Von der Idee bis zur ersten Probefahrt: Reiner Ammoniak-Antrieb erstmals realisiert
Ein Motor, der ausschließlich mit Ammoniak betrieben wird – ohne
Beimischung fossiler Energieträger: Seine Basistechnolgie für diesen
Entwicklungssprung zeigt das Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und
Mikrosysteme IMM auf der Hannover Messe 2026. Die erfolgreiche Umsetzung
ist das Ergebnis mehrjähriger Entwicklungsarbeit für die Firma First
Ammonia Motors und markiert einen Meilenstein für klimafreundlichere
Antriebstechnologien. Ausschnitte aus dem Video der Probefahrt werden am
Messestand zu sehen sein.
Am Anfang stand eine grundlegende Fragestellung: Kann Ammoniak als
kohlenstofffreier Energieträger nicht nur gespeichert und transportiert,
sondern auch direkt nur mit Beimischung von Wasserstoff in einem Motor
genutzt werden? Während Ammoniak in der Energieforschung bereits seit
Jahren diskutiert wird, galt seine Nutzung in Verbrennungssystemen lange
als technisch anspruchsvoll – insbesondere aufgrund seines Zündverhaltens
und potenzieller Emissionen.
First Ammonia Motors hat hierfür ein Motorkonzept entwickelt, das speziell
auf die Eigenschaften von Ammoniak ausgelegt ist. Parallel dazu hat das
Fraunhofer IMM seine Kompetenzen in der Entwicklung von Reaktoren mit
mikrostrukturierten Kanälen und neuartigen, hochaktiven und
langzeitstabilen Katalysatoren für kompakte Cracker Systeme eingebracht.
Das Ergebnis ist eine hohe Systemeffizienz durch die Nutzung von Abgasen
zum Beheizen der Reaktoren. Abgesehen vom Start des Fahrzeugs wird kein
zusätzlicher Treibstoff oder Elektrizität benötigt.
Erster Motor im reinen Ammoniakbetrieb
Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ein Motor, der vollständig mit
Ammoniak betrieben wird. Die erforderliche Wasserstoffbeimischung wird im
Fahrzeug aus dem Ammoniak erzeugt. Am 27. Juni 2025 demonstrierte First
Ammonia Motors (FAM) am Stadtrand von Charlotte, North Carolina, eines der
weltweit ersten Fahrzeuge, das ausschließlich mit Ammoniak betrieben wird
und über einen Ottomotor verfügt. Im Gegensatz zu anderen Ammoniakmotoren
benötigt dieser Motor keinen Zusatzkraftstoff wie Benzin, Kohlegas oder
Methanol, um die Verbrennung zu beschleunigen. Stattdessen wird die
Abwärme des Motors genutzt, um Ammoniak (NH3) zu spalten und so an Bord
Wasserstoff als Zusatzkraftstoff zu erzeugen. Als Abgase entstehen
Wasserdampf und Stickstoff.
Technologie für schwer elektrifizierbare Anwendungen
Die Nutzung von Ammoniak eröffnet neue Perspektiven für Bereiche, in denen
eine direkte Elektrifizierung nur eingeschränkt möglich ist. Dazu zählen
etwa stationäre Energieversorgung, maritime Anwendungen oder der
Schwerlastverkehr. Das Fraunhofer IMM adressiert diese Herausforderungen
mit kompakten, hochintegrierten Systemen zur Umwandlung von Ammoniak und
Methanol in Wasserstoff für mobile und stationäre Anwendungen. Im Fokus
stehen mikrostrukturierte Reaktoren und Reformersysteme, die eine
effiziente, dezentrale Energieversorgung insbesondere für Nutzfahrzeuge
und Off-Highway-Anwendungen ermöglichen. Durch die Kombination aus
Technologieentwicklung, Pilotanlagen und industrieller Skalierung schafft
das Institut die Grundlage für den breiten Einsatz alternativer
Wasserstoffträger in schwer elektrifizierbaren Mobilitätssegmenten.
Ausstellung auf der Hannover Messe
Besucherinnen und Besucher unseres Messestandes auf der Hannover Messe
erhalten Einblicke in die gesamte Prozesskette – vom Energieträger über
die Verbrennung bis zur Emissionsminderung. Besuchen Sie uns vom 20. bis
24. April auf der Sonderausstellungsfläche Hydrogen + Fuel Cells Europe in
Halle 11 Stand E10 und kommen Sie mit unseren Experten ins Gespräch über:
- Infrastruktur: Dezentrale Versorgung mit Wasserstoff
- Verkehr: Antriebssysteme auf Basis von Wasserstoffträgern
- Industrie: Ammoniak-unterstützte Herstellungsverfahren
