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Wenn der Bund Fiktion schreibt, um Fakten zu erklären

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Podcast-Episode beleuchtet Quantencomputing, Kryptografie und deren
gesellschaftliche Sprengkraft
Was passiert, wenn ein öffentlich zugänglicher Quantencomputer die Welt
neu berechnet? Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH
(Cyberagentur) beantwortet diese Frage mit einem ungewöhnlichen Mittel:
einem Science-Fiction-Roman. Am 9. April 2026 erklärt Autor Jens
Hüttenberger im Podcast „Per Anhalter durch den Cyberraum“, warum die
Inhousegesellschaft des Bundes ihn zur Feder greifen lässt und was
Quantentechnologie mit unserem aller Alltag zu tun hat.



Ein einmaliges Projekt in der deutschen Behördenlandschaft

Bundeseinrichtungen kommunizieren in Berichten, Lagebildern,
Pressemitteilungen. Die Cyberagentur geht jetzt einen neuen Weg: Sie lässt
einen Roman schreiben. „Kryptokalypse“ ist ein Naher-Zukunfts-Roman, der
sich der Frage widmet, welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und
sicherheitspolitischen Konsequenzen leistungsfähige Quantencomputer haben
könnten. Das Projekt ist in dieser Form einmalig in der deutschen
Bundesagentur-Landschaft.

Im Podcast der Cyberagentur „Per Anhalter durch den Cyberraum“ spricht
Moderator Marcel Roth am 9. April 2026 mit Autor Jens Hüttenberger über
Entstehung, Ziel und inhaltliche Tiefe des Projekts.

Jens Hüttenberger ist seit Anfang 2026 Mitarbeiter des
Innovationsmanagements der Cyberagentur und schreibt den Roman im Rahmen
dieser Tätigkeit. Er ist damit nicht nur Autor, sondern auch Teil des
interdisziplinären Teams, das die inhaltliche Substanz des Buches
wissenschaftlich untermauert.

2039: Eine Maschine, die die Welt neu berechnet

Der Roman spielt im Jahr 2039. Das fiktive Unternehmen QuaaSE hat den
ersten öffentlich zugänglichen Ionen-Quantencomputer mit 100.000 Qubits
als Quantum-as-a-Service auf den Markt gebracht. Pharmaunternehmen,
Logistiker, Materialforscher und Forschungsinstitute kaufen Zeitslots, um
die bis dahin undenkbare Rechenleistung zu nutzen.

Im Zentrum stehen zwei Frauen mit gegensätzlichen Perspektiven: Anaram,
Physikerin und Logistikberaterin, sieht in der Quantentechnologie eine
historische Chance für effizientere Lieferketten und neue
Handelsbündnisse. Alice, Mathematikerin und Post-Quanten-Kryptografin,
kennt die Schattenseiten: Gängige Verschlüsselungsverfahren werden durch
leistungsfähige Quantencomputer angreifbar. Der sogenannte Q-Day – der
Tag, an dem Sicherheitsschlüssel dekodiert werden und Finanztransaktionen,
Internetverbindungen und Kommunikationssysteme offen liegen – ist keine
Dystopie mehr, sondern ein berechenbares Risiko.

Alice sieht darüber hinaus soziale Verwerfungen: mehr globaler Handel
bedeutet mehr CO₂-Emissionen, wachsende Ungleichheit zwischen denjenigen,
die Zugang zu Quantencomputern haben, und denen, die am anderen Ende der
Lieferkette stehen. Aus dieser Überzeugung heraus wird sie zur
Hacktivistin – mit unerwarteten Konsequenzen, die das Buch bis zur letzten
Seite offenlässt.

