche ökologischen Rückkopplungen entstehen? Und
welchen Anteil hat der Mensch?
Das Projekt verbindet Natur- und Sozialwissenschaften. Es misst nicht nur
Lichtintensitäten und Wassertrübungen, sondern nimmt auch politische und
rechtliche Rahmenbedingungen in den Blick. Denn künstliches Licht ist kein
Naturereignis, sondern Folge menschlicher Entscheidungen.
Rechtliche Lücken im Umgang mit Lichtverschmutzung
Eine zentrale Rolle bezüglich der juristische Einordnung spielt das
Institut für Energie-, Umwelt- und Seerecht (IfEUS) der Universität
Greifswald. Unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Schlacke untersucht ein
rechtswissenschaftliches Teilprojekt, wie nationale, europäische und
internationale Regelwerke mit Lichtverschmutzung umgehen. Die
wissenschaftliche Mitarbeiterin Melina Bartmuß analysiert bestehende
Vorgaben und sucht nach Lücken. „Bislang konzentriert sich Umweltrecht vor
allem auf Schadstoffe, Lärm oder Überfischung“, sagt Melina Bartmuß.
„Licht als Belastungsfaktor für marine Ökosysteme bleibt oft unscharf
geregelt.“ Das Greifswalder Team will das ändern. Prof. Dr. Sabine
Schlacke ergänzt: „Wir entwickeln Vorschläge, wie Politik und Verwaltung
künstliches Licht besser steuern können – etwa durch strengere Vorgaben
für Küstenbeleuchtung oder durch die Integration neuer wissenschaftlicher
Erkenntnisse in bestehende Schutzinstrumente.“
Weitere Informationen
Das Projekt ISOLUME wird im Rahmen der JPI Oceans Joint Action „Changing
Marine Lightscapes“ gefördert und durch einen gemeinsamen Förderaufruf
nationaler Förderorganisationen finanziert. Die Laufzeit erstreckt sich
von Juli 2025 bis Juni 2028.
Deutschland übernimmt mit dem Leibniz-Institut für Ostseeforschung
Warnemünde (IOW) die federführende Rolle. Weitere Projektpartner sind die
University of Plymouth und das Plymouth Marine Laboratory (Vereinigtes
Königreich), das Norwegian Institute for Water Research sowie die
Universität Bergen (Norwegen), das Institut für Ozeanologie der Polnischen
Akademie der Wissenschaften (Polen), die University of Galway (Irland)
sowie die University of Malta (Malta). Weitere Informationen zum Projekt
<https://jpi-oceans.eu/en/isol
