TH Mannheim erhält Förderung für Stiftungsprofessur zur industriellen Pharmasynthese
Die Technische Hochschule Mannheim erhält von der KSB Stiftung über fünf
Jahre eine großzügige Förderung in Millionenhöhe für die Einrichtung der
neuen Stiftungsprofessur „Technologien zur industriellen Pharmasynthese“.
Ziel ist es, innovative Technologien zur industriellen Herstellung
chemischer Wirkstoffe zu entwickeln und damit einen Beitrag zur
Versorgungssicherheit mit Arzneimitteln sowie zur technologischen
Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu leisten.
Mit der neuen Stiftungsprofessur reagiert die TH Mannheim auf zentrale
Herausforderungen der pharmazeutischen Produktion: steigende
Medikamentenpreise, globale Lieferkettenrisiken und die zunehmende
Abhängigkeit Europas von Wirkstoffimporten. Die Professur verbindet
erstmals in Deutschland chemisches Wirkstoffverständnis mit
ingenieurwissenschaftlicher Prozessentwicklung für die industrielle
Pharmasynthese. Sie stärkt Forschung, Lehre und Innovation an der
Hochschule und baut zugleich die Zusammenarbeit mit Industrie,
Forschungseinrichtungen und dem wissenschaftlichen Nachwuchs weiter aus.
Forschung für Versorgungssicherheit.Deutschland galt lange als „Apotheke der Welt“. Heute ist das Land jedoch
in erheblichem Umfang auf Arzneimittelimporte angewiesen: Allein 2022 lag
deren Wert bei rund 90 Milliarden Euro. Produktionsverlagerungen nach
Asien, steigender Kostendruck und komplexe globale Lieferketten führen
zunehmend zu Versorgungsengpässen – allein 2024 waren in Baden-Württemberg
rund 500 Medikamente betroffen.
Gleichzeitig steigen die Kosten im Gesundheitssystem kontinuierlich:
Zwischen 2014 und 2023 verteuerten sich Medikamentenpackungen im
Durchschnitt um 54 Prozent. Prognosen gehen für 2026 von einem Defizit der
gesetzlichen Krankenkassen von rund vier Milliarden Euro aus.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Rückverlagerung pharmazeutischer
Produktion nach Europa strategische Bedeutung. Dafür braucht es jedoch
neue technologische Ansätze: Produktionsprozesse müssen effizienter,
automatisierter, nachhaltiger und zugleich regulatorisch sicher sein.
Genau hier setzt die neue Professur an. Sie erforscht industrielle
Herstellverfahren für komplexe chemische Wirkstoffe – ein Bereich, der
bislang in Deutschland kaum systematisch adressiert wird. Während
klassische Lehrstühle meist auf Laborsynthesen im Milligrammbereich oder
auf die spätere Arzneiformulierung fokussieren, verbindet die Professur an
der TH Mannheim erstmals chemische Expertise mit verfahrenstechnischer
Skalierung zur industriellen Produktion.
Damit entsteht ein bundesweit einzigartiges Forschungsprofil mit hoher
gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Relevanz.
Einbindung in Studium, Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs
Die Stiftungsprofessur wird am Institut für Physikalische Chemie der
Fakultät für Verfahrens- und Chemietechnik angesiedelt und wird das
Lehrangebot in den Studiengängen Chemische Technik (B.Sc.),
Verfahrenstechnik (B.Sc.), Nachhaltige Technische Prozesse (B.Sc.) sowie
Verfahrens- und Chemieingenieurwesen (M.Sc.) erweitern. Durch ihre
ausgeprägte Forschungsorientierung wird sie Studierenden frühzeitig Zugang
zu aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen ermöglichen.
Über den Promotionsverband Baden-Württemberg schafft die Professur zudem
neue Promotionsmöglichkeiten und erweitert damit die Karriereperspektiven
für wissenschaftlichen Nachwuchs an einer der forschungsstärksten
Hochschulen für angewandte Wissenschaften des Landes.
Auch ein Ausbau der bestehenden Schulkooperationen zur Förderung des MINT-
Nachwuchses ist mit der Professur verbunden. Forschungsaktivitäten sollen
anschaulich einer breiten Öffentlichkeit vermittelt werden.
Starke Vernetzung mit Industrie und Forschung
Eine starke Vernetzung mit Industrie und Forschung ist durch die
bestehenden Strukturen und Cluster der TH Mannheim gegeben wie
beispielsweise der Forschungs- und Innovationsallianz M²Aind, dem Center
for Mass Spectrometry and Optical Spectroscopy (CeMOS) oder der DATI
Innovationscommunity VIVET. „Die neue Stiftungsprofessur profitiert von
einem einzigartigen Innovationsökosystem an der TH Mannheim und in der
Metropolregion Rhein-Neckar, einem der bedeutendsten Pharma- und
Chemiestandorte Europas,“ sagt Prof. Dr. Mathias Hafner, Prorektor für
Forschung, Technologietransfer und Internationalisierung. „Durch die enge
Einbindung in unsere Forschungsnetzwerke und die Zusammenarbeit mit
zahlreichen Industriepartnern entstehen direkte Schnittstellen zwischen
wissenschaftlicher Exzellenz, industrieller Anwendung und
Technologietransfer.“
Rektorin Prof. Dr. Angelika Altmann-Dieses: „Mit der Stiftungsprofessur
stärken wir gezielt ein Zukunftsfeld an der Schnittstelle von
Gesundheitsforschung, Digitalisierung und nachhaltiger Produktion. Sie
fügt sich nahtlos in unser Forschungsprofil ein und leistet einen
wichtigen Beitrag zur strategischen Weiterentwicklung der Hochschule.
Unser besonderer Dank gilt daher der KSB Stiftung, die uns mit ihrem
Engagement und ihrer Großzügigkeit die Möglichkeit bietet, diese
zukunftsweisende Forschung voranzubringen und einen Beitrag zur Stärkung
der regionalen Pharmaindustrie zu leisten.“
Gerhard Bugla, Vorstandsvorsitzender der KSB Stiftung: „Wir freuen uns, in
der Metropolregion Rhein Neckar, die uns besonders am Herzen liegt, mit
der TH Mannheim eine hochkompetente Lehr- und Forschungseinrichtung
gefunden zu haben, die über jahrzehntelange Erfahrung und Kompetenz im
Bereich der gezielten industrieorientierten Anwendung und praxistauglichen
Umsetzung verfügt. Gerade auf dem von uns nunmehr unterstützten Gebiet
gilt es mit Blick auf die demographischen sowie gesundheitspolitischen
Herausforderungen im Interesse aller, die Abhängigkeit unserer
Gesellschaft auf dem Gebiet der Medikamentenversorgung zu reduzieren, um
möglichst unabhängig von Dritten zu werden. Dabei wollen wir mit unserer
Fördermaßnahme mithelfen.”
Über die die KSB Stiftung
Die KSB Stiftung mit Geschäftssitz in Frankenthal engagiert sich seit mehr
als 60 Jahren für die Förderung von Wissenschaft, Bildung und technischer
Innovation. Ziel der Stiftung ist es, nachhaltige Entwicklungen in
Industrie und Gesellschaft zu unterstützen sowie den Wissenstransfer
zwischen Forschung, Wirtschaft und Nachwuchsförderung zu stärken. Durch
gezielte Förderprojekte trägt sie dazu bei, zukunftsweisende Technologien
voranzubringen und somit die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte für
zentrale Industriebereiche im technischen und naturwissenschaftlichen
Bereich zu unterstützen.
