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Forschungsverbund ForDaySec präsentiert Lösungsstrategien für Digitale Alltagssicherheit

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Seit April 2022 hat sich der Bayerische Forschungsverbund ForDaySec der
Aufgabe gewidmet, Szenarien und Handlungsoptionen aufzuzeigen, wie
Cybersicherheit im Alltag gelingen kann. Fünf bayerische Universitäten
unter der Koordination der Universität Passau haben dafür ihre Expertise
interdisziplinär gebündelt, um Forschung aus Informatik, Rechts- und
Sozialwissenschaften zusammenzubringen und Sicherheit systemisch zu
denken. Bei der Abschlussveranstaltung am 25. März in München diskutierte
der Verbund nun seine Ergebnisse mit einem breiten Publikum.



Die Digitalisierung des Alltags stellt eine der zentralen
Herausforderungen unserer Gesellschaft dar. Längst werden vernetzte
Systeme nicht mehr nur in Firmen, Unternehmen oder kommunalen
Einrichtungen zur Produktion oder Verbesserung von Infrastruktur
eingesetzt, sondern halten auch Einzug in Privathaushalte und durchdringen
zunehmend alle Bereiche unserer Gesellschaft. Smart-Home-Anwendungen wie
Überwachungskameras, Staubsaugerroboter, vernetzte Glühbirnen und andere
digital und KI-gesteuerte Anwendungen im eigenen Haushalt nehmen zu – und
damit auch die Sicherheitsrisiken im Alltag durch die Sammlung von
privaten Daten, die Gefahr durch Hackerangriffe sowie mögliche
Manipulationen der Systeme durch Dritte.

Im Bayerischen Forschungsverbund „Sicherheit in der
Alltagsdigitalisierung“ (ForDaySec), bestehend aus der Universität Passau,
der Technischen Universität München, der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg, der Otto-Friedrich-Universität Bamberg sowie der
Ludwig-Maximilians-Universität München, haben über vier Jahre hinweg
Expertinnen und Experten aus Informatik, Rechts- und Sozialwissenschaft
zusammengearbeitet und Erkenntnisse gewonnen, die technische,
gesellschaftliche und politische Perspektiven konsequent miteinander
verbinden und zeigen, wie ein sicherer digitaler Alltag ganz konkret
gelingen kann.

Zum Abschluss des Projekts fand am 25. März 2026 in den Design Offices
Atlas in München die Talkrunde „Beyond Awareness“ mit Projektbeteiligten
und Experten statt, bei dem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
von ForDaySec eine neue Perspektive auf die IT-Sicherheit im Alltag
warfen. Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage: Wie bringen wir
digitale Komplexität, menschliches Verhalten und politische Entscheidungen
so zusammen, dass Sicherheit im Alltag wirklich funktioniert?

In ihrem Grußwort betonte Caroline Krohn-Atug vom Bundesamt für Sicherheit
in der Informationstechnik die zentrale Bedeutung von möglichst
alltagsnahen Lösungen und nutzerfreundlichen Strategien für mehr
Cybersicherheit im Alltag: „In einer digitalen Welt ist es unabdingbar,
dass alle Menschen eine Expertise über Funktionsweisen und Risiken
digitaler Medien und Systeme erlangen können. Es ist die wichtigste
Aufgabe unserer Zeit, jeden Einzelnen und jede Einzelne mitzunehmen.
Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass es uns allen möglichst einfach
gemacht wird, uns sicher im Netz zu bewegen – durch Usable Security, durch
Security by Design und durch Security by Default“. Auch Eva Wolfangel,
Tech-Journalistin und Speakerin mit Schwerpunkt Cybersicherheit, wies in
ihrer Keynote darauf hin, wie wichtig es sei, den Endverbraucher von
digitalen Systemen mitzudenken und in Sicherheitslösungen einzubinden.
Dabei sieht sie eine entscheidende Verantwortung bei den entwickelnden
Unternehmen, für nutzerfreundliche Sicherheitslösungen bei ihren Produkten
zur sorgen und diese anzubieten. „Die Schwachstelle sitzt im System –
nicht vor dem Bildschirm“ so Wolfangel. „Solange Unternehmen und Berater
die Schuld den Usern zuweisen anstatt sich um nutzbare Sicherheit zu
kümmern, bleibt die Cybersicherheit in der Sackgasse stecken.“

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern
aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft schließt sich Tatjana
Halm, Referatsleiterin Recht und Digitales von der Verbraucherzentrale
Bayern e.V., dieser Ansicht an: „Der digitale Alltag verlangt ständiges
Abwägen zwischen Komfort und Risiko. Damit IT-Sicherheit nicht zur
Zumutung wird, müssen Systeme sicher, verständlich und einfach gestaltet
sein. Die Verantwortung darf nicht allein bei den Verbraucherinnen und
Verbrauchern liegen“, betont Halm. Sabine Ellerhold von der BSH Hausgeräte
GmbH hält es für entscheidend, gemeinsam mit den Endverbrauchern für mehr
digitale Sicherheit im Alltag zu sorgen: „Durch einen ganzheitlichen
Security-by-Design-Ansatz und regelmäßige Updates können Smart Homes
effektiv vor Hackerangriffen im privatesten Bereich, also bis in unsere
Küchen und Wohnzimmer, geschützt werden. Dabei ist ein starkes
Zusammenspiel von Herstellern, Nutzenden, Behörden und Wissenschaft
entscheidend, um alltagstaugliche IT-Sicherheit zu gewährleisten und das
Vertrauen der Menschen in ihre digitalen Lebenswelten umfassend zu
stärken.“ Für die Anbieter von Smart-Home-Alltagsgeräten sei vor allem das
Vertrauen der Nutzenden wichtig, um die Akzeptanz von Sicherheitsupdates
und die Awareness für IT-Sicherheit zu stärken, zeigt sich Ellerhold
überzeugt. Professor Dr. Katzenbeisser, Sprecher des Forschungsverbundes
ForDaySec an der Universität Passau ist überzeugt, dass es weiterhin
Forschung zu Anwendungslösungen braucht, um technische Innovationen im
Alltag sicher nutzen zu können: „ForDaySec hat sowohl zu technologischen
Neuerungen als zu Fragen des Datenschutzes und der Awareness Beiträge
geleistet. Nicht alles kann sicher neu gebaut werden, viele auf dem Markt
befindliche unsichere Produkte werden wir weiter nutzen müssen. Aber
vieles lässt sich sicher integrieren. Dafür brauchen wir Strategien, die
mit Unsicherheit rechnen und mit denen wir trotzdem sicher und
handlungsfähig bleiben.“

Über den Forschungsverbund ForDaySec
Der Bayerische Forschungsverbund „Sicherheit in der
Alltagsdigitalisierung“ (ForDaySec) untersucht seit April 2022 neuartige
technische Verfahren für die Cybersicherheit privater Haushalte, kleiner
und mittlerer Unternehmen sowie der öffentlichen Verwaltung. Beteiligt
sind neben der Universität Passau, die den Verbund koordiniert, die
Technische Universität München, die Friedrich- Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg, die Otto-Friedrich-Universität Bamberg sowie die
Ludwig-Maximilians-Universität München. Gefördert wird der Verbund vom
Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.

Text: Tanja Daller