30 Jahre Deutscher Alterssurvey – 30 Jahre Altersforschung für Politik und Gesellschaft
Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) startet in seine 9. Erhebungsphase. Die
bundesweit repräsentative Studie sammelt zentrale Erkenntnisse über das
Leben von Menschen in der zweiten Lebenshälfte.
Anlässlich des Beginns der neuen Befragung erklärt Seniorenministerin
Karin Prien: „Seit 30 Jahren zeigt der Deutsche Alterssurvey, wie sich das
Leben von Menschen zwischen 40 und 85 Jahren entwickelt – in Familie,
Beruf und Alltag. Er macht deutlich: Älterwerden ist heute so vielfältig
wie nie zuvor. Seine Erkenntnisse sind für uns ein Kompass, um die
richtigen Rahmenbedingungen zu setzen – damit Menschen auch im höheren
Alter ihren eigenen Weg gehen, am gesellschaftlichen Leben teilhaben und
gut eingebunden bleiben können. Damit ist der Deutsche Alterssurvey eine
unverzichtbare Grundlage, um den demografischen Wandel verantwortungsvoll
zu gestalten. Ich bin deshalb sehr froh, dass das BMBFSFJ diese zentrale
Studie zum Älterwerden in Deutschland ermöglicht.“
Die teilnehmenden Personen werden jeweils umfassend zu ihrer
Lebenssituation und verschiedenen Lebensbereichen befragt, unter anderem
zu ihrem beruflichen Status oder ihrem Leben im Ruhestand, zu
gesellschaftlicher Partizipation und nachberuflichen Aktivitäten, zu
wirtschaftlicher Lage und Wohnsituation, zu familiären und außerfamiliären
Kontakten sowie zu Gesundheit, Wohlbefinden und Lebenszielen. Die erste
Befragung fand 1996 statt.
Das Besondere am Studiendesign des DEAS ist, dass es sich um eine Quer-
und Längsschnittbefragung handelt, das heißt, dass immer wieder neue
Stichproben von Personen ab 40 Jahren gezogen werden; aber auch alle
Personen, die sich dazu bereit erklärt haben, immer wieder befragt werden
- also mit dem DEAS mitaltern. So können sowohl gesellschaftliche
Veränderungen, als auch individuelle Alternsverläufe analysiert werden.
Bei gleichzeitiger Kontinuität liefert die Studie immer wieder wichtige
Erkenntnisse zu aktuellen Debatten. So gab der DEAS zum Beispiel Auskunft
darüber wie sich die Enkelbetreuung, das Empfinden von Einsamkeit oder die
Partnerschaftsqualität während der Corona-Pandemie gestalteten. Die
Erkenntnisse zu pflegenden Angehörigen liefern wichtige Impulse für die
Diskussion um das Pflegezeitgesetz und die Befunde zur Verbreitung von
Einsamkeit untermauern die Bedeutung von politischen Maßnahmen wie dem
Kompetenznetz Einsamkeit.
Der Datenschatz des DEAS ist vielfältig und groß – zu groß, als dass die
Wissenschaftler*innen des Deutschen Zentrums für Altersfragen ihn alleine
heben könnten. Daher gibt es seit 2010 ein Forschungsdatenzentrum am DZA,
bei dem externe Wissenschaftler*innen die Daten für eigene
Forschungszwecke beantragen können. Auf diese Weise kamen inzwischen über
1.200 Publikationen zusammen, die sich auf DEAS-Daten stützen.
Neben Altersfragen, denen der DEAS schon lange auf den Grund geht, kommen
immer wieder neue, aktuelle Themen hinzu: Beispielsweise über das
Bedrohungsempfinden durch den Klimawandel oder das Vertrauen in politische
Institutionen. In der Befragung, die gerade an den Start ging, wird
erstmals systematisch die Lebenssituation von Menschen in Alten- und
Pflegeheimen erhoben. Zudem werden verschiedene Themen breiter erfasst als
zuvor, beispielsweise das lebenslange Lernen, dass auch beim Zehnten
Altersbericht eine zentrale Rolle spielen wird. Für eine evidenzbasierte
Senioren-, Familien- und Sozialpolitik ist der Deutsche Alterssurvey also
nicht mehr wegzudenken.