Warum ein Roman? Wissenschaft braucht Narrativ

Die Idee, komplexe Technologiethemen über Literatur zu vermitteln, ist
keine Erfindung der Cyberagentur – aber ihre konsequente institutionelle
Umsetzung ist es. Unternehmen wie Intel, Audi oder SAP nutzen Science-
Fiction seit Jahren, um Innovationsprozesse anzuregen. Militärische
Denkfabriken wie das US Army Mad Scientist Program setzen gezielt auf
spekulative Fiktion, um Zukunftsszenarien durchzuspielen. In Deutschland
war ein vergleichbares Projekt einer Bundesbehörde bisher nicht bekannt.

Ziel der Cyberagentur ist es, cybersicherheitsrelevante Zukunftsthemen
einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen – jenseits von
Fachpublikationen und Lagebericht. Quantencomputing und Kryptologie zählen
zu den strategisch folgenreichsten Technologien unserer Zeit. Gleichzeitig
nutzen Bürgerinnen und Bürger kryptologische Verfahren dutzend- bis
hundertfach täglich: beim Aufrufen von Webseiten, beim Online-Banking, bei
jeder verschlüsselten Nachricht. Die Lücke zwischen gesellschaftlicher
Relevanz und öffentlichem Bewusstsein ist enorm. „Kryptokalypse“ soll sie
schließen.

Interdisziplinäre Substanz

Ein besonderes Qualitätsmerkmal des Projekts ist die enge Zusammenarbeit
mit dem wissenschaftlichen Personal der Cyberagentur. Kryptologen,
Quantenphysiker, KI-Expertinnen, Politikwissenschaftlerinnen,
Zukunftsforscherinnen, Kriminologen und Juristinnen bringen ihre
Perspektiven ein. Das Ergebnis ist ein Roman, der literarisch funktioniert
und wissenschaftlich belastbar ist – ohne Vorkenntnisse lesbar, ohne
inhaltliche Vereinfachungen.

Literarisch greift der Text den Parallelismus der Quantenmechanik auf und
spielt mit der Doppelbödigkeit von Quanten – eine Struktur, die
Hüttenberger zufolge nicht nur formal, sondern inhaltlich trägt: Hoffnung
und Bedrohung, Fortschritt und Kontrollverlust existieren im Roman
gleichzeitig.

Podcast-Episode vom 9. April 2026

In der neuen Episode von „Per Anhalter durch den Cyberraum“ befragt
Moderator Marcel Roth den Autor zu seiner Arbeit: Wie entsteht ein
wissenschaftlich fundierter Roman innerhalb einer Bundesbehörde? Welche
Freiheiten hat die Literatur, die ein Fachbericht nicht hat? Und was macht
Quantencomputing zur Bedrohung – und gleichzeitig zur Chance?

Der Podcast ist ab dem 9. April 2026 auf allen gängigen Plattformen.

Über den Autor: Jens Hüttenberger

Jens Hüttenberger, geboren in Bonn, arbeitet seit mehr als 25 Jahren als
Texter und Autor. Nach seinem Studium der Afrikanistik, Philosophie und
Ethnologie (M. A.) war er neun Jahre lang in zwei Werbeagenturen tätig,
bevor er sich selbständig machte. Zu seinen Auszeichnungen zählen der
„Deutsche Preis für Online-Kommunikation 2023“ und eine Nominierung im
„Jahr der Werbung“.

Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter „Würgenberg – Weintrips
zwischen Mecker und Ödwald“ (KVB Verlag), die Kriminalromane „Das
Paraklet-Gesetz“ und „Muskelspiele“ (unter dem Pseudonym J. P. Büttner)
sowie – unveröffentlicht – „Die Antwort“. In seinen Werken verbindet er
erzählerische Kraft mit philosophischer Reflexion und Humor.

Seit Anfang 2026 ist Jens Hüttenberger Mitarbeiter des
Innovationsmanagements der Agentur für Innovation in der Cybersicherheit
GmbH. „Kryptokalypse“ entsteht im Rahmen dieser Tätigkeit in enger
Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der
Cyberagentur.

Weitere Informationen:
https://cyberraum-podcast.podigee.io/20-science-fiction-roman (ab
09.04.2026, 09:00 Uhr)